Welt ohne Bienen? Give bees a chance

Jeder dritte Bissen, den wir essen, konnte nur dank der Bestäubung durch Bienen entstehen. Welche Ursachen hat der offenbar unaufhaltsame, weltweite Bienen-Exodus?

Biene Blume
Wo sind all die Bienen hin? Foto: RugliG/iStock/Thinkstock

Die Geschichten ähneln sich. Imker aus Österreich und Deutschland berichten von leeren Bienenstöcken. In den USA heißt das Phänomen "Colony Collapse Disorder" ("Völkerkollaps"). Massensterben werden auch aus Ägypten, China und Japan gemeldet. Die Gründe für den Bienen-Exodus sind, darin stimmen die Forscher überein, vielfältig, und das macht die Problemlösung so komplex. Global wurde eine Milbe mit dem vielsagenden Namen Varroa destructor als Hauptschuldige identifiziert. Der Schädling verbreitet tödliche Viren unter den Bienenvölkern. 

Giftige Morgentoilette 

Zur destruktiven Milbe gesellt sich das riesige Umweltproblem der landwirtschaftlichen Intensivnutzung Bio-Imkermeister Dietmar Niessner (www.bienenschule.at): "Es ist erschreckend, was alles gespritzt und gebeizt wird." Insbesondere Maisbeize setzt den Bienen zu - bis zu deren Tod. Niessner: "Beize bildet eine Schutzhülle um ein Samenkorn, wie der Zuckerguss um ein Smartie. Damit wird der Samen vor Schädlingen geschützt - aber auch die gesamte, aus dem Samen entstandene Pflanze enthält noch die für Bienen schädliche Beize." Die fleißigen Tiere lassen Mais zwar normalerweise links liegen, doch mangels Alternativen tragen sie zur Not auch Maispollen ein und sammeln beim Morgenflug das aus der Maispflanze austretende giftige Wasser. Inzwischen beschäftigt sich ein Nationalrats-Unterausschuss mit der Maisbeize-Problematik. Bis zu einer Entscheidung ist womöglich die nächste, für Bienen tödliche Saat bereits ausgebracht. "Die einzige Alternative zum massiven Einsatz von Insektiziden ist die Einhaltung der Fruchtfolge", ist Helmut Burtscher, Pestizid-Experte der Umweltorganisation GLOBAL 2000 überzeugt - sprich: die Aufeinanderfolge verschiedener Kulturpflanzen auf einem Feld statt ausschließlichem Maisanbau. 

Mit der Kamera hinschauen

Der Schweizer Dokumentarfilmer Markus Imhoof hat aus dem Drama um die Bienen einen berührenden Film gemacht: "More Than Honey". Ganz ehrlich: Handelt es sich womöglich (auch) um Panikmache? Wird nicht der weitaus größere Teil von landwirtschaftlichen Produkten wie Gemüse heute gezüchtet oder im Glashaus angebaut? Imhoof: "Die Bienen schuften auch in Glashäusern, z.B. für Wintererdbeeren. 80 Prozent aller Nutz- und Wildpflanzen sind auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen." Der Filmemacher bietet den Zuschauern keine Instant-Erklärung für das Bienensterben an, sondern zeigt die ganze Bandbreite: Pestizide, Bienenkrankheiten, Medikamente, Stress, Verarmung der Lebensräume, Inzucht. "In der Summe sind es die Manipulationen der Zivilisation an der Natur." 

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