Der Reformer

Landesrat Christopher Drexler zieht die steirische Gesundheitsreform allen Widerständen zum Trotz durch. Im Interview mit dem Weekend Magazin spricht er auch über die Verhandlungen mit der FPÖ im Bund und seine eigene Zukunft.

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Christopher Drexler will auch als Kulturlandesrat neue Reizpunkte setzen. Foto: geopho.com

Weekend: Bei der Präsentation des steirischen Gesundheitsplans 2035 haben Sie gesagt, „es gibt eine Sehnsucht nach Veränderung im Gesundheitsbereich“ – spüren Sie diese Sehnsucht immer noch?

Christopher Drexler: Aus Patientinnen- und Patientensicht ist der Wunsch nach Veränderung im Gesundheitsbereich sicher sehr groß.

Weekend: Auch im Bezirk Liezen?

Christopher Drexler: Ja, auch im Ennstal gibt’s viele Menschen, die zu mir sagen, du bist am richtigen Weg. Der Strukturplan sieht ja vor, statt der vorhandenen drei Spitäler in Rottenmann, Bad Aussee und Schadming, an einem einem neuen Standort im Bezirk ein Leitspital zu errichten. Für mich steht die Frage im Mittelpunkt, wie können wir die Versorgung in den nächsten 20, 30 Jahren zeitgemäß auf neue Beine stellen. Ein Leitspital im Bezirk Liezen wird ein breiteres Angebot für die Patientinnen und Patienten bedeuten, erstmals Kinder- und Jugendheilkunde, erstmals Neurologie im Bezirk – und wir werden künftig auch eine Geburtenstation mit annähernd der im international geforderten Geburtenzahl haben. Dieses Leitspital soll 2025 eröffnet werden – bis dahin werden wir auch alle Nachnutzungsfragen für die bestehenden Spitäler sinnvoll geklärt haben.

Weekend: Jetzt ist der Gesundheitsbereich natürlich ein sehr sensibles Thema – ist da nicht zu befürchten, dass es den Bürgermeistern über die emotionale Schiene gelingen wird, weiter Stimmung gegen die Pläne zu machen?

Christopher Drexler: In sehr vielen Köpfen, auch im Ennstal, hat sich längst ein Paradigmenwechsel vollzogen. Wenn wir jetzt ein breiteres Angebot, eine bessere Versorgung sicherstellen können, dann glaube ich, dass das auch emotional viele Menschen durchaus positiv empfinden können. Insgesamt geht es einfach darum, die Versorgung für die Zukunft so darzustellen, dass wir Ängste nehmen. Und die gibt es natürlich – das hat damit zu tun, dass viele Kassenärztestellen nicht nachbesetzt werden konnten. Wo die Leute sich dann fragen, hab ich überhaupt noch einen Arzt? Dem setzen wir die Gesundheitszentren entgegen. Solche haben wir etwa bereits in Mariazell, Eisenerz und auch Vorau eröffnet. Dann gibt es auch Sorgen um Arbeitsplätze – diese Sorgen müssen wir nehmen. Das ist sicher eine Bringschuld des Landes.

Weekend: Aber an der grundsätzlichen Entscheidung wird nicht mehr gerüttelt?

Christopher Drexler: Nein, keiensfalls.

Weekend: Vor ziemlich genau einem Jahr haben Sie die FPÖ als linkspopulistische Partei bezeichnet – jetzt sind Sie für die ÖVP in der Untergruppe Gesundheit Teil der Regierungsverhandlungen. Wie verhandelt es sich mit einer linkspopulistischen Partei?

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An der Spitalsreform will Christopher Drexler trotz Widerständen nicht rütteln. Foto: geopho.com

 

 

Christopher Drexler: Ich hab ja große Erfahrung mit der KPÖ im Landtag … Im Ernst: Bei den Regierungsverhandlungen sehe ich ein eigentlich sehr konstruktives Verhandlungsklima – mit zum Teil harten Diskussionssequenzen.

Weekend: Sie haben auch nie ein Hehl daraus gemacht, dass Sie froh sind, dass Alexander Van der Bellen die Bundespräsidentenwahl für sich entschieden hat. Wie sehen Sie sein Vorhaben, Johann Gudenus und Harald Vilimsky als etwaige FPÖ-Minister abzulehnen?

Christopher Drexler: Es ist natürlich das Recht des Bundespräsidenten zu sagen, den oder die ernenne ich oder eben nicht – aber ich will mich eigentlich an derartigen Diskussionen nicht beteiligen. Von vornherein einzelne Dinge auszuschließen, halte ich aber für mittelmäßig geglückt.

“Das Leben ist kein Wunschkonzert…“

Weekend: Werden Sie der Ministerriege der ÖVP angehören?

Christopher Drexler: Das ist insofern der falsche Zeitpunkt darüber zu diskutieren, da ich ja schon mehrmals betont habe, dass ich eine sehr herausfordernde und spannende Aufgabe in der Steiermark habe. Seit Kurzem ist mein Ressort mit der Kultur ja noch einmal breiter geworden – daher kann ich sagen: gekommen, um zu bleiben.

Weekend: Also lieber Landeshauptmann?

Christopher Drexler: Da gibt’s eine klare Antwort – das Leben ist kein Wunschkonzert.

Weekend: Sie haben vorhin die Kultur angesprochen – wie weit sind da eigentlich die Pläne für die Steiermark-EXPO?

Christopher Drexler: Ich möchte anmerken, dass dies nur der Arbeitstitel ist. Es ist aber richtig, dass im Regierungsübereinkommen 2015 verankert ist, ein Nachfolgeformat für die Landesausstellung und die Regionale zu formen. Fakt ist, dass es ganz etwas anderes sein muss. Ich hoffe, dass wir da im ersten Quartal 2018 ein Konzept vorstellen können – dann geht’s darum, das Budget dafür aufzutreiben. Bei ganz gutem Wind würde ich gern 2019 mit dem neuen Projekt starten.