Davis Cup: Echter Heimvorteil

Österreichs Kräftemessen mit Australien (14. bis 16. September) am Grazer Messegelände vespricht ein echtes Tennisfest zu werden. Lokalmatador Oliver Marach über die Bedeutung dieses Duells, seinen Wunschpartner und seine Zukunft.

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Spiel, Satz und Sieg – für die Steiermark. Unser Bundesland steht schon jetzt als großer Sieger vorm Davis-Cup-Kracher zwischen Österreich und Australien fest. Die Tickets für das über 6.000 Zuschauer fassende Stadion am Areal der Grazer Messe gingen weg wie die warmen Semmeln – ein ausverkauftes Haus ist an allen drei Wettkampftagen so gut wie sicher.

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Thiem schauen

„Da sieht man wieder einmal, was für ein Tennisboden die Steiermark ist. Dazu kommt natürlich, dass wir in der glücklichen Lage sind, mit Dominic Thiem ein absolutes Zugpferd in der österreichischen Mannschaft zu haben. Für jeden Tennisfan ist es ein echtes Highlight, so einen Spieler in Graz live sehen zu können“, kommt selbst Lokalmatador Oliver Marach über Österreichs Nummer eins ins Schwärmen.

Heimdebüt

Die Nummer zwei der Doppel-Weltrangliste brennt jedenfalls aufs Davis-Cup-Debüt in seiner Heimatstadt: „Gegen Kroatien hab ich es 2006 ja nicht ins Team geschafft, obwohl ich die Nummer zwei im Single war – das war eine ziemlich bittere Erfahrung. Umso mehr freue ich mich jetzt aber auf ein echtes Heimspiel.“ An wessen Seite er im Doppel aufschlagen wird, ist allerdings noch ungewiss. „Alex Peya wird verletzungsbedingt ja sicher nicht spielen. Wir werden also gemeinsam mit Kapitän Stefan Koubek entscheiden und schauen, was für uns die günstigste Konstellation ist. Ich hab aber sowohl mit Philipp Oswald und auch Jürgen Melzer schon Doppelpartien im Davis Cup gespielt und harmoniere eigentlich mit beiden gut“, will sich der 38-Jährige auf keinen Wunschpartner festlegen.

Sandspiele

Die eine gemeinsame Trainingswoche im Vorfeld des Davis Cups wird jedenfalls zur Feinabstimmung genügen müssen. „Das sollte aber locker reichen – für uns geht’s eher darum, wieder den Sand unter den Füßen gewohnt zu werden.“

Flair geht verloren

Das Duell gegen Australien wird das letzte Match im klassischen Davis Cup auf österreichischem Boden sein. „Mit dem neuen Modus verliert der Bewerb sicher seinen Flair. Der Davis Cup ist ja bisher für jeden Spieler ein echtes Highlight gewesen – jeder Punkt wird da gefeiert, es ist einfach ein richtig geiles Gefühl, da am Platz zu stehen. Aber letztlich können wir es jetzt eh nicht mehr ändern – der neue Modus ist da und im Sinne des Tennis gilt es, jetzt das Beste draus zu machen.“

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Vier Turniersiege

Mit der bisherigen Saison kann Marach jedenfalls mehr als zufrieden sein – mit Partner Mate Pavic (CRO) schon vier Titel und knapp 900.000 US-Dollar an Preisgeld eingefahren. Absolutes Highlight war natürlich der Triumph bei den Australian Open. „Nach so einer Saison kann ich einfach nicht aufhören“, schiebt der Familienvater alle Pensionspläne vorerst auf die Seite. „Auch wenn es nächstes Jahr natürlich härter wird, wir haben viele Punkte zu verteidigen und ich spüre auch meinen Körper immer mehr, alles wird langsamer – aber das geht im Alter wohl allen gleich.“

Zukunft im ÖTV?

Allzu fern liegt das Karriereende also nicht mehr. „Ich werde aber dem Tennis auf alle Fälle treu bleiben“, stellt Marach klar. In welcher Funktion ist offen – auch ein Engagement beim ÖTV will der 21-fache Turniersieger nicht ausschließen. „Ich halte es da mit Günter Bresnik –wir brauchen im österreichischen Tennis einfach mehr internationale Erfahrung. Letztlich ist es für mich aber eine Frage des Angebots – jeder weiß, dass mein Lebensmittelpunkt bei meiner Familie in Panama liegt.“ Dort müssen sich seine beiden Kindern gedulden, bis sie ihr Papa wieder in die Arme schließen kann. „Leider sehe ich sie erst im November wieder – da geht’s dann aber dafür auf Urlaub nach Disney World in Orlando.“

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Short Talk mit Herwig Straka

Ist Graz bereit für den Davis Cup?
Von uns aus, kann’s losgehen. Am Freitag ist das Stadion für über 6.000 Zuschauer quasi voll – es kommen nur immer wieder Einzelkarten vom australischen und internationalen Verband zurück. Samstag und Sonntag sind ebenfalls sehr gut verkauft. Man sieht einfach, dass die Steirer heiß auf Spitzentennis sind – und mit der Reform ist das ja quasi auch eine historische Chance, noch einmal den alten Davis Cup zu sehen.

Sie haben es gerade angesprochen, wie sehen Sie die Reform?
Dass es eine Veränderung im Davis Cup braucht, war allen klar – nur sind die Änderungen zu drastisch ausgefallen, das hätte ich nie so gemacht.

Wie stehen die Chancen, dass es wieder einmal ein internationales Turnier in Graz gibt?
Die Verbände bekommen durch die Reform ja auch viel mehr Geld als jetzt. Damit sollen dann aber mehr nationale Events veranstaltet werden, um eben mehr in die Breite zu kommen – deshalb ist das sicher ein Thema, dass wir in naher Zukunft zumindest wieder einen Challenger in Graz haben werden.

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