Buchpräsentation: "Der Fall Karl Horvath"

Der Journalist und Buchautor Wolfgang Freitag hat sich in seinem jüngsten Werk einem noch wenig aufgearbeiteten Kapitel der österreichischen Nachkriegsgeschichte gewidmet. Am 21. Februar präsentiert er sein neues Buch "Der Fall Karl Horvath" in der Stadtwerkstatt Linz.

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Am 21. Februar präsentiert Wolfgang Freitag sein neues Buch in der Stadtwerkstatt Linz. Foto: privat

In "Der Fall Karl Horvath. Ein Loipersdorfer 'Zigeuner' vor dem Linzer Volksgericht" berichtet der Autor über den aus Loipersdorf, Burgenland, gebürtigen Rom Karl Horvath. Dessen Schicksal reflektiert nicht nur viele der Verwerfungen in den ersten Jahrzehnten nach dem Untergang der Habsburger­monar­chie, sondern auch die Kontinuität der Verfolgung und Kriminali­sierung, der die Volksgruppe der ­Roma in jenen Tagen ausgesetzt war – und gerade dieser Tage von Neuem ausgesetzt ist. 1939 wurde Karl Horvath als „Asozialer“ nach Dachau deportiert, 1945 aus dem KZ Mauthausen/Gusen befreit, 1946 als vermeintlicher Kriegsverbrecher angeklagt, 1948 vom Linzer Volks­gericht verur­teilt, 1952 in einer Wiederaufnahme des Verfahrens freigespro­chen, doch gezeichnet für den Rest seines – kurzen – Lebens.
Horvaths Kampf um Rehabilitierung, sein anschließendes Ringen um Entschädigung wie die Erinnerungen an ihn in einer Familie, in der er nach seinem Freispruch und bis zu seinem Tod 1971 Aufnahme fand, vervollständigen ein Lebensbild, das singuläre Einblicke in die Welt der unmittelbaren Nachkriegsjahre bietet und gleichzeitig paradigmatisch für Österreichs 20. Jahr­hundert stehen kann.

 

Der Fall Karl Horvath. Ein Loipersdorfer „Zigeuner“ vor dem Linzer Volksgericht.
von Wolfgang Freitag
Mandelbaum Verlag, Wien, 2018
15,- €

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Foto: Mandelbaum Verlag

Zum Autor

Wolfgang Freitag, Jahrgang 1958, geboren in Wien, ist seit 1984 als Journalist tätig, unter anderem für das „Wiener Journal“ sowie die Wiener Tageszei­tun­gen „Die Presse“ und „Kurier“. Mitarbeit an Theater­projek­ten, Film- und Video­dokumentationen. Seit 1995 Redakteur des „Spectrums“, der Wochenend­feuille­­ton-Beilage der „Presse“. Bücher: u. a. „Mozart im Film“, Edition Umbruch, „Zu den Schat­ten­orten von Wien“, „Wo Wien beginnt“ (beide Metroverlag, Wien) sowie gemeinsam mit Uwe Mauch und Franz Zauner „Working Pur“ (ÖGB-Verlag). Katalogtexte für das Uhrenmu­seum, das Wien Museum und das Hof­mobi­liendepot Wien. Zahlreiche zeitgeschichtliche Essays für das „Spectrum“ sowie die wöchentliche Kolumne „Stadtbild“ für die Mittwoch-Ausgabe der „Presse“. Seit 2000 ist Wolfgang Freitag auch als Fotojournalist tätig.    http://www.wolfgangfreitag.com