Corona-Partys sind Einzelfälle – Landespolizeidirektor im Interview

Landespolizeidirektor Gerald Ortner spricht im Weekend-Interview über die aktuelle Lage der steirischen Polizei, neue Kriminalitätsfelder und die veränderte Wahrnehmung der Hilfs- und Einsatzorganisationen.

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Landespolizeidirektor Hofrat Mag. Gerald Ortner Foto: LPD Steiermark

Ausgangsbeschränkungen sind jetzt mehr als eine Woche alt. Wie ist die Disziplin der steirischen Bürger?
Gerald Ortner: Der größte Teil der Bevölkerung hält sich an die Maßnahmen, die von der Bundesregierung erlassen worden sind. Die Polizei kontrolliert aber sehr genau und geht auch mit Anzeigen gegen Übertretungen vor. Hier stehen wir derzeit bei 450 Anzeigen (Anm. d. Red.: Stand 24. März). Diese Zahl ist aber nur eine Momentaufnahme.

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Foto: iStock.com/Rostislavv

Die Kriminalität ist stark zurückgegangen. Wo sehen Sie aktuell die größten Probleme?
Gerald Ortner: Obwohl es keine statistischen Zahlen gibt, so ist doch ein Trend zu erkennen, dass die Kriminalität zurückgeht. Aktuell müssen wir vor Betrugsversuchen über das Internet, also Cybercrime, warnen. Immer wieder tauchen auch Falschmeldungen in diversen Internetplattformen auf. Wir weisen deshalb darauf hin, dass nur offizielle Aussagen der Regierung beziehungsweise anderer untergeordneter Organisationen glaubhaft sind.

Gibt es spezielle Schulungen, wie die Polizei mit Verstößen umzugehen hat?
Gerald Ortner: Die Maßnahmen sind von der Regierung beschlossen worden und es gibt diesbezüglich keine Erfahrungswerte. Selbstverständlich haben wir Richtlinien für das Einschreiten erlassen und den Kolleginnen und Kollegen zur Kenntnis gebracht. Diese werden – auch aufgrund von Anfragen aus der Bevölkerung – ständig angepasst.

Kürzlich wurde in Heiligenkreuz am Waasen eine sogenannte „Corona-Party“ beendet. Gibt es aktuell viele Einsätze wie diesen?
Gerald Ortner: Die Polizisten führen Überprüfungen durch und es langen auch immer wieder Hinweise aus der Bevölkerung ein, denen wir selbstverständlich nachgehen. Glücklicherweise handelt es sich bei derartigen „Partys“ um Einzelfälle, die mit aller Strenge des Gesetzes geahndet werden.

Wie nutzen die Kriminellen die Coronakrise aus? Welche Maschen gibt es zur Zeit?
Gerald Ortner: Der Beobachtungszeitraum ist zu kurz, um bestimmte Vorgangsweisen erkennen zu können. Trotzdem heißt es wachsam zu sein, den Hausverstand anzuwenden und im Zweifelsfall bei der Polizei rückzufragen.

Hat sich die öffentliche Wahrnehmung der Polizei durch die Krise verändert?
Gerald Ortner: Wir bemerken eine hohe Akzeptanz der verordneten Maßnahmen und eine große Dankbarkeit gegenüber Hilfs- und Einsatzorganisationen.

Wie gefährlich ist der Polizeidienst in puncto Infizierung?
Gerald Ortner: Im Außendienst lässt sich der Sicherheitsabstand naturgemäß nicht immer einhalten. Daher besteht für die Kolleginnen und Kollegen auch ein höheres Infektionsrisiko. Die Polizistinnen und Polizisten sind aber mit entsprechender Schutzkleidung wie Masken oder Handschuhen ausgestattet und wurden auf die Hygienemaßnahmen besonders sensibilisiert.

Kann ein Beamter auch sagen, dass er aus Angst vor dem Virus, keinen Außendienst machen möchte?
Gerald Ortner: Angst vor einer Ansteckung ist kein Grund, den Dienst nicht ordnungsgemäß durchzuführen.

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Wie steht es um die Einsatzbereitschaft der Kollegen?
Gerald Ortner: Die Einsatzbereitschaft und Motivation der Polizistinnen und Polizisten ist sehr hoch. Daher gilt mein Dank auch allen Kolleginnen und Kollegen, die trotz der außergewöhnlichen Situation Tag für Tag für die Sicherheit in der Steiermark im Dienst stehen. Es gibt einzelne Bedienstete, die positiv auf CoVid19 getestet wurden. Hier wurden die notwendigen Schritte eingeleitet. Die Sicherheit in der Steiermark ist aber dadurch in keinster Weise gefährdet. Wie andere Schulen auch, wurde das Bildungszentrum der Sicherheitsexekutive („Polizeischule“) vorübergehend geschlossen. Die Polizeischüler werden entsprechend ihres Ausbildungsstandes in den Dienststellen verwendet.