Rennfieber: Benni Raich im Weekend-Talk

Der Countdown für die Weltcup-Rennen in Kitzbühel und Schladming läuft. Wie es ist, dort zu gewinnen, und was wir von unseren Herren erwarten können, verrät uns Benni Raich.

Benni Raich
Benni Raich steht noch immer gern auf Skiern - am Hochzeiger, seinem Hausberg, bringt er gerade Sohn Josef das Skifahren bei Foto: Starpix/picturedesk.com

Weekend: Du hast Kitzbühel zwei Mal und Schladming vier Mal gewonnen. Wie ist es, nun als Kommentator wieder vor Ort zu sein?

Benni Raich: 1999 hab ich in Schladming sogar meinen ersten Sieg gefeiert. Klar ist es etwas Besonderes, hierher zurückzukehren. Ich glaube, das ist aber nicht nur für mich super, auch die Leute haben viel Spaß, dabei zu sein. Die Atmosphäre und die Stimmung stecken alle an. Und für die Fahrer ist es ein riesen Vorteil, wenn von den Fans etwas zurückkommt.

Weekend: Welche besondere Erinnerung verbindest du mit Kitzbühel?

Benni Raich: Da bin ich eines meiner ersten Rennen gefahren. Ich hab damals schon bei der Besichtigung Probleme gehabt, weil ich so nervös war wegen der vielen Leute. Bei der Fahrt ist es dann eh halbwegs gegangen, ich bin leider trotzdem ausgeschieden. Aber das war meine erste Erfahrung mit so einem Hexenkessel.

Weekend: Heimrennen pushen sicher, setzen aber auch unter Druck.

Benni Raich: Es gibt Fahrer, die werden besser durch den Druck. Es kann immens Kraft geben, wenn die Leute wollen, dass du gewinnst. Bei Heimrennen ist das sicher nicht zu unterschätzen. Die Energie kommt rüber, du bekommst alles mit, bist noch fokussierter. Es kann aber natürlich auch das Gegenteil passieren, so wie bei mir in Kitzbühel - da war ich vielleicht noch nicht bereit. Später hat mir die Stimmung aber eher geholfen.

Weekend: Was traust du denn unseren Jungs zu? Nach dem Verletzungspech hat es ja in Adelboden den ersten Stockerlplatz der Saison im Slalom gegeben.

Benni Raich: Ich bin kein Hellseher, aber ich trau ihnen einiges zu. Wenn man sieht, was sie im Training abliefern, geht es ja eigentlich nur darum, das im Rennen umzusetzen und ins Ziel zu bringen. Klar ist, dass die Topläufer alle eng beieinander sind, da reicht schon ein kleiner Fehler, um weit nach hinten zu rutschen. Umgekehrt haben wir aber auch schon gesehen, wie weit unsere Jungs sich dann wieder im zweiten Durchgang rankämpfen. Der Stockerlplatz gibt sicher Selbstvertrauen für die kommenden Rennen. Wir waren in den vergangenen Jahrzehnten sicher verwöhnt, als Fahrer muss man das ausblenden, gerade jetzt nach Marcel Hirscher.

Weekend: Wie wichtig ist die mentale Komponente?

Benni Raich: Es ist wie bei einer Kette: Das schwächste Glied macht die Stärke der Kette aus. Wenn etwas nicht zusammenpasst, dann geht nichts. Es gibt das Material, die Technik, die physische Kondition und natürlich die mentale Seite. Und gerade wenn Letzteres nicht klappt, dann wird man nicht gewinnen. Ich hab häufig erlebt, dass Athleten extrem stark waren im Training und dann beim Rennen zwei, drei Sekunden langsamer  gefahren sind.

Weekend: Wie bist du mit Durststrecken umgegangen?

Benni Raich: Eine lange Krise hatte ich nie, ich war immer recht schnell mit Entscheidungen und Veränderungen. Vor meinem ersten Weltcup-Sieg in Schladming bin ich z.B. in drei Rennen keine 20 Tore gefahren. Das ist nichts. Über Weihnachten wollte ich zur Ruhe kommen und trainieren. Am ersten Tag auf der Piste bin ich dann in einem Lauf drei Mal ausgeschieden. Was tut man da? Ich hab eine Woche Skipause gemacht und mein Gespür so wiedergefunden. Beim ersten Training danach, immerhin mit den Slalom-Assen Sykora und Stanggassinger, hab ich alle gleich abgehängt. In Kranjska Gora, zwei Tage vor Schladming, hab ich am Start wieder nicht gewusst, wie ich tun soll, und hab nicht einmal die Bindung getroffen. Ich hab mir gedacht: Fahr einmal, bleib konzentriert. Und dann hab ich meinen Rhythmus gefunden im Laufe des ersten Durchgangs und bin dann im zweiten Durchgang sogar auf den dritten Platz gefahren. Das war mein erstes Stockerl.

Weekend: Steigen die Anforderungen an die Athleten?

Benni Raich: Der Athlet will sich immer weiter entwickeln und besser werden. Ich glaube nicht, dass das vor 20 Jahren so viel anders war. Natürlich ist das Material ein anderes, aber auch bei uns gab es Verletzungen und Probleme.

Dennoch: Du hast deine Karriere fit beendet - und bist damit eher die Ausnahme.

Benni Raich: Das stimmt, und deshalb muss man auch dranbleiben. Bei der Kurssetzung gingen Veränderungen z.B. recht leicht. In der Abfahrt ist es so, dass die FIS Kurssetzer ist, ansonsten kommen die Kurssetzer immer aus den teilnehmenden Nationen. Ein Weltcup-Hang ist ein riesen Spielfeld: Da sind Hügel, Neuschnee etc. - man muss sich immer ein bisserl anpassen, jeder macht das anders, und ein genaues Reglement ist kaum möglich. Man sollte sich überlegen, ob nicht die FIS alle Kurse setzt, und so die Sicherheit erhöht wird.

Zur Person

Benni Raich war zwei Mal Olympiasieger, drei Mal Weltmeister, 2005/2006 Gesamtweltcup-Sieger. Mit 36 Weltcup-Siegen ist er nach Marcel Hirscher und Hermann Maier der dritterfolgreichste Skirennläufer des ÖSV. Sein erster Sieg im Weltcup gelang ihm 1999 beim Nachtslalom von Schladming, in Kitzbühel gewann er zwei Mal.