Musikausbildung: Ganz neue Töne

Der Rektor der Gustav Mahler Privatuniversität für Musik, Roland Streiner, erklärt uns, warum die Neugründung seiner Institution dringend notwendig war und welche ambitionierten Ziele sie in Zukunft verfolgen wird.

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"Wir ermöglichen unseren Studierenden eine hochwertige Ausbildung für eine spätere Karriere auf professioneller oder wissenschaftlicher Ebene." Roland Streiner, Rektor Gustav Mahler Privatuniversität für Musik Foto: danielwaschnigphotography.at/

Weekend: Welche Motive lagen der Idee zur Transformation des Landeskonservatoriums in eine Musikuniversität zugrunde?
Roland Streiner: Es handelte sich dabei in erster Linie um formale und wissenschaftliche Überlegungen: Einem Konservatorium ist es nicht möglich, akademische Titel zu verleihen und es kann als Institution zudem nicht in eine akademische Struktur überführt werden. Somit konnte den Studierenden keine wissenschaftliche Ausbildung im Sinne des Bologna-Prozesses, dem heutzutage jedoch auch auf dem Musiksektor eine erhebliche Bedeutung zukommt, vermittelt werden. Dieser Umstand führte zu einem gigantischen „Braindrain“. Acht von 10 begabten Musikern mussten in andere Bundesländer ausweichen und viele kehrten nicht mehr nach Kärnten zurück.

Weekend: Inwieweit wurde das Vorhaben vonseiten der Politik unterstützt?
Roland Streiner: Ohne einen bildungsaffinen Landeshauptmann wie Peter Kaiser wäre ein Projekt dieser Größenordnung in Kärnten nicht realisierbar gewesen. Ihm ist es jedoch gelungen, sämtliche Fraktionen im Landtag für dieses Vorhaben einzunehmen und sich in weiterer Folge dafür einzusetzen.

Weekend: Welche neuen Möglichkeiten eröffnen sich dadurch künftig für die Studierenden?
Roland Streiner: Die Studierenden können in Zukunft nach vier Jahren mit einem Bachelor bzw. nach sechs Jahren mit einem Master in Instrumental- und Gesangspädagogik oder Musikalische Aufführungskunst graduieren.

Weekend: Welcher wissenschaftliche Background kennzeichnet den Lehrplan dieser Studiengänge?
Roland Streiner: Wir verfolgen einen interdisziplinären Ansatz, der beispielsweise auch innovative Aufführungskulturen, die neue Publikumsschichten für hochkulturelle Musik begeistern sollen, oder die Kulturvermittlung in Schulen berücksichtigt. Außerdem beschäftigen wir uns schwerpunktmäßig mit der Alten Musik, der Volksmusik sowie der elementaren Musikpädagogik und kombinieren moderne Stile wie Jazz oder Elektronische Musik mit der Klassik.

Weekend: Wie viele Studierende haben sich für das erste Wintersemester angemeldet?
Roland Streiner: Da die Anmeldefrist noch nicht verstrichen ist, kann ich diesbezüglich noch keine endgültige Aussage treffen. Wir wollen jedoch nicht mehr als 90 Plätze im ersten Jahr vergeben und dieses Limit für den Regelbetrieb auf 300 Studienplätze anheben.

Weekend: Welche Anforderungen sind für eine Aufnahme in Ihrem Haus zu erfüllen?
Roland Streiner: Neben einem Standardniveau auf dem Instrument, das über ein Vorspiel bzw. Vorsingen ermittelt wird, müssen die Bewerber über eine gute musiktheoretische Vorbildung verfügen, die wiederum über einen Eignungstest abgefragt wird.

Weekend: Welche Forschungsprojekte möchten Sie in Zukunft in Angriff nehmen?
Roland Streiner: Wir wollen die Vernetzung mit unseren Kollegen in Norditalien und Slowenien ausbauen, um gemeinsam eine den Alpen-Adria-Raum umfassende musikpädagogische Forschung betreiben zu können. Die Themengebiete „Zeitgenössische Komposition“ und „Begabungsförderung“ werden ebenfalls eine gewichtige Rolle spielen, so wie auch die kommerziellen Aspekte einer Komposition. Ein längerfristiges Ziel ist außerdem der Aufbau einer vollkommen eigenständigen Musiklehrerausbildung.

Weekend: Sind dafür weitere Kooperationen angedacht?
Roland Streiner: Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit einer Vielzahl von spannenden Einrichtungen. Beispielhaft seien hier die Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, die Pädagogische Hochschule, die Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, das Konservatorium Udine oder das Stadttheater Klagenfurt erwähnt.

Weekend: Wie ist es Ihrer Meinung nach um die Berufschancen der Absolventen bestellt?
Roland Streiner: Ich denke, es werden sich durch die Akademisierung unseres Bildungsangebots automatisch neue Berufsfelder auftun. Sowohl im Bereich der Lehrtätigkeit als auch auf dem wissenschaftlichen, redaktionellen und kulturellen Sektor.

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Roland Streiner ist Rektor der Gustav Mahler Privatuniversität für Musik in Klagenfurt (vor-mals Landeskonservatorium) sowie Chorleiter, Komponist und Musikpädagoge Foto: danielwaschnigphotography.at/

Weekend: In welche Richtung wird sich die Initiative zur Nachwuchsförderung entwickeln?
Roland Streiner: Wir haben bereits als Konservatorium jährlich ca. 140 junge Talente zielgerichtet auf die professionelle Welt vorbereitet. In Hinkunft wird dies über das gemeinsam mit den Musikschulen gegründete Begabungsförderungszentrum „Exzellenzcluster Musik“ geschehen, das von allen Teilnehmern ein klares Bekenntnis zu einer hohen Leistungsbereitschaft einfordern und sie dafür auf höchstem Niveau weiterentwickelt.

Weekend: Wie stufen Sie in diesem Kontext den Talente-Pool in Kärnten sowie den Stellenwert der Musikausbildung in unserer Gesellschaft ein?
Roland Streiner: Kärnten verfügt über ein allen anderen Bundesländern ebenbürtiges Potenzial an vielversprechenden Talenten. Es liegt jedoch an uns, dieses zur Entfaltung zu bringen. Ich bin außerdem davon überzeugt, dass ein anspruchsvolles Musizieren auf hohem Niveau nach wie vor ein großes Ansehen genießt, auch wenn sich dieses oftmals in fragwürdigen Formaten wie Castingshows für Instant-Stars ausdrückt.

Weekend: Auf welche musikalischen Leckerbissen dürfen sich die Besucher der Eröffnungsfeier am 22. November freuen?
Roland Streiner: Wir werden dem Publikum eine Vielzahl innovativer und kreativer Neuinterpretationen bekannter Gustav Mahler-Werke, die von unseren hausinternen Kompositeuren geschrieben wurden, bieten. Dafür werden unsere Studierenden gemeinsam mit dem Ensemble Minui des Stadttheaters Klagenfurt musizieren.

Weekend: Was ist Ihre Lieblingsmusik?
​Roland Streiner: Ich kann mich besonders für Jazz mit einer klassischen Basis begeistern. Mein Lieblingsmusiker ist der Pianist Keith Jarrett.

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