Der Gestalter: Bernd Dragosits

Bernd Dragosits ist mit Leib und Seele Schulleiter und fungiert aktuell zudem als Bauleiter beim Um- und Erweiterungsbau der Wolfurter Volksschule Bütze. Seine 256 Schülerinnen und Schüler begrüßt er am Morgen persönlich.

Bernd Dragosits
„Als Schulleiter kann ich am meisten gestalten und erhalte unmittelbare Rückmeldungen.“ Bernd Dragosits, Direktor Volksschule Bütze Foto: walser-image.com

Weekend: Sie sind trotz Ferien täglich bei den Bauarbeiten anzutreffen?
Bernd Dragosits:
Mit dem Umbau unserer Schule geht ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Die Bausubstanz war in die Jahre gekommen und es herrschte Raumnot. Wir benötigen Platz für Ganztagsklassen, Lernlandschaften, Kleingruppenräume und Haustechnik etc. Ich habe das Raumkonzept geschrieben, war in jeder Sitzung und in der Jury dabei, damit das beste Ergebnis erzielt wird. Bald sind die  im Frühjahr 2017 gestarteten Bauarbeiten zu Ende und das Ergebnis ist sensationell. Wir sind stolz auf die neue Schule mit ihren hellen, freundlichen Räumlichkeiten, der kontrollierten Be- und Entlüftung und optimierten Akustik und fühlen uns unglaublich wohl. Unsere Kinder sind teilweise 6 bis 8 Stunden hier – sie benötigen ein gutes Umfeld.

Weekend: Stimmt es, dass immer weniger Lehrpersonen den Direktorsposten möchten?    
Bernd Dragosits:
Ja, leider sind Bewerbungen auf eine Leiterstelle heutzutage rar. Dafür gibt es klare Gründe. Die Leiterzulage ist minimal – wer als Lehrer Überstunden macht kommt auf ein besseres Gehalt als es ein Direktor erhält. Wegen des Geldes machen die meisten diesen Job ohnedies nicht. Leiten heißt gestalten. Dazu gehört viel Kommunikation mit Kindern, Eltern, Lehrpersonen – und Partnern wie Gemeinden, Behörden etc. Ein weiterer Grund für abnehmende Bewerberzahlen liegt in den umfassenden Aufgaben, welche eine Schulleitung mit sich bringt. Ein Lehrer ist in der Regel weder Manager, noch Personalchef oder Büroarbeiter.

Weekend: Was sind  Ihres Erachtens Ursachen für den Lehrermangel?     
Bernd Dragosits:
Es ist aktuell eine Herausforderung, alle Klassen besetzen zu können. Die Decke wird immer dünner. Einerseits ist die Ausbildung verlängert worden – durch den Masterabschluss kommen zwei Jahre lang keine neuen Lehrer nach. Und ganz viele der unterrichtenden 60er Jahrgänge gehen jetzt oder in absehbarer Zeit in Pension. Lehrer sein ist schwieriger, aber auch vielfältiger geworden. Das Vermitteln von Wissen geht zurück, der Ausgleich von Defiziten ist steigend. Wir haben in jeder Klasse Kinder in verschiedenen Entwicklungsstadien, teilweise mit Verhaltensauffälligkeiten oder Rechtschreib- und Rechenschwächen - das fordert uns. Die Familie kann vieles nicht mehr leisten. Wir Lehrer können und müssen vieles auffangen, was später schwer zu „reparieren“ wäre.

Weekend: Gesellschaftliche Veränderungen sind spürbar?     
Bernd Dragosits:
Manche Kinder erhalten bereits in der 2. Klasse Volksschule von ihren Eltern ein Smartphone mit unbeschränktem Internetzugang. Bei vielen unseren Schülern hapert es an der Fein- wie Grobmotorik – sie können ihre Schnürsenkel nicht binden oder eine Schere nicht richtig halten. Es dreht sich im Alltag eben nicht alles darum ein Selfiestar zu werden oder beim Computerspiel Fortnite wild herumzuballern. Wichtig ist es, der Digitalisierung den richtigen Dreh zu verleihen. Wir fördern mit Projekten informatisches Denken und erste Coding-Kenntnisse durch einen spielerischen Ansatz – wie mit unseren Bee-Bots – Bienenroboter – das ist ein guter Weg.

Bernd Dragosits
Bernd Dragosits, Direktor Volksschule Bütze Foto: walser-image.com

Zur Person: BERND DRAGOSITS
Volksschuldirektor VS Bütze Wolfurt

  • Geb. 17. Jänner 1964 in Bregenz, verheiratet
  • Werdegang: Volksschullehrer seit 1984, seit 1995 Volksschuldirektor (zuerst Doren, seit 2007 VS Wolfurt Bütze, 256 SchülerInnen, 35 Lehrpersonen, 13 Klassen), 10 Jahre Stadtvertreter in Bregenz, u.a.
  • Bildungsstadtrat, 10 Jahre Obmann „Jugend am Werk“
  •  Hobbys: Reisen, Lesen, Berge, Sport

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