Dem Ingenieur ist nichts zu schwör

Lebenslanges Lernen. Mit 30 Standorten zählen das Studienzentrum Weiz und Ingenium Education zu den erfolgreichsten Weiterbildungsanbietern des Landes. Jetzt feierten die Familienunternehmen ihr 20- bzw. 15-jähriges Jubiläum.

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Gerald Friedrich leitet gemeinsam mit Günther Friedrich das Studienzentrum Weiz. Er selbst hat sowohl den ersten Studiengang als auch sein Masterstudium im eigenen Haus absolviert. Foto: Studienzentrum Weiz

Weekend: Gehen wir zurück zu den Anfängen. Wie hat alles begonnen?   
Gerald Friedrich: Da haben mehrere Faktoren mitgespielt. Zum einen war mein Vater Direktor an der HTL in Weiz und hat immer mehr Nachfragen von Absolventen bekommen, ob es denn nicht eine Möglichkeit gibt, ein FH-Studium zu beginnen, ohne wieder komplett bei null anfangen zu müssen. Zum anderen haben die Versuche, HTL-Absolventen in das bestehende FH-System zu integrieren einfach nicht funktioniert. Er hat sich dann gemeinsam mit anderen Direktoren auf die Suche gemacht, ob es nicht eine Möglichkeit zur Weiterbildung gibt. Dabei ist man auf die Hochschule Mittweida gestoßen. Die hat ihren Sitz in Sachsen und hat Weiterbildunsprogramme etabliert, um die Bildungssysteme nach der Wiedervereinigung in Deutschland anzugleichen. Gemeinsam hat man ein Programm entwickelt, das es auch österreichischen HTL-Absolventen ermöglicht einen FH-Abschluss zu machen.
weekend: Was ist seit damals konstant geblieben?
Gerald Friedrich: Die Grundlage unserer Idee ist gleichgeblieben. Nämlich Studienprogramme anzubieten, die für Ingenieure zeitlich durchführbar sind und eine Verkürzung der Studienzeit mit sich bringen. Unsere Studierenden haben Präsenzeinheiten, in denen sie 6-7 Mal pro Semester und am Semesterende eine Woche am Studienort sein müssen, der Rest wird als unterstütztes Fernstudium durchgeführt. Die Erfolgszahlen sprechen auch ganz klar für unser Modell. Wir haben eine Abbrecherquote von ca. 10 Prozent. Im berufsbegleitenden Bereich ist das sehr niedrig.  
weekend: Weiterbildung und lebenslanges Lernen werden immer wichtiger. Spielt Ihnen diese Tatsache zu?      
Gerald Friedrich: Naja, unser Wachstum ist in gewisser Weise begrenzt, da wir ja spezialisiert sind und es insgesamt nicht mehr HTL-Absolventen gibt. Außerdem wird in vielen Jobs das Zeitbudget immer enger, Termine werden strenger getaktet usw. Aber eines merken wir schon ganz deutlich: Das Bewusstsein für Weiterbildung ist gestiegen. Die Studienanfänger kommen mit einer immer konkreteren Idee zu uns und haben den Karrierefortschritt klar vor Augen.  

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Starkes Team: Stefan, Günther und Gerald Friedrich verhalfen schon über 6.000 Berufstätigen zum Studienabschluss. Foto: Hermann Burgstaller E.U.

weekend: Als Experte können sie es uns bestimmt verraten: Wie bekommt man Studium und Job unter einen Hut?      
Gerald Friedrich: Ich denke, es ist ganz wichtig, dass man sich vorher Gedanken macht und sich genau informiert. Und dann ist es ganz wesentlich, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Im Schnitt absovlieren die Studierenden bei uns ihr Studium in zwei Jahren, das ist für den technischen Bereich ein überschaubarer Zeitraum. Und ich denke, dass man auch das Privatleben nicht außer Acht lassen sollte. Wenn man es schafft, ein Gleichgewicht in diese drei Bereiche, Studium, Job und Privatleben, zu bringen, dann funktioniert es eigentlich recht gut. Schwierig wird es nur, wenn man das Gleichgewicht verliert, weil man zum Bespiel keine Unterstützung von der Familie bekommt. Aber wenn alles gut abgesprochen und strukturiert ist, funktioniert es auch.  
weekend: Das Studienzentrum wird als Familienunternehmen betrieben. Wie arbeitet man am besten mit der Familie zusammen?      
Gerald Friedrich: Ich würde sagen offen, vertrauensvoll und sachlich, so wie in jedem anderen Unternehmen auch. Um noch einmal auf die vorherige Frage zurückzukommen: Die führenden Köpfe des Studienzentrums sind seit den Anfängen eigentlich gleich geblieben. Das funktioniert so gut, weil wir klar miteinander kommunizieren und uns gegenseitig Vertrauen. Ich sehe da aber keinen so großen Unterschied zu anderen Betrieben.  
weekend: Welche Trends wird es im Bereich der Weiterbildung geben?      
Gerald Friedrich: Inhaltlich sehe ich zwei Megatrends: Das eine sind die Themen Klima, Umwelt und Nachhaltigkeit, die momentan in allen Medien Platz finden. Und das zweite ist die Digitalisierung – sei es von der Verwaltung bis hin zu einzelnen Arbeitsprozessen. In beiden Bereichen sind Aus- und Weiterbildungen gefragt. Denn das beste Tool nutzt einem nichts, wenn es nicht angewendet werden kann.

 

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