Charlie Hebdo: Spott für Erdbebenopfer

Ist es wirklich witzig, wenn man unschuldige Opfer mit Spott und Hohn bedenkt? Charlie Hebdo tut genau das.

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Peter Siegmund bloggt auf derkommunikator.at und auf weekend.at Foto: Peter Siegmund

Satire darf angeblich alles. Das war bereits zur Verteidigung der Mohammed-Karikaturen zu hören, die indirekt dazu führten, dass es im Jänner 2015 zum durch absolut nichts zu entschuldigenden und rechtzufertigenden Anschlag auf die Redaktion der französischen Zeitung „Charlie Hebdo“ kam.

Jetzt publizierten die französischen Satiriker eine Karikatur, in welcher Opfer der Erdbebenkatastrophe von Amatrice, die an die 300 Todesopfer forderte, als italienische Nudelgerichte dargestellt werden. Worauf der Bürgermeister von Amatrice eine Diffamierungsklage gegen „Charlie Hebdo“ eingereicht hat.

Völlig einerlei, ob diese Erfolg hat oder ob sie abgewiesen wird: Wo bleibt die internationale Solidarität mit den Toten, mit den geplagten und geschundenen Überlebenden? Finden es wirklich alle bis auf mich witzig, dass man Blutende als „Penne mit Tomatensauce“, Menschen, die unter Schichten von Schutt begraben sind, als „Lasagne“ und eine schmutzbedeckte Frau als „gratinierte Penne“ bezeichnet?

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Foto: Twitter/@alyciaxuality

 

Satire darf alles? Nein, sie darf sich nicht am Leid von Menschen aufgeilen, sich über vom Schicksal gedroschene Männer, Frauen und Kinder lustig machen. Oder doch? Darf sie? Dann kann mir die Satire samt und sonders gestohlen bleiben. Nach dem feigen Anschlag auf die Pariser Redaktion plakatierte, schrieb, twitterte und bookte die ganze Welt face „Je suis Charlie“. Warum habe ich noch nirgends „Io sono Amatrice“ gelesen? Keine Ahnung. Also schreibe ich es (mir) selber – vielleicht kann sich der eine oder andere damit identifizieren. Ist halt nicht so populär wie sich damals mit „Charlie Hebdo“ zu solidarisieren…

Abgesehen davon, dass drei Wochen nach der Katastrophe offenbar ohnehin keiner mehr an Amatrice denkt. Bis auf ein paar Satiriker, die mit ihrer Feder auf alles hinstechen, was sich nach dem Desaster noch bewegen kann. Echt lustig.

Der obige Blog erschien das erste Mal am 15. September 2016. Mehr Blogeinträge von Peter Siegmund lesen Sie auf derkommunikator.at

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