Der Krisenmanager: Hans Peter Metzler

Die Corona-Krise hat auch die Vorarlberger Wirtschaft mit voller Wucht getroffen. Im Weekend Magazin spricht WKV-Präsident Hans Peter Metzler über die Hilfsmaßnahmen für die Wirtschaft.

Hans Peter Metzler
„Wir müssen gemeinsam Lösungen über die Krise hinaus anbieten, besonders für Branchen, die massiv betroffen sind.“
Hans Peter Metzler, WKV-Präsident
Foto: www.fasching.photo

Weekend: Wie hat die Wirtschaftskammer Vorarlberg auf diese Krise reagiert?
Hans Peter Metzler:
Wir haben in der Wirtschaftskammer rasch einen eigenen Krisenstab eingerichtet. Über ein Steuerungsboard koordinieren wir die Unternehmenshilfe und stimmen uns permanent gegenseitig und mit den Branchen ab. Unsere Mitarbeiter/-innen stehen seit Beginn der Corona-Krise sieben Tage in der Woche mit Beratung, Beschaffung von Schutzbekleidung, Hilfe bei Genehmigungsverfahren und beim Grenzmanagement sowie nicht zuletzt auch durch die Abwicklung des staatlichen Härtefallfonds an der Seite der heimischen Betriebe. Über 72.000 Anrufe haben uns seit dem 12. März erreicht.

Weekend: Sind Sie zufrieden mit den Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung?
Hans Peter Metzler:
Unsere Regierung hat rasch rigorose Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung umgesetzt. Sie war aber ebenso schnell mit ihren Hilfsmaßnahmen für die Wirtschaft. Das Kurzarbeits-Modell, der Härtefallfonds als Soforthilfe, der Corona-Hilfsfonds, um Liquidität zu erhalten und Umsatzausfälle abzufedern, Steuerstundungen, Garantien und Überbrückungsfinanzierungen werden mithelfen, unsere Betriebe durch die Krise zu bringen. Dennoch bin ich bezüglich der Treffsicherheit und des Tempos vieler im Grunde gut gemeinter Instrumente besorgt.

Weekend: Das heißt, es wird nicht reichen?
Hans Peter Metzler:
Ich befürchte ja. Vielen Betrieben nützen Instrumente, die zur Überwindung der Krise auf einer Schuldenpolitik basieren, wenig. Damit wird das Problem nur auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Um diesen „Shutdown“ wirtschaftlich zu überleben, braucht es branchenspezifisch nachhaltige Lösungen. Etwa für die stark betroffenen Busunternehmen, Reisebüros oder Tourismusbetriebe. Dafür kämpfe ich mit allen Mitteln. Die nächsten Wochen werden hier entscheidend sein. Das Hochfahren der Wirtschaft stimmt ein wenig zuversichtlich.

Weekend: Und doch brauchen die Betriebe Geld!
Hans Peter Metzler
Ja, es muss rasch Geld ins System gebracht und damit Liquidität gesichert werden, um Zeit zu gewinnen. Zeit, damit alle weiteren Maßnahmen für die betroffenen Betriebe treffsicher und zielorientiert gesetzt werden können. Das muss jetzt in der Praxis funktionieren, darauf achten wir.

Weekend: Wie sieht es mit der Wiederaufnahme von Bauverhandlungen und gewerberechtlichen Bewilligungsverfahren aus, die derzeit nicht möglich sind?
Hans Peter Metzler:
Wir haben unsere Position auf Bundes- und Landesebene klar dargelegt und erwarten schnell eine Lösung. Die aktuelle Situation ist nicht nur für die Bauwerber und die zuständigen Behörden schwierig, sondern trifft auch die heimische Bauwirtschaft zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt.

Weekend: Was ist nach der Krise?
Hans Peter Metzler:
Wie unsere Wirtschaft in der Zukunft aussehen wird, ist heute noch nicht absehbar. Doch Szenarien, wie sie der Zukunftsforscher Matthias Horx skizziert, machen vor allem uns in Vorarlberg Mut. Denn er beschreibt ein System, das wir in Vorarlberg bereits seit Jahrzehnten verfolgen: Er spricht von einer Wirtschaft, die von Regionalität, Kooperation und Wertschätzung geprägt sein wird. Ich erkenne in diesem Bild: Unsere Wirtschaft – auf Vorarlberger Art. Das macht mich optimistisch und motiviert.

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