Hauptsache Fußball, aber sinnentleert.

Peter Siegmund, der Kommunikator, bloggt regelmäßig auf www.derkommunikator.at und ab sofort auch auf weekend.at. Heute über Michael Schickhofers Fußball-Inserat.

Peter Siegmund bloggt auf derkommunikator.at und auf weekend.at
Peter Siegmund bloggt auf derkommunikator.at und auf weekend.at Foto: Peter Siegmund

Laut offiziellem Anzeigentarif sind es 3812,40 Euro. Abhängig vom Standpunkt ist das ein großer oder kleiner Geldbetrag. Das kostet ein viertelseitiges Inserat in der Kleinen Zeitung. So, wie es jüngst wieder von Landeshauptmann-Stellvertreter Michael Schickhofer geschaltet wurde. Die steirische SPÖ weiß sicher, wie sie ihr PR-Budget einsetzt. Nur: Ich verstehe nicht, was damit unter die Leut‘ gebracht werden soll.

Fußball Inserat Schickhofer
Foto: Peter Siegmund

„Public Viewing Graz: Das erste Euro-Halbfinale. Wer setzt sich durch, wer macht das Spiel? Einfach genießen!“ steht da in einer Sprechblase. Was steckt hinter dieser Botschaft?

Die Aufdeckung, dass sich am Tag des Erscheinens die ersten beiden Teams um den Einzug ins Endspiel matchten? Eher nicht, das haben andere auch schon eine Zeitlang gewusst. Kein Ergebnis eines geheimen Sonderlandtages. Die hintergründigen Fragen nach dem etwaigen Gewinner und danach, wer mehr Ballbesitz haben wird – ja, die stellen sich Millionen andere auch. Vielleicht deutet das die Nähe zum Wähler an? In etwa: „Ich frage mich das Gleiche wie ihr?“

Und dann: „Einfach genießen!“ Das ist wohl die politische Botschaft, die hinter allem steckt. Konzentriert euch auf Fußball, auf Bale, auf Ronaldo, auf Dribblings, Weitschüsse und Glanzparaden. Und denkt nicht darüber nach, warum ich ein Inserat geschaltet habe, das nichts aussagt, keiner braucht und auch keiner versteht.

Michael Sittinger, der Pressesprecher der Vize-LH, distanziert sich von der Anzeige: „Die haben nicht wir vom Land geschaltet, das ist inhaltlich und finanziell Angelegenheit der SPÖ.“ Die ja von Schickhofer auch nicht soooo weit weg sein sollte.

Also Anruf bei den Sozialdemokraten direkt. Und dort heißt es: „Wir haben ein Public-Viewing-Package mit der Zeitung geschnürt, in dem Tickets, Banner vor Ort und Inserate enthalten sind. Diese dürfen aber keinen politischen Inhalt haben, sondern sich nur mit einem fußballerischen Thema befassen. Wir sind auch nicht glücklich mit dem, was wir da transportieren.“ Eine interessante Erklärung dafür, warum einer, der sich kürzlich erst als einer der Kern-Königsmacher österreichweit profilierte, plötzlich völlig Sinnentleertes inseriert.

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