Der Altmeister

Angekommen. Vor vier Jahren verlor Hermann Schützenhöfer die Wahl gegen Franz Voves hauchdünn, wurde aber dennoch Landeshauptmann. Der ewige Zweite fühlt sich in der Rolle des Ersten pudelwohl.

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Foto: Joel Kernasenko

Nicht Jungstar Sebastian Kurz ist der Politiker der Stunde, sondern Altmeister Hermann Schützenhöfer. Er, der aus der längst zurückgetretenen Generation Michael Häupl, Erwin Pröll und Josef Pühringer stammt, erlebte in den letzten Jahren so etwas wie einen zweiten Frühling. Er, der eigentlich die Antithese zu Sebastian Kurz darstellt, ist bei den bevorstehenden Landtagswahlen der haushohe Favorit. Am 24. November will Schützenhöfer beweisen, dass er auch Wahlen gewinnen kann.

Landesvater. Der Schützi, wie ihn seine Parteifreunde liebevoll nennen, verkörpert die Figur des Landesvaters in Reinkultur, eine Figur, die man eigentlich schon vor Jahren totgesagt hatte. Anders als der von ihm hoch geschätzte Sebastian Kurz, ist Schützenhöfer ein Mann des Ausgleichs, des viel gescholtenen Kompromisses, jemand, der den politischen Mitbewerbern ohne Vorurteile mit offenem Visier begegnet. Er ist aber auch einer, der eine klare Linie verfolgt, der ein unerschütterliches Wertekonstrukt in sich trägt und eine klare Vorstellung hat, wie dieses Land regiert werden soll. Schützenhöfer wird manchmal als zu sanftmütig, zu wenig kantig beschrieben. Der LH kann aber auch anders, vor allem wenn es um die FPÖ geht. So ließ er im Wahlkampf 2015 keinen Zweifel darüber aufkommen, mit wem er die Steiermark nicht regieren möchte: „Die Freiheitlichen in der Steiermark, das sind keine Freiheitlichen mehr, das sind blaue Strammhalter“. An dieser Haltung hat sich bis heute nichts geändert, auch wenn die Koalition mit der SPÖ ein wenig erfreuliches Ende nahm.

Entertainer. Der Schmäh von Schützenhöfer ist legendär. Vor allem im kleineren Kreis mutiert der 67-Jährige zum Alleinunterhalter. Ein Beispiel gefällig: Als er vor einigen Wochen die steirischen Kandidaten für den Nationalrat präsentierte, war auch die nicht mehr kandidierende Ridi Steibl anwesend. Schützenhöfer begrüßte sie dennoch und schickte einen launischen Spruch hinterher: „Die Ridi ist ja erst 55 Jahre alt, war aber mehr als 40 Jahre im Nationalrat.“ Sein Humor entspricht eher dem stillen Josef Hader als dem schreienden Michael Mittermaier. Niemals verletzend, mit feiner Ironie und wie zufällig eingeflochten feuert der Landeshauptmann die Bonmots ab.

Niedergeclincht. Sein größtes persönliches Opfer brachte Schützenhöfer nach den Wahlen im Jahr 2010, als er mit Wahlsieger Franz Voves die viel zitierte Reformpartnerschaft begründete und damit der Gemeindestrukturreform, einer der größten steirischen Reformen der letzten Jahrzehnte, den Weg ebnete. Er stellte damals die Interessen des Landes klar vor seine persönlichen, wusste er doch, dass gute Regierungsarbeit in erster Linie dem Ersten nutzt. Im Laufe der Jahre entstand zwischen den beiden Alphatieren Schützenhöfer und Voves eine Freundschaft, die der Steiermark gut tat.

Aufstieg. Bei den Landtagswahlen 2015 reichte es dann für Schützenhöfer knapp nicht. Da aber Franz Voves der Politik den Rücken kehrte, war plötzlich der Weg auf den Landeshauptmannsessel frei und Schützenhöfer nutzte die Chance. Mit dem auf Voves folgenden Michael Schickhofer verlor die Reformfreudigkeit dann etwas an Fahrt. Nicht nur der Altersunterschied trennt die beiden. Aus jetziger Sicht zweifelt wohl niemand daran, dass Schützenhöfer die Landtagswahlen für sich entscheiden und damit die letzte Scharte in seiner Biografie ausmerzen wird. Wie lange er dann noch auf dem Landeshauptmannsessel Platz nehmen wird, hängt wohl von seiner Gesundheit ab. Es wäre aber wenig überraschend, wenn er auch die nächste Periode fertig machen würde. So lange heißt es dann für die Kronprinzen, laut Schützenhöfer eh bloß eine Apfelsorte, bitte warten. 

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