Der Stadtbeleber

Viele Geschäfte in den Innenstädten kämpfen ums Überleben. Zwei Professoren aus Vorarlberg haben an der Fachhochschule St. Gallen eine App entwickelt, die dazu beiträgt, die Innenstädte und deren Angebot zu attraktivieren.

Kremmel Fischer
„Der City Messenger rückt die Vorteile der Innenstadtgeschäfte wieder ins Bewusstsein.“ Sigrid Hofer-Fischer & Dietmar Kremmel, Marketing-Experten Foto: Udo Mittelberger

Weekend: Was kann Ihr City Messenger und was ist das Ziel?
Dietmar Kremmel:
Mit Text- und Bildnachrichten informiert der City Messenger einfach und schnell über aktuelle Einkaufs- und Unterhaltungsmöglichkeiten. Dabei kommunizieren Nutzer und Geschäfte direkt miteinander. Er macht bewusst, was die Innenstadt alles bietet.
Sigrid Hofer-Fischer: Innenstädte sind Seele und Visitenkarte einer Stadt. Wenn eine Innenstadt ausstirbt, dann ist die Attraktivität des Orts gesunken. Viele schaffen dann als Rettungsanker einen Onlineshop für die Innenstadtgeschäfte, aber genau das wollten wir nicht machen. Ich kann nicht mit Amazon konkurrieren. Diesen Wettbewerb werde ich nie gewinnen.

Weekend: Ihr City Messenger funktioniert ähnlich wie WhatsApp. Was aber ist anders und wo ist der konkrete Nutzen für die Geschäfte und für die Kunden?
Dietmar Kremmel:
Die User erwarten sich interaktiven Content. Mit dem City Messenger ist es möglich, das auch in der geschäftlichen Kommunikation zu verwenden. Die Innovation ist, dass mehrere Geschäfte diesen Kanal gemeinsam betreiben und Informationen senden. Umgekehrt kann ich als Nutzer aber auch direkt mit dem einzelnen Geschäft kommunizieren.

Weekend: Geben Sie uns bitte ein Beispiel.    
Sigrid Hofer-Fischer:
Ein Optiker hat für Halloween als Angebot coole Linsen in den City Messenger eingestellt. Ich wollte sie haben, hab ihm geantwortet und wir sind in einen persönlichen Chat eingetreten, was sie kosten usw., und wir haben uns dann direkt über den City Messenger einen Termin ausgemacht.

Weekend: Auf der anderen Seite ist also eine konkrete Person?     
Sigrid Hofer-Fischer
: Richtig, der City Messenger macht eine persönliche und individuelle Kommunikation möglich. Ein anderes Beispiel. Viele Kunden wollen heute zB über WhatsApp informiert werden, wann eine Reparatur fertig ist. Bestehende Messenger bieten hierfür unzulängliche Lösungen für Betriebe und verbieten oft Broadcast-Nachrichten. Mit dem City Messenger ist ein Kundenservice und der Versand von Nachrichten an eine grosse Anzahl an Empfängern möglich.
Dietmar Kremmel: Ein Bummel in der Stadt bietet ja viel mehr als das Einkaufserlebnis. Die Innenstadt ist ein sozialer Begegnungsraum, man trifft vielleicht noch einen alten Schulkollegen, geht mit ihm in ein Café. Der City Messenger nützt produktiv die Digitalisierung um die Leute wieder in die Stadt zu ziehen.

Weekend: Als Erstes wurde der City Messenger vor wenigen Tagen in St. Gallen gestartet. Wie geht es weiter?
Sigrid Hofer-Fischer:
St. Gallen war das Pilotprojekt. Innerhalb der ersten vier Tage haben bereits 2000 Personen den City Messenger heruntergeladen. Mehrere andere Städte haben schon angefragt und natürlich können auch österreichische Städte den City Messenger einsetzen.
Dietmar Kremmel: Der City Messenger steht für zeitgemäße unmittelbare Kommunikation. Wichtig war uns, dass es sowohl für die Geschäfte als auch die Nutzer ganz einfach sein muss. 

Kremmel Fischer
Prof. Dr. oec. HSG Dietmar Kremmel und Prof. Mag. Sigrid Hofer-Fischer. Foto: Udo Mittelberger

Zur Person: Prof. Dr. oec. HSG Dietmar Kremmel

  • Leiter Kompetenzzentrum Marketing Management am Institut für Unternehmensführung der FHS St. Gallen
  • geb. in Lustenau
  • wohnhaft in Lustenau
  • verheiratet, drei Kinder
  • Hobbys: Lesen, Sport, Fußball (natürlich Austria)

Zur Person: Prof. Mag. Sigrid Hofer-Fischer

  • Dozentin Kompetenzzentrum Marketing Management am Institut für Unternehmensführung der FHS St. Gallen
  • geb. in Linz
  • wohnhaft in Dornbirn
  • verheiratet, drei Kinder
  • Hobbys: Sport, Musik, Reisen