Preis der Schönheit: Was Körperkult kostet

Das Beste aus seinem Körper rauszuholen ist ein lobens­werter Vorsatz, der bei vielen Menschen zu Jahresbeginn auf der To-do-Liste steht. Allerdings ist der Grat zwischen dem Wunsch nach einem gesunden, fitten Körper und einer verzerrten Körperwahrnehmung schmal.

Beauty OP
Perfekte Schönheit ein Leben lang: Wie weit würden Sie gehen? Foto: DragonImages/iStock/Thinkstock

Was haben Stars wie Kylie Jenner, Meg Ryan oder Lindsay Lohan gemeinsam? Nun, in erster Linie eine (semi-) respektable Karriere, mediale Aufmerksamkeit und viele Fans, aber auch ein versteinertes, maskenhaftes Antlitz. Wenn sich beim Anflug ­eines Lächelns – abgesehen von den prallen, zu monströsen Schlauchboten geformten Lippen – nicht mehr viel regt, darf man vermuten, dass sich die Telefonnummer eines plastischen Chirurgen im Adressbuch des Betroffenen befindet. Dass die Schönheitschirurgie längst auch abseits der roten Teppiche auf positive Resonanz stößt, ist bekannt. Auch in Österreich begeben sich jährlich Tausende Menschen in die ­Hände von plastischen Chirurgen, um ihrem Drang nach Perfektion gerecht zu werden.

Einfluss

Unser Schönheitsideal und die Vorstellung eines "perfekten" Körpers werden unter anderem stark durch soziale Netzwerke geprägt. Ästhetik spielt beispielsweise auf Instagram oder Facebook eine große Rolle, es ist erwiesen, dass perfekt inszenierte Fotos von scheinbar makellosen Schönheiten einen starken Einfluss auf ­unsere eigene Körperwahrnehmung ausüben. Auch virale Beauty trends wie "Thigh Gap" (Oberschenkellücke) oder die "Collarbone Challenge", bei der Münzen auf dem hervorstehenden Schlüsselbein platziert werden, sorgen gerade bei Jugendlichen für Verun­sicherungen. Obwohl sich mittlerweile aber auch ­immer mehr Frauen und Männer zu ihren Körpern bekennen und ihre Imperfektionen auf sämtlichen sozialen Plattformen lobpreisen, bleibt die Nachfrage nach Schönheits­operationen ungebrochen.

Vorbilder

„Es kommt immer wieder vor, dass vor allem junge Patienten mit Bildern von bekannten Persönlichkeiten in die Ordination kommen und sich an ihrem Vorbild orientieren wollen“, so Franz Maria Haas, Plastischer Chirurg aus Graz. Aktuell ist beispielsweise das Näschen von Meghan Markle, der Verlobten von Prinz Harry, das gefragteste Riechorgan am OP-Tisch. "Es gibt immer wieder solche Trends, die zur Uniformierung aufgegriffen werden", so Haas. Trends, die kommen und glücklicherweise auch wieder gehen, wie beispielsweise der Hype rund um die Genitalverjüngung bei Frauen. Dass sogenannte Beautytrends und der unstillbare Durst nach vermeintlicher Perfektion auch im Gegenteil enden können, beweisen die deformierten Gesichter von Stars wie Jocelyn Wildenstein.

Veränderung von innen

Schönheitsoperationen sind die extremste Maßnahme, um sein Äu­ßeres zu optimieren. Der Wunsch nach einer körperlichen Veränderung ist aber gerade zum Jahreswechsel bei vielen Menschen ein sehr präsentes Thema. Neujahrsvorsätze sind jedoch dafür bekannt, meist nur wenige Wochen bestehen zu bleiben. Der innere Schweinehund macht einem das Leben schwer, er gleicht einem launigen und hinterlistigen Videospiel-Endgegner, der bis dato jedes Jahr für ein vorzeitiges Game-over sorgte.

Neustart nutzen

2018 soll der Levelaufstieg endlich glücken. Studien zeigen, dass man Neujahrsvorsätze schnell umsetzen muss, da sonst der anfängliche ­Motivationsschub bald verpufft. Radikalmaßnahmen führen jedoch schnell zum Jo-Jo-Effekt. Eine klare Zielsetzung und das Einbauen ­einer zeitlichen Komponente unterstützen dabei.

Keep it simple

Wenig ratsam ist es allerdings, Dr. Google mit den Fragen nach der effektivsten Diät oder der gesündesten ­Ernährungsform zu traktieren. Das Internet ist voll von vermeintlichen Tipps und Tricks, die eher verunsichern als bekräftigen und sogar gesundheitsschädliche Folgen mit sich ziehen können. So hart es klingen mag, aber: Wundermittel gibt es keine. Auch spe­zielle Ernährungsformen wie Veganismus oder die Steinzeiternährung "Paleo" sind als temporäre Methoden zum Abnehmen ungeeignet.

Lebensstil ändern

Will man die lästigen Kilos also dauerhaft loswerden und einen gesunden Lebensstil pflegen, gibt es nur eine Möglichkeit. Man muss die gesamte Ernährung umstellen und Sport in den Alltag integrieren, wobei das Abnehmen laut Experten zu 80 Prozent von der Ernährung abhängt. Übergewicht wird unter anderem als die Folge einer Imba­lance von Ernährung, Bewegung und Stress gesehen. Sich gesund zu ­ernähren, heißt aber nicht zwangsläufig, kalorienreiche Nahrung zu vermeiden: Wertvolle Lebensmittel sollen Kalorien und Energie liefern, wie etwa Avocados, Nüsse oder Trockenfrüchte. Die heiß geliebten Pommes und Kekse fallen aber leider nicht in diese Kategorie, auch Light-Getränke sind mit Vorsicht zu genießen, da diese den Heißhunger ankurbeln und den inneren Schweinehund zum Spielen auffordern.

Los geht’s

Klingt doch schaffbar, oder? Durchhaltevermögen zahlt sich aus. Und außerdem: Wer nicht den Drang nach einem ­royalen Näschen oder einem Po à la Kim Kardashian verspürt, läuft zumindest nicht Gefahr, sich ein paar Operationen später in unserem prominenten Gruselkabinett der OP-Unglücke einreihen zu dürfen.

Das kosten Schönheits-OPs

  • Facelift: bis zu 10.000 Euro
  • Bauchstraffung: zwischen 3.500 und 6.000 Euro
  • Fettabsaugung: je nach Körperregion bis zu 6.000 Euro
  • Brustvergrößerung mit körpereigenem Fettgewebe: zwischen 12.000 und 18.000 Euro
  • Lidstraffung: zwischen 2.000 und 3.000 Euro

Weekend-Talk

Weekend im Gespräch mit Prim. Prof. (DMC) Dr. Boris Todoroff, Bundesfachgruppenobmann für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie der Österreichischen Ärztekammer und Univ.-Doz. Dr. Franz Maria Haas, Plastischer Chirurg.

Welche Schönheitsoperationen werden in Österreich am häufigsten durchgeführt?

Todoroff: In Österreich zählt die Lid-Straffung, gefolgt von der Fettabsaugung, der Hautstraffung an Bauch, Armen, Gesäß und Gesicht und natürlich der ästhetischen ­sowie rekonstruktiven Operation rund um die weibliche Brust zu den häufigsten Schönheitsoperationen. Bei Männern liegen Fettabsaugungen, Liftings, aber auch Brustoperationen ganz weit oben.

Sind Schönheitsoperationen mittlerweile gesellschaftlich ­akzeptiert oder gelten sie nach wie vor als Tabuthema?

Haas: Grundsätzlich ist die Schönheitschirurgie nach wie vor ein Thema, das noch nicht enttabuisiert ist und zu dem viele Patienten auch nicht öffentlich stehen wollen. Da hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht viel verändert. Die jüngere Generation ist aber ­lockerer und geht auch wesentlich offener mit dem Thema um.

Wie sieht die Schönheitschirurgie in rund 20 bis 30 Jahren aus?

Todoroff: Stammzellenforschung und Gewebezüchtung sollen in ­Zukunft die Schönheitsindustrie ­revolutionieren und der ­Verjüngung und Rekonstruktion von Gewebe und Knochen sowie der ­Körperformung dienen.

Haas: In der Gesichtsbehandlung geht der allgemeine Trend weg von ausgedehnten chirurgischen Eingriffen wie Faceliftings, obwohl ab einem gewissen Alter nur mit ­einem chirurgischen Zugang ein natürliches Ergebnis erzielt werden kann. Bei der Brustchirurgie oder der Körperformung hingegen gibt es eine beachtliche Weiterentwicklung, bei der die Natürlichkeit klar im Vordergrund steht.

Worin sehen Sie das größte Problem in der ­Schönheitsindustrie?

Haas: Die Qualität der Anbieter hat extrem abgenommen, die Masse an Mitbewerbern ist allerdings gestiegen. Viele davon sind leider unseriös. Interessenten sollten sich daher anstatt auf Internetbewertungen besser auf Mundpropaganda verlassen.

Wird die Schönheits­chirurgie nach wie vor ­vermehrt von Frauen in ­Anspruch genommen?

Todoroff: Man kann sagen, dass von der Summe der Patienten nur rund 20 Prozent männlich sind.