Christiane Holzinger - Kärntner Impuls-Geberin

Auftakt. Die Kärntner Steuer-Expertin Christiane Holzinger ist neue Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft. Sie will in den nächsten zwei Jahren (fast) keinen Stein auf dem anderen lassen - zum Wohl aller 120.000 Unternehmer österreichweit.

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„Die Roadshow soll Unternehmer nicht nur informieren und auf den neuesten Stand bringen, sondern sie auch motovieren, zu experimentieren.“ Christiane Holzinger, JW-Bundesvorsitzende & Steuer-Expertin​ Foto: Studiohorst

weekend: Sie sind JW-Bundesvorsitzende, auf Landesebene Stellvertreterin von Marc Gfrerer, stellvertretende Bezirksobfrau in Klagenfurt Stadt und leiten eine Kanzlei mit fünf Mitarbeitern. Wie bringen Sie alles unter einen Hut? 
Christiane Holzinger: Gutes Zeitmanagement, gute Mitarbeiter, gute Prozesse in den Teams. Ich habe mir bewusst in allen Bereichen Mitarbeiter gesucht, die gut zuarbeiten können und ich mich so auf meine Schwerpunkte konzentrieren kann.

weekend: Was sind Ihre Pläne für die zweijährige Amtszeit? 
Christiane Holzinger: Unsere Aufgabe ist es, das Unternehmertum und den Zugang zum Unternehmertum einfacher zu machen. Digitalisierung ist hier ein ganz großes Thema. Viele Behördenwege können nach wie vor nicht digital erledigt werden oder es fehlen die Verknüpfungen, so dass ein Unternehmer viele Infos mehrfach abgeben muss. Das kostet viel Zeit. Ein weiteres Thema ist die steuerliche Absetzbarkeit des Arbeitszimmers. Nach wie vor ist es ja so, dass es ein eigener Raum sein muss, in dem der Hauptanteil der Arbeit stattfindet. Wir leben und arbeiten heute aber anders. Für mich sollte jeder eine Absetzmöglichkeit haben, der kein anderes Büro hat. Irgendwo muss man ja auch seine Buchhaltung machen. Weiters setze ich mich ein für die Anhebung der indexierten Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter. Der Betrag von 400 Euro ist seit dem Jahr 1982 gleich. Wir fordern hier konkret 1.500 Euro. 

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Künstliche Intelligenz ist das Thema der heurigen JW-Roadshow. Start ist am 6. Februar im Makerspace Carinthia in Klagenfurt Foto: Studiohorst
weekend: Stichwort: DSGVO und Registrierkassen...
Christiane Holzinger: Bei der Gesetzgebung ist es leider oft so: Dinge werden erlassen, eine Reform wird gemacht, aber niemand denkt darüber nach, was das in der Praxis bedeutet. Registrierkassen als Beispiel: Man hat das rausgelassen und die Hersteller und Programmierer sind nicht nachgekommen, die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen und das auszuliefern. Und wen trifft es? Den Unternehmer.

weekend: Im Februar startet die JW-Roadshow. Was passiert da?
Christiane Holzinger: Wir starten am 6. Februar in Kärnten und touren bis Juni in Österreich, halten es bewusst regional, auch was die Speaker angeht. Wir haben extrem motivierte und wahnsinnig innovative Unternehmer, die wir bei der Roadshow auch zeigen werden.

weekend: Das Hauptthema ist?
Christiane Holzinger: Künstliche Intelligenz ist zwar kein Trendthema mehr, weil es schon überall Einzug gehalten hat. Aber ich habe das Gefühl, dass viele Unternehmer den Nutzen noch nicht sehen. Das fängt an bei einem künstlichen Mitarbeiter, der per E-Mails meine Termine koordiniert und geht hin zu Datenauswertungen in Apps zur Produktverbesserung. Bei der Roadshow sollen die Unternehmer nicht nur informiert und auf den neuesten Stand gebracht, sondern auch motiviert werden. Wir wollen ihnen ein wenig Lust machen, zu experimentieren

weekend: Das Klientel der Jungen Wirtschaft sind Unternehmer und Gründer unter 40 Jahren und trotzdem ist die Affinität zur Digitalisierung gering. Wie passt das zusammen?
Christiane Holzinger: Das hat mit der Branchenvielfalt zu tun. Viele Unternehmer – sei es ein Tischler oder ein Texter – können sich nicht vorstellen, wo sie Künstliche Intelligenz einsetzen könnten. Es ist ein komplexes Thema, zugegeben. Daher möchten wir im Zuge der Roadshow auch auf die regionalen Unterschiede in den einzelnen Bundesländern eingehen.

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Christiane Holzinger (36) studierte, lebte und arbeitet in Miami, Australien, Paris und Wien. 2011 gründete die Klagenfurterin die „360 Business Planner GmbH“ Foto: Studiohorst
weekend: Die Selbständigkeit wird gepusht. In vielen Bereichen ist gar kein Gewerbeschein mehr notwendig. Ist das ein guter Trend?
Christiane Holzinger: Bevor ich mich selbständig gemacht habe, bin ich alle Stellen in der Steuerberatung durchlaufen – von der Post, über das Sekretariat bis zur Lohnverrechnung. Es hat mir geholfen, ein Gesamtverständnis für einen Betrieb zu bekommen und ich kann so jede Lücke füllen. Jede Ausbildung bringt was mit sich, damit ich in meinem Job besser bin. Den Zugang zum Unternehmertum zu vereinfachen ist ein guter Schritt. Das geht aber nicht in allen Bereichen. Natürlich gilt es das Leben zu schützen und ein Baumeister sollte sich schon mit der Materie gut auskennen, weil er eine große Verantwortung übernimmt. Ansonsten macht vieles der Markt. Wir tendieren dazu, alles zu überregulieren. Und wenn jemand seinen Job gut macht, dann wird sich das rumsprechen. Mein persönliches Credo ist aber, dass kontinuierliche Ausbildung und Weiterbildung wichtig für den Job sind.