Business Talk: Krisengestählt - Stefanie Huber von der Sparkasse OÖ im Interview

Erstmals zieht eine Frau die Fäden bei der Sparkasse Oberösterreich. Die Vorstandsvorsitzende über Krisenmanagement, die Finanzhilfe für unsere Wirtschaft und die Unterschiede im männlichen und weiblichen Führungsstil.

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Foto: Tom Mesic

Weekend: Wie bringt man als regionale Bank Kunden heil durch eine globale Krise?

Stefanie Huber: Als Sparkasse Oberösterreich sehr gestärkt, weil uns die Regionalität und unsere gute Eigenkapital- und Liquiditätsausstattung helfen. Wir haben über Jahre auf ertragreiche, gleichzeitig aber auch stabile und solide Ergebnisse geachtet, um unser Eigenkapital zu stärken. Das hilft uns, weil wir die Liquidität haben, unsere Kunden entsprechend mit Krediten bedienen zu können. Und wir sind als Regionalbank ein bevorzugter Ansprechpartner. An wen wendet man sich, wenn es rieselt? Natürlich an jemanden, den man schon länger kennt.

weekend: Viele Unternehmen klagen, dass die Prüf- und Finanzhilfemechanismen zu lange dauern. Ist das so?

Stefanie Huber: Wir sind von diesen Prüfungen nicht ausgenommen, weil wir am Schluss ja für die ordnungsgemäße Durchführung geradestehen müssen. Aber ich möchte schon betonen, dass bei uns sehr wenige Kundenbeschwerden landen, dass es zu lange dauern würde. Natürlich war es sehr schwierig, weil ja Haftungs- und Garantievoraussetzungen immer wieder geändert wurden und wir oftmals mehrere Anläufe mit den Kunden machen mussten. Ich glaube, manchmal trifft uns der Ärger, der bei Kunden hinsichtlich der Bürokratie  in Richtung der Haftungs- und Garantiegesellschaften entsteht. Man muss aber auch sagen, dass mit einer derartigen Menge an Anträgen in so kurzer Zeit niemand gerechnet hat Da muss man erst einmal auch das eigene System danach ausrichten.

weekend: Wie effizient hat Ihr hauseigenes Krisenmanagement funktioniert?          

Stefanie Huber: Wir sind sehr gut im Krisenmanagement und haben uns schon früher zwar nicht über eine Pandemie aber doch über unterschiedlichste Krisenszenarien Gedanken gemacht. Wir haben es innerhalb einer Woche geschafft, 96 Prozent der Mitarbeiter mit Home office-Plätzen auszustatten. Ein Weg zum Erfolg ist ein enges Team, das dann sehr transparent an alle Mitarbeiter und die Führungskräfte kommuniziert. Natürlich hat es anfänglich Bereiche gegeben, in denen Nachbesserungsbedarf bestanden hat – aber wir sind hier sehr gut unterwegs. 

"Regionalität, Liquidität und Eigenkapitalstärke erleichtern uns den Weg aus der Krise" - Stefanie Huber, Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Oberösterreich


​weekend: Die Krise ist auch ein Nährboden für die Bargeldgegner. Wie sehen Sie die Diskussion?

Stefanie Huber: Jeder soll das für ihn richtige Zahlungsmittel verwenden. Ich selbst bin ein Fan von bargeldloser Zahlung, als Bank wollen wir auch die Möglichkeit der Bargeldzahlung vollumfänglich anbieten und setzen deshalb sehr  viele Bankomaten ein.

weekend: Wie unterscheiden sich Männer und Frauen im Führungsstil?        

Stefanie Huber: Ich will nicht sagen, dass der Führungsstil von Frauen und Männern generell stark unterschiedlich ist, sondern in hohem Maß  durch Persönlichkeitsmerkmale geprägt wird. So rein geschlechtsspezifisch würde ich das nicht sehen.

 

Zur Person:

Stefanie Huber ist die erste Frau an der Spitze der Sparkasse Oberösterreich. Sie bezeichnet sich als bekennende Teamplayerin mit einem kooperativen Führungsstil.

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