Der mit den Hunden spricht – Martin Rütter im Interview

Martin Rütter hat schon früh besonders viel Gespür im Umgang mit Hunden bewiesen. Er eröffnete nicht nur eine Hundeschule, sondern gibt sein Wissen auch in seinen Shows weiter. Mit uns hat der 49-Jährige über sein neues Programm „Freispruch“ geplaudert.

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Foto: Guido Engels

In Ihrem neuen Programm „Freispruch“ geht es darum, dass der Hund nie schuld ist, wenn er sich falsch verhält. Wieso gibt es Ihrer Meinung nach keine „schlimmen“ Hunde?
Martin Rütter: Nein, Hunde kommen nicht böse auf die Welt. Die Probleme, die sich im Laufe der Hundeerziehung auftun, sind zu 99,9 % menschengemacht. Es ist fast nie der „Problemhund“, sondern der Mensch, der seine Einstellung und sein Handeln ändern muss. Die Menschen stellen zu häufig ihre eigenen Erwartungen in den Vordergrund und vergessen dabei die eigentlichen Bedürfnisse des Hundes. Deshalb heißt mein Leitspruch auch: Ich trainiere Hunde, aber vor allem ihre Menschen.

Wie sind Sie auf die Idee zu diesem Programm gekommen?
Martin Rütter: Ich hatte in den letzten Jahren mehr und mehr das Gefühl, mich zu einem Anwalt von Hunden entwickelt zu haben. Und bei meiner ganzen Erfahrung, die ich mit 6.000 Hunden im persönlichen Umgang gesammelt habe, kann ich absolut nicht behaupten: Der Hund, der auf der Anklagebank sitzt, ist schuld. Mittlerweile verfüge ich über ein ziemlich dickes Buch mit diversen Anklageschriften: Es reicht von Betteln und Hausieren bis hin zur Befehlsverweigerung. In der Show sind die Zuschauer die Geschworenen – sie entscheiden, ob es einen Freispruch gibt oder ins Kittchen geht (schmunzelt).

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Foto: Guido Engels

Jetzt drängt sich natürlich die Frage auf: Was sind die größten Fehler, die Menschen bei der Hundeerziehung machen?
Martin Rütter: Es gibt drei absolute Kardinalfehler. Die extreme Vermenschlichung, denn diese schürt Erwartungen, die der Hund niemals erfüllen kann. Ein Hund kann nicht denken und handeln wie ein Mensch. Dazu kommt mangelnde Konsequenz. Menschen stellen Regeln auf, gehen dann Hier kommt der  aber zu lax mit diesen um. Immer sonntags darf der Hund mit am Frühstückstisch sitzen und bekommt sein Leberwurstbrötchen, an den anderen Tagen aber nicht. Das kapiert kein Hund. Ein Hund benötigt klare Regeln, nur so kann er Vertrauen zu seinem Menschen aufbauen und sich auch in schwierigen Situationen auf ihn verlassen. Und ein weiteres Problem ist die mangelnde Beschäftigung. Hunde brauchen körperliche und geistige Auslastung.

Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen, als „Hundeflüsterer“ auf der Bühne zu stehen?
Martin Rütter: Im Prinzip ist meine Bühnenshow ja die Konsequenz aus meiner Arbeit mit Menschen und ihren Hunden, mit oder ohne TV-Kamera. Denn die Geschichten, die ich auf der Bühne erzähle, habe ich ja alle selbst erlebt. Ich baue keine Luftschlösser oder denke mir fiktive Nummern aus. Die Geschichten passieren wirklich. Und teilweise sind die so lehrreich oder kurios, dass ich sie einfach mit anderen teilen muss (schmunzelt).

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Foto: Guido Engels

Haben Sie Tipps für „Hunde- Neulinge“?
Martin Rütter: Ganz grundsätzlich ist es insgesamt leider viel zu oft so, dass Hunde nach optischen Kriterien oder aus emotionalen Gründen ausgesucht werden. Deshalb immer meine dringende Bitte, vorab eine Art Checkliste zu erstellen: Welcher Hund passt überhaupt zu mir? Sind seine Charaktereigenschaften und Bedürfnisse mit meinem Leben überhaupt vereinbar? Welche Bedürfnisse habe ich, welche Bedürfnisse hat der Hund? Grundsätzlich macht es Sinn, sich einen Hund zuzulegen, der zu einem passt.