Generation y: Zufall? Bullshit!

Auf Zeit.de darf eine Vertreterin der Generation y begründen, warum sie poltisch links steht. Ihre Prämisse ist dabei, wie so oft, der Zufall. Ich sage: Bullshit!

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Johannes Roth, Chefredakteur des Weekend Magazins Steiermark Foto: Weekend Verlag

"Traurig", schreibt ein Kommentator auf zeit.de, „traurig, dass solche Meinungen heute Mehrheiten binden.“ Stein des Anstoßes ist ein „Leseartikel“ der Autorin Victoria Libal, mit dem Titel „Reich, weiß, hetero und trotzdem links“. Libal begründet darin, warum sie sich dem linken Solidaritätsgedanken verpflichtet fühlt.

Die Franzosen in ihrer blumigen sprachlichen Präzision haben für Menschen wie Libal einen Ausdruck: Gauche caviar, die Kaviarlinke. Hierzulande nennen wir sie, weniger schön, umgangssprachlich Bobos, früher waren es Salonsozialisten. Also Menschen, denen es eigentlich überdurchschnittlich gut geht, die sich aber trotzdem einer Art Klassenkampf verschrieben haben. Menschen, die sich darin gefallen, „gut“ zu sein. Klassische Gutmenschen.

Links zu sein, das ist für diese Eliten keine Notwendigkeit; es ist vielmehr eine notwendige Attitüde. Für sie gilt das gleiche wie für viele „gemäßigte“ Rechte: Zu feig und vielfach auch zu dumm, um ihre Thesen, die sie anderen unreflektiert nachplappern, in Frage zu stellen. Die meisten von ihnen glauben, die Grenze des Denkens verlaufe dort, wo das wohlige Bauchgefühl, das mit dem egoistischen „ich bin dann mal gut“ (je nach Ideologie entweder zu „fremden“ oder zu den „eigenen“ Leuten) einhergeht, sich auszubreiten beginnt.

Ich persönlich habe nicht viel für die Gauche caviar übrig; nicht, weil ich mich nicht auch ab und an dem sozialistischen Gedanken verpflichtet fühle, sondern vielmehr, weil ich die Motivation dieser Leute verachte: dieses permanent vor sich her gertragene schlechte Gewissen, privilegiert zu sein und es auch noch zu genießen.

Via Facebook, Blogs und Youtube links zu sein – das ist leicht. In Studentenmedien ist es auch keine große Kunst: Große Töne spucken; heute braucht man dazu nicht einmal mehr fehlerfrei Deutsch sprechen, geschweige denn schreiben zu können. Libal – um das klarzustellen – kann natürlich Deutsch. Ich weiß nichts von ihr außer dem, was sie in diesem Text schrieb. Darum versteht sich das Folgende als Hypothese.

Ihre Attitüde mag ich nicht. Denn Libal beruft sich auf den Zufall. „Zufällig“ schreibt sie, sei sie mit privilegierten physischen Merkmalen (Geschlecht, sexuelle/gender Identifikation, Hautfarbe) ausgestattet in eine privilegierte Familie (reich, vorausschauend, libertär) in einem privilegierten Land (Deutschland) geboren worden. Ihr Lebensglück, ihre Chancen hätten sich dadurch quasi wie von selbst, ohne ihr Zutun, ergeben. 

Zufällig aber ist daran gar nichts. Nur aus ihrer kleinen, egoistischen Ich-Perspektive ist das Wunder ihrer privilegierten Geburt ein wunderbarer Zufall gewesen. Und natürlich: Aus dieser Ich-Perspektive stimmt es irgendwie: Wer so privilegiert nicht ist, dem muss der Staat aus der Bredouille helfen.

Tatsächlich sind Victoria Libal und ihr Leben – von biologischen Zufällen abgeshen – wahrscheinlich das Ergebnis einer akribischen, mit Konsequenz über mehrere Generationen erfolgte Planung.

Ihre soziale Herkunft zum Beispiel ist kein Zufall: Ihre Eltern entstammen wahrscheinluch einem Milieu (oder haben sich dort eingefügt), das Wert auf Umgangsformen und Konventionen legte. Sie legten Wert auf eine Ausbildung, die ihnen später einmal Wohlstand sichern sollte; dieser Plan ist aufgegangen. Den Wohlstand wollten sie nicht für sich alleine aufbauen, sondern auch, um ihren Kindern einen guten Start zu ermöglichen. Auch dieser Plan ist aufgegangen.

Dass ihre Familie funktioniert – auch das war kein Zufall. Ich unterstelle mal, es war harte Arbeit für Victorias Eltern, an ihrer Beziehung zu arbeiten, Arbeit, die, wie in jeder Beziehung, mit Rückschlägen verbunden war, mit Verzeihen, mit Kompromissen, mit Verständnis. Natürlich kann sich die Generation y, die einer Sache (Arbeit, Beziehung, Ausbildung – egal) den Rücken zu kehrt, sobald sie auch nur ein Jota von den Erwartungen abweicht, sich eine solche Ehe nicht vorstellen. Alles, was sie ausmacht, als Zufall zu begreifen, kennzeichnet solche Menschen – grenzenlose Egozentriker, die nur sich selbst wichtig nehmen und nur sich selbst genügen. Menschen, die verlernt haben, in Generationen zu denken und die sich nun wundern, warum Mitteleuropa keine Nachkommen mehr hat. Auch das trägt übrigens zum Einfluss des Salonsozialisten bei: Müssten sich deutsche Haushalte darum kümmern, drei und mehr Kindern die besten Lebenschancen zu geben – ich denke, die Motivation, sich um das Fortkommen völlig fremder Afghanen zu kümmern, die ein ferner Krieg aus ihrer Heimat vetrieben hat, wäre dementsprechend geringer.

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