Dating auf Distanz

Online-Singlebörsen boomen seit Jahren. In Zeiten der Coronakrise steht die Partnersuche im Internet aber vor neuen Herausforderungen.

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Sich nach der ersten Kontaktaufnahme möglichst bald zu treffen, lautet der Ratschlag von vielen Online-Partnervermittlungen – schließlich könne man nur von Angesicht zu Angesicht feststellen, ob die Chemie zwischen zwei Menschen wirklich passt. Zur Zeit der Ausgangsbeschränkungen ist dies natürlich nicht möglich. Einer Umfrage der Online-Partnervermittlung www.Gleichklang.de zufolge fühlten sich bereits vor den strengen Maßnahmen der Regierung viele Mitglieder verunsichert bzw. in der Partnersuche eingeschränkt und wollten Körperkontakt vermeiden. Nun sind persönliche Treffen auch mit Sicherheitsabstand nicht mehr möglich – dafür bleibt jedoch zuhause viel, viel Zeit zum Chatten.

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Foto: parship.at

Suche nach Gleichgesinnten

Eine Änderung in Hinblick auf Registrierungen ließe sich durch die Coronakrise noch nicht feststellen, ließ die Plattform Parship verlauten. Parship-Psychologin Caroline Erb erklärt jedoch: „Natürlich ändert sich das Online-Dating durch die Coronakrise. Im Moment ist es de facto die einzige Möglichkeit für Singles, jemanden kennenzulernen.“ Manche Dating-Apps haben sich bereits den geänderten Rahmenbedingungen angepasst und den Suchradius erweitert – so ermöglicht es Tinder beispielsweise derzeit kostenlos, Kontakte auf der ganzen Welt zu knüpfen, was zuvor nur bei kostenpflichtigen Premium-Abos möglich war. Statt nach der Liebe (oder zumindest einem entsprechenden Abenteuer) sucht man nun also auch wieder verstärkt nach Gleichgesinnten, mit denen man sich ungezwungen austauschen kann, ohne dass ein persönliches Treffen im Vordergrund steht.

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Foto: iStock/AndreyPopov

Neue Medien nutzen

Da die Möglichkeit eines Dates vorerst entfällt, bleibt den Partnersuchenden nur, sich dafür umso mehr schriftlich und telefonisch auszutauschen. Caroline Erb rät: „Es geht nun viel mehr um Inhalte, es kommt mehr darauf an, dass man wirklich kommuniziert. Auch so kann man flirten, auch so können Schmetterlinge im Bauch entstehen.“ Vor allem die Möglichkeit der Videotelefonie kann man nutzen, um sich zumindest zum virtuellen Date zu verabreden und den neuen Bekannten besser kennenzulernen. Somit birgt das Abtasten auf Distanz immerhin auch den Vorteil, dass die Kennenlernphase intensiver ausfällt.

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Unterstützung gefragt

Gemeinsame Rituale, wie etwa ein täglicher Anruf zu einer bestimmten Uhrzeit oder ein gemeinsamer Film, über den man sich hinterher austauschen kann, helfen den potenziellen zukünftigen Partnern, die Sehnsucht ein wenig in Zaum zu halten. „Gerade in dieser Zeit sehnen sich Singles nach Unterstützung. Es ist daher auch wichtig, den anderen mit netten Gesten zu erfreuen und sich gegenseitig zu motivieren“, erklärt Caroline Erb. Und letztendlich kann ja auch die Vorfreude auf ein tatsächliches Kennenlernen im „echten Leben“ etwas sehr Schönes sein.