Dekadente Gaumenfreuden

Mit Blattgold, Beluga-Kaviar und schwarzem Trüffel verziert, darf sich dieser 23.600 Euro teure Tacco in die Topliste der exklusivsten und kostspieligsten Gerichte unseres Planeten einreihen. Welche Nahrungsmittel und Speisen sonst noch horrende Preise erzielen, erfahren Sie hier.

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Foto: GrandVelasLasCarbos/Action Press/picturedesk.com

Dass Essen weit mehr als eine lebenserhaltende Maßnahme ist, haben Forscher, Künstler, Architekten und natürlich Gourmets schon lange erkannt. Nahrungsmittel können mehr als nur Hunger stillen – sie sind vielseitig einsetzbar und dienen für wissenschaftliche und kreative Experimente, als Baustoff für Kunstwerke oder als Statussymbol. Bei so viel Freiraum bleibt natürlich auch Platz für Dekadenz: Luxusrestaurants und Starköche schmücken ihre Speisen mit teuren, seltenen und wertvollen Lebensmitteln und verlangen dafür ein kleines oder großes Vermögen. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, trotzdem gelten die folgenden Lebensmittel als rare Delikatessen, für die man tief in die Geldtasche greifen muss ...

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Den Anfang macht das japanische Kobe-Rind, das für sein außergewöhnlich zartes und perfekt marmoriertes Fleisch berühmt ist. Die Haltung der Rinder, die häufig auch als Wagyū bezeichnet werden, ist sehr aufwendig, zeitintensiv und kostspielig. Außerdem werden die Tiere von manchen Züchtern täglich massiert und mit Biertreber-Silage, Soja, Reisstroh, Weizenkleie und reinem Quellwasser gefüttert, damit ihr Fleisch noch zarter wird. Für die perfekte Symbiose aus zartem Muskelfleisch und den feinen Fett-Äderchen bezahlen Feinschmecker zwischen 400 und 600 Euro pro Kilo, manchmal sogar noch mehr.

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Noch teurer wird es unter der Erde, wo zwei der wertvollsten Lebensmittel der Welt gedeihen: der edle, weiße Alba- oder Piemont-Trüffel und der äußerst seltene Matsutake Pilz. Der japanische Matsutake-Wildpilz ist besonders schwer zu finden und kommt mittlerweile nur noch sehr selten vor. Dies erklärt auch seinen Marktpreis von bis zu 2.000 Euro pro Kilo. Das spezielle Aroma des Matsutake ähnelt dem von Zimt und bleibt auch nach dem Kochvorgang erhalten. Das Aroma des weißen Trüffels hingegen soll an Knoblauch, Schalotten und Weichkäse erinnern. Er bevorzugt das mediterrane Klima und wird vorwiegend in Italien gefunden. Zwischen 3.000 und 15.000 Euro pro Kilogramm werden für die weißen Trüffelknollen verlangt.
Mit zwischen 1.400 und 10.000 Euro pro Kilo wird Safran nicht umsonst als  „Rotes Gold“ bezeichnet. Um einen Kilogramm des beliebten Gewürzes herzustellen, werden bis zu 150.000 Krokus-Blüten benötigt. Aus den Narben der Blüten werden die roten Safranfäden gewonnen. Die Safran-Produktion erfolgt händisch, was den verhältnismäßig hohen Preis zu anderen Pflanzen erklären dürfte.

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Die teuersten kulinarischen Schätze unserer Erde verstecken sich jedoch im Wasser: Fugu gilt in Japan als absolute Delikatesse, die aus dem Muskelfleisch von Kugelfischen besteht. Allerdings kann der Verzehr von Fugu auch tödlich enden – Haut, Leber, Darm und Rogen des Fisches sind hochgradig giftig, weshalb Fugu nur von geprüften und erfahrenen Köchen zubereitet werden darf. Wer Lust auf Nervenkitzel in Form eines präparierten Kugelfisches hat, zahlt rund 500 Euro pro Kilogramm. Bestellt man den Fugu im Lokal, kommt man im Schnitt auf 150 Euro. Für rund 1,3 Millionen Euro wechselte im Jahr 2013 ein 222 Kilogramm schwerer Blauflossentunfisch den Besitzer. Das tiefdunkle Fleisch des edlen Speisefisches wird gerne zu Sushi verarbeitet und gilt als Delikatesse. Aber auch der rote Tunfisch zählt zu den teuersten Edelfischen der Welt.
Die erlesenste und teuerste Delikatesse, die einem Feinschmecker serviert werden kann, ist der weiße Kaviar des Albino-Störs. Entsprechend ist auch der Preis: Ab 16.000 Euro pro Kilo werden die weißen Fischeier angepriesen, allerdings gibt es auch Händler, die bis zu 45.000 Euro verlangen. Jährlich werden nur etwas mehr als 12 Kilogramm des weißen Kaviars produziert. Die Haltung der Albinostöre ist sehr aufwendig, zumal die Tiere erst nach rund 15 Jahren reif für die „Ernte“ sind. Aufgrund ihrer Pigmentstörung sind die Störe auch extrem sonnenempfindlich und neigen vermehrt zu Krankheiten. Die sensiblen Fische brauchen besonders viel Aufmerksamtkeit und Fachwissen von erfahrenen Züchtern wie Walter und Patrick Grüll aus Salzburg. Weltweilt gibt es nur an die 30 Störzüchter, die den weißen Kaviar produzieren.

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Foto: iStock/Thinkstock

Wer nun denkt, dass 20.000 Euro für ein paar weiße Kügelchen nicht mehr zu toppen sind, irrt gewaltig. Vereint zu fantasievollen Luxusgerichten zeigen die einzelnen Edel-Nahrungsmittel erst, welches Potenzial in ihnen steckt. Aus einem faden, unspektakulären Hotdog lässt sich mit Hilfe von schwarzem Trüffel, weißer Trüffelbutter und Osietra-Kaviar ein Edelgericht für 1.000 Dollar zaubern. Mit ein ein paar Goldflocken bespikt wird dieser Nobel-Hotdog im Restaurant „230 Fifth Rooftop Bar“ in New York serviert. Im „Big Apple“ scheinen Köche generell auf den Geschmack von teuren Gerichten gekommen zu sein: Hummer, sechs verschiedene Kaviarsorten und edler Lachs dekorieren „Nino’s Bellissima“, die teuerste Pizza der Welt. Für die maritime Köstlichkeit im Wert von 1.000 Euro benötigt der New Yorker Pizzabäcker Nino Selmaj einen Tag Vorlaufzeit, um die exquisiten Zutaten zu besorgen.

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Foto: Barcroft Media/Getty Images

Soll es im Anschluss noch ein Dessert sein, empfiehlt sich ein Besuch in New Yorks „Serendipity 3“, wo einer der teuersten Eisbecher der Welt geboten wird. Der „Golden Opulence Sundae“ bezaubert, wie der Name schon vermuten lässt, mit viel Blattgold, Tahitianischem Vanilleeis, Kaviar und einer essbaren 23-Karat-Goldblüte. Für 1.000 Dollar ist dieses Dessert fast ein Schnäppchen, denn für das 50-Jahre Jubiläum von Serendipity 3 wurde ein noch wesentlich teurerer Nachtisch ins Leben gerufen: „Der Frrrozen Haute Chocolate“ überzeugt mit den 14 edelsten und seltensten Kakaosorten der Welt, Trüffeln und essbarem Gold. Für 25.000 Dollar darf man immerhin den diamantbesetzten Löffel aus Gold behalten.

 

Interview mit Haubenkoch Harald Irka

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Foto: Saziani Stub'n, Luttenberger

Haubenkoch Harald Irka über Luxus aus dem eigenen Garten und die Dekadenz der Haute Cuisine.

Als Drei-Hauben-Koch kredenzen Sie Ihren Gästen in der „Saziani Stub’n“ in Straden exklusive Gerichte. Welche Lebensmittel sind für Sie persönlich unbezahlbar?
Das sind vor allem Lebensmittel aus der Natur, die man nicht überall kaufen kann. Kräuter, Morcheln und Pilze, die rund ums Haus wachsen oder wild wachsende Karotten haben einen unvergleichbaren Geschmack und sind für mich deshalb unbezahlbar.
 
Haben Sie selbst schon Luxuslebensmittel wie weißen Trüffel, Kobe-Rind oder weißen Kaviar verkostet?
Weißen Trüffel habe ich bereits probiert, allerdings fand ich das Aroma nicht besonders. Der Pilz hat einen Geschmack, der bestimmt nicht jedem zusagt – ich hatte dabei eine Assoziation mit Benzin oder Petrol.

Verwenden Sie selbst auch Trüffel, Kaviar und Co.? Werden solche raren Delikatessen in Ihrer 3-Hauben-Küche erwartet?
Wir servieren ab und an Menüs mit Trüffel, das kommt bei den Gästen gut an. Erwartet werden solche Luxuslebensmittel allerdings nicht.

Was halten Sie persönlich von Gerichten ab 1.000 Euro, die vor allem durch ihre Präsentation in Form von Blattgoldelementen und Diamantlöffelchen bestechen?
Ganz ehrlich: Wenn ein Koch auf solche Mittel zurückgreifen muss, um sein Gericht aufzuwerten, hat er keinen Respekt verdient. Vor allem dann, wenn es sich dabei um an und für sich schon edle und wertvolle Lebensmittel wie Kaviar oder Trüffel handelt – die brauchen keinen zusätzlichen Schnickschnack mehr.