Automeile Dornbirn als Meilenstein

Dornbirn-Schwefel ist landesweit ein Begriff. Der Grund ist die Kulmination von Autohändlern und -dienstleistern, die für eine extreme Dichte in einer einzigen Straße sorgen.

Automeile Dornbirn
Dornbirns Automeile im Schwefel. Foto: Arno Riedmann

Über die Jahrzehnte hat sich eine echte Pit-Stopp-Arena entwickelt, die eine Bandbreite ­aller bekannten Automarken bietet. Nach und nach haben sich hier Betriebe aus der Automobilbranche angesiedelt, um von der Kulmination zu profitieren. „Die Konkurrenz fordert, aber sie fördert auch“, bringt es Erich Blum vom gleichnamigen Autohaus auf den Punkt.

Boom

Noch vor wenigen Jahrzehnten war der Schwefel eine beschauliche Durchzugsstraße, in der von Automobilen nicht groß die Rede war. Boom. So gab es 1945 gerademal fünf Kleinbetriebe, die hier Dienstleistungen anboten. Darunter auch das dort nicht mehr existente Autohaus Wehinger. Mit dem Boom des Automobils in den 50er- und 60er-Jahren, wurde auch ein Standort im Schwefel immer interessanter. Das Autohaus Gerster – gegründet von Philipp Gerster – entschloss sich 1954, eine Filiale an der Straßennummer 37 bis 41 zu eröffnen. Heute ist es die Zentrale. „Wir haben einen Absatz von rund 2.500 Neuwagen, 900 Gebrauchtwagen und 30.000 Werkstattdurchgängen“, freut sich Geschäftsführer Christoph Gerster über den Erfolg. Und die Zukunft: „Hier spielt das autonome Fahren eine große Rolle und in diesem Zusammenhang das Entertainment sowie das Arbeiten im Auto. Deshalb wird demnächst unser neuer Virtual Reality-Schauraum als Herz des Hauses eröffnet.“ Wer hätte das bei der Gründung zu Beginn des 20. Jahrhunderts schon gedacht.

Opel Gerster
Auto Gerster: 1954 wurde die Filiale im Schwefel errichtet und immer weiter ausgebaut. Im Bild: Geschäftsführer Christoph Gerster (li.), Vertriebsleiterin Karin Bischof und Kundendienstleiter Thomas Gobber (re.). Visualisierung Plan Drei – Rupert Hammerer, Andelsbuch. Foto: Opel Gerster, Marion Hofer

Richtig

Auch bei Mercedes Schneider wird groß aufgerüstet. Ein Grundstück in der Größe von 2.500 Quadratmeter wurde gekauft und Pläne für eine Erweiterung geschmiedet. „Wir wollen auf neue Begebenheiten und die Elektromobilität vorbereitet sein“, so Karin Seyfried, die die Geschäftsleitung vor zehn Jahren übernommen hat. Schon Mitte 2019 ist es soweit. Der EQC kommt auf den Markt mit einer Reichweite von 400 Kilometer. Das Interesse sei schon jetzt groß. Am Standort Schwefel gehörte das ­Unternehmen, das 1962 aus der Flurgasse übersiedelte, zu den Ersten. „Dass dies die richtige Entscheidung war, wird uns heute täglich bewusst“, betont die Chefin, deren Großvater, Diplomingenieur Herbert Schneider, den Markenvertrag bereits 1938 ergatterte.

Mercedes Schneider
Mercedes Schneider. 1962 eröffnete der neue Hauptbetrieb in Dornbirn-Schwefel. Das linke Bild zeigt die Adresse Schwefel 14 (damals Hausnummer 559) im Jahr 1910 (re.). Heute befindet sich an dieser Stelle der Hauptbetrieb von Mercedes Schneider. Im Bild: Bernhard Berlinger (Werkstattleitung), Ulrike Janschek und Karin Seyfried (Geschäftsleitung). Foto: Mercedes Schneider, Marion Hofer

Erfolgreich

Seit Ende der 60er-Jahre hat Porsche seinen Standort an der Automeile gesichert. Der heutige Platz wurde 1974 bezogen, seit 2006 ist Jörg Peham am Lenkrad. Der 53-jährige ehemalige Rennfahrer ist bekennender Porsche-Fan von Kindesbeinen an und sein Geschäft ist längst auch zum gesellschaftlichen Treffpunkt geworden. Eine Automeile zieht eben nicht nur Autofans an, sondern alle, die sich in irgendeiner Form für Mobilität interessieren. „Porsche Dornbirn ist zu ­einem der erfolgreichsten Standorte für die Marken VW, Audi, Seat und Porsche geworden.“ Die erst vor wenigen Tagen eröffneten neuen Räumlichkeiten setzen einen weiteren Meilenstein.

Porsche Dornbirn
Porsche Dornbirn. Der Umbau wurde gerade erst feierlich eröffnet. Die VW-Marken sind seit Ende der 60er-Jahre im Schwefel präsent. Im Bild: Serviceleiterin Claudia Proßegger-Steffani und Geschäftsführer Jörg Peham. Foto: Porsche Dornbirn, Marion Hofer

Vorteile

Edmund Bösch, der Onkel von Martin Wohlgenannt sen. eröffnete 1955 eine Autowerkstatt in der Kehlerstraße in Dornbirn wo  Martin Wohlgenannt sen. mitarbeitetet. 1972 zog Martin Wohlgenannt sen. mit einem frischen Mazda-Vertrag in der Tasche in den Schwefel. Die Firma, die zuerst hauptsächlich reparierte, war jetzt eine der ersten Mazda- Vertretung im Ländle. Heute wird die japanische Marke von Neffe Martin Wohlgenannt weitergeführt. Welche Vorteile es bringt, Teil der Automeile zu sein? „Die hohe Dichte zieht Leute an. Auch solche, die eigentlich eine andere Marke wollen, kommen vorbei, weil ihnen das Design gefällt.“ Und so mancher, der sich um entschied, wurde mit den Jahren zum treuen Stammkunden. Schmunzelnd erinnert er an das Jahr 2002. „Damals kam der erste Mazda 6“, erzählt er, „der hat schon im Vorfeld für so viel Gesprächsstoff gesorgt, dass die Leute anstanden, um Probefahren zu können.“

Mazda Wohlgenannt
Mazda Wohlgenannt. 1972 übersiedelte das Unternehmen von der Kehlerstraße an den heutigen Standort. Im Bild: Kundenberater Michael Kovacec (li.) Geschäftsführer Martin Wohlgenannt, Kfz-Techniker-Meister Günter Wohlgenannt (re.). Foto: Mazda Wohlgenannt, Marion Hofer

Neukunden

Dass am Standort Schwefel viele neue Kunden gewonnen werden, diese Erfahrung hat auch Layla Ellensohn gemacht. Der Fami­lienbetrieb mit Stammsitz in Rankweil, ist seit 1976 hier vertreten. Mit dem großen Um- und Neubau im Jahr 2001 entstand dann ein großes Toyota-Lexus-Zentrum. Hinter moderner Glasarchitektur gibt es Ausstellungszonen auf vier Ebenen, die durch Rampen miteinander verbunden sind. Alleine das zu sehen, ist schon einen Besuch wert.

Autohaus Ellensohn
Toyota Ellensohn. Der Familienbetrieb Ellensohn hat seinen Stammsitz in Rankweil und ist seit 1976 auch im Schwefel vertreten. 2001 wurde neu gebaut und ein Toyota-Lexus-Zentrum errichtet mit Ausstellungszonen auf vier Ebenen, die durch Rampen miteinander verbunden sind. Im Bild: Layla Ellensohn von der Geschäftsführung mit Werkstatt­leiter Markus Schedler. Foto: Autohaus Ellensohn, Marion Hofer

Bella Italia

Bei Fahrzeug Mäser hingegen gibt es nicht nur Autos zu kaufen. In jeden Fiat ist das italienische Lebensgefühl mit in den Kofferraum gepackt. Doch zurück zum Standortvorteil. Geschäftsführer Udo Mäser weiß: „Ohne die Übersiedelung im Jahr 1986 hätten wir wahrscheinlich nicht diese Entwicklung gemacht.“ Immerhin besteht der Familienbetrieb (gegründet 1895) seit vier Generationen und der Weg führte von der Marktstraße über die Lustenauer Straße bis hierher in den Schwefel Nr 69. Hier gibt es die große Fiat-Angebotspalette vom Pick-up, Kleintransporter, Familienauto, Stadtflitzer und die wiedererstandene ­Legende des Fiat 124 Cabrio.

Fiat Mäser
Fiat Mäser. Das Foto oben zeigt den Firmensitz in der Dornbirner Marktstraße im Jahr 1929. Erst 1986 übersiedelte Fiat Mäser in den Schwefel. Im Bild: Kundendienstleiter Willi Hirschauer (li.), Konrad Höfle (Verkauf) und Geschäftsleiter Udo Mäser (re.). Foto: Fiat Mäser, Marion Hofer

Dienstleister

Vor 20 Jahren siedelte sich das Tiroler ­Unternehmen BMW Unterberger hier an. Betriebsleiter Markus Spiegel spricht von der Entwicklung zum Vollservice-Unternehmen. Für die Zukunft hat man vorgesorgt und 3,5 Millionen Euro in den 400-Quadratmeter- Schauraum, ein Reifenhotel für 1.500 Garnituren und die Modernisierung der Lackiererei investiert. Denn so Spiegel: „Die Modellvielfalt habe sich vervielfacht und trägt immer mehr dem Bedürfnis des Kunden nach Komfort Rechnung.“ Das wirke sich auch auf die Zufriedenheit aus. Und die beträgt bei BMW satte 94 Prozent.

BMW Unterberger
BMW Unterberger. Vor 20 Jahren siedelte sich das Tiroler Unternehmen BMW Unterberger am Eingang der Stadt Dornbirn im Schwefel an. Im Bild: Betriebsleiter Markus Spiegel (li.) und Serviceleiter Joachim Beer-Wagner. Foto: BMW Unterberger, Marion Hofer

Mobilitätsdienstleister

Auch im Autohaus Blum, das seit 1980 im Schwefel ist, wird Kundenzufriedenheit groß- geschrieben. Das Team bereitet gerade eine Übergabe vor. Der Wagen wird unter einem schwarzen Tuch versteckt, der Piccolo ist gekühlt, und der Käufer wird jeden Moment erwartet. „Es ist bei uns immer ein feierlicher Moment“, erklärt Caroline Blum, Tochter von Geschäftsführer Erich Blum und die dritte Generation des 60 Jahre alten Familienbetriebs. Die geregelte Nachfolge lässt positiv in die Zukunft blicken. „Aus Auto- händlern werden Mobilitätsdienstleister“, ist der Senior- Chef überzeugt. Mietservice, Hol- und Bring-Dienste rund um die Uhr, sowie auch die Elektromobilität, so kann er sich die Entwicklung vorstellen. „Angst davor?“ Caroline Blum lacht. „Ich habe den coolsten Job der Welt“, sagt sie und schaut zum Kunden, dessen Augen beim Enthüllen mit dem Lack um die Wette leuchten. 

Autohaus Blum
Autohaus Blum. Das Familienunternehmen feiert 2019 sein 60 Jahre Jubiläum. Der Firmensitz im Schwefel besteht seit 1980. Im Bild: Werkstatt­leiter Philipp Blum, Caroline Blum (Verkauf), Andrea Blum (Teamassistenz) und Geschäftsleiter Erich Blum (v. li.). Foto: Autohaus Blum, Marion Hofer

Shorttalk mit Guntram Mäser

SR Stadtmarketing & Tourismus Dornbirn

Ist eine Automeile wichtig für eine Stadt wie Dornbirn?
Ja, sie hat nicht nur Tradi­tion, der konzentrierte Standort der Fahrzeughändler im Schwefel ist auch für die Kunden von Vorteil. Auf einen Blick lassen sich hier Hersteller, Modelle und auch Preise vergleichen. Es ist erfreulich, dass die Unternehmen enorm in ihre Standorte investiert haben und sich damit zu Dornbirn ­bekennen. Schließlich ­beschäftigen sie nicht nur zahlreiche MitarbeiterInnen, es werden auch viele ­Lehrlinge ausgebildet.
Was bringt die Zukunft?
Die zunehmende Technisierung und Automatisierung von Fahrzeugen wird gerade bei der Mobilität ­einen Wandel bewirken. Ich bin überzeugt, die Dornbirner Unternehmen sind gut darauf vorbereitet.

Guntram Mäser
Guntram Mäser, SR Stadtmarketing & Tourismus Dornbirn Foto: Lisa Mathis

Experten im Schwefel

Werkstätten, Autozubehör, Autohandel, Vermietung:
LakaZe, Lack- und Karosseriezentrum Schwefel 82, www.lakaze.biz
BKT Autobedarf, Schwefel 73, www.bkt.at
A.T.U. Meisterwerkstatt Dornbirn, Schwefel 47, www.atu.de
Hertz Autovermietung, Schwefel 44, www.hertz.at
ATD Auto Tino, Autohandel, www.atd-autos.at
C&M KFZ Technik, Autowerkstatt, Schwefel 41, www.cmkfz.at
M&S Auto Garage KFZ GmbH Autowerkstatt, Schwefel 38
Graf Carello, Elektromobile, Seniorenfahrzeuge, Schwefel 38, www.graf-carello.com
Akku Mäser, Schwefel 38, www.akku-maeser.at
Gummi Raab, Schwefel 33, www.gummi-raab.at

Tankstellen (6 – 22 Uhr):
Eni Tankstelle, Schwefel 70 a, www.eni.com
Jet-Tankstelle, Schwefel 44, www.jet-tankstellen.at

Tankstellen (nonstop):
Shell-Tankstelle, Schwefel 40, www.shell.com
ÖMV-Tankstelle, Schwefel 53, www.omv.at

Automeile Dornbirn
Expertenmeile im Schwefel. Foto: Arno Riedmann

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