Aus 1 mach 3 – große Pläne in Loipersdorf

Der neue Loipersdorf-Chef Philip Borckenstein-Quirini spricht im „Chefbüro“ über die Umbaupläne in der größten Therme des Landes und was es dabei mit der „Drei-Thermen-Strategie“ auf sich hat.

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Philip Borckenstein-Quirini hat mit der Therme Loipersdorf große Pläne. Foto: geopho.com
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Foto: geopho.com

Weekend: Seit Jänner dieses Jahres sind Sie als Geschäftsführer offiziell im Amt – wie viel Eingewöhnungszeit haben Sie bei Ihrer Rückkehr in die Heimat eigentlich benötigt?

Philip Borckenstein-Quirini: Eigentlich war ich von Anfang an gleich tief in der Materie drin – so hat es etwa mit den Vorbereitungen für das Jubiläumsfest für unser Schaffelbad ja gleich einiges zu tun gegeben. Nach knapp zwei Jahrzehnten im Ausland geht für mich damit auch ein echter Lebenstraum in Erfüllung. Wenn man hier aufgewachsen ist, weiß man, was die Therme für die Region bedeutet. Man darf nicht vergessen, dass Loipersdorf und Umgebung vor 40, 50 Jahren eine der ärmsten Regionen Österreichs war. Heute versorgen wir als Therme mit unseren rund 300 Mitarbeitern, den vielen Zuliefer- und Beherbergungsunternehmen quasi die gesamte Region. Diese Verantwortung war für mich schon neu. Das Wichtigste ist aber, glaube ich, dass man die Therme versteht.

Weekend: Was ist der größte Unterschied zwischen der Steiermark und Ihrer einstigen Wahlheimat Hamburg?

Philip Borckenstein-Quirini: Dass die Leute hier viel freundlicher und offener sind. In Hamburg hat man schon böse Blicke geerntet, wenn die Kinder in der U-Bahn geweint haben. Hier ist alles viel entspannter, man findet gleich Anschluss – nur mein Hochdeutsch hab’ ich schnell ablegen müssen (lacht).

Weekend: Ist die Größe der Therme Fluch oder Segen?

Philip Borckenstein-Quirini: Ich sehe die Größe natürlich als Segen. Wir können dadurch unseren Gästen eine Vielfalt bieten, die in Österreich einzigartig ist. Eine Tatsache, die wir künftig mit unserer Drei-Thermen-Strategie unterstreichen wollen.

Weekend: Was beinhaltet diese Strategie genau?

Philip Borckenstein-Quirini: Der erste Punkt ist das Schaffelbad, unser Premiumbereich – hier wollen wir künftig eine Art steirischen Luxus bieten. Da unser zentraler Eingang hierfür nicht optimal ist, werden wir für das Schaffelbad einen eigenen Eingangsbereich und Parkplätze errichten. Dadurch entsteht sozusagen eine losgelöste Therme der kurzen Wege. Der zweite wichtige Punkt ist der Familienbereich: Hierfür werden wir das Sportbecken überdachen – auf zwei oder sogar drei Ebenen soll so eine echte Abenteuerwelt für Kinder entstehen, mit vielen interaktiven Spielgeräten. Die Therme Loipersdorf hat immer eine Pionierrolle eingenommen und das wollen wir auch jetzt wieder tun.

Weekend: Und was wäre der dritte Punkt?

Philip Borckenstein-Quirini: Der beinhaltet das klassische Thermenbad. Hier werden wir im nächsten Jahr neue Ruheräume für Erwachsene errichten.

Weekend: Gibt es schon einen Umsetzungszeitraum für diese doch riesigen Projekte?

Philip Borckenstein-Quirini: Die Konzeption für das Schaffelbad wird voraussichtlich im Frühjahr 2019 erfolgen. Für die Abenteuerwelt werden wir uns jetzt auf Studienreisen zu Wasserparks in den USA, dem Mittleren Osten und Asien begeben. Ich halte da eine Umsetzung in den nächsten drei Jahren für realistisch.

Weekend: Die Wellnessbranche hat in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erlebt – die Konkurrenz wurde mit neuen Thermen, aber auch Wellnesshotels mit einem immer breiteren Angebot stetig größer. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Philip Borckenstein-Quirini: Loipersdorf muss den Anspruch haben, Trends zu setzen. Wir müssen uns die Frage stellen: Was macht uns unverwechselbar? Ein zentraler Punkt dabei ist für mich das Heilwasser – es geht nicht nur um warmes Wasser. Unser Wasser tut dem Körper gut, das ist mittlerweile ja mehrfach wissenschaftlich bewiesen. Und das können eben Wellnesshotels nicht.

Weekend: Wer ist eigentlich wichtiger, der Tagesgast oder der Urlauber, der mehrere Tage in Loipersdorf verbringt?

Philip Borckenstein-Quirini: Im Idealfall liegt die Gästemischung bei 50:50 – für mich sind also beide Gäste gleich wichtig. Wobei ich schon betonen möchte, dass unsere lokalen Gäste aus Fürstenfeld, Jennersdorf oder Graz auch unsere treuesten Gäste sind. Übrigens, man glaubt es uns ja fast nicht, aber aktuell erleben wir gerade die stärkste Zeit des Jahres mit bis zu 2.700 Gästen pro Tag, was natürlich auch wieder für unser Angebot speziell für Familien spricht.

Weekend: Sie zeichnen ja auch für das Kongresszentrum verantwortlich – wie soll da der Neustart gelingen?

Philip Borckenstein-Quirini: Zuallererst gibt’s einen ­neuen Namen: Congress ­Loipersdorf und nicht mehr Impulsquartier. Wir versuchen, das Angebot rund zu machen, von Tanzkursen über Hochzeiten bis hin zu Kabaretts – hier findet man die perfekte Bühne. Wir haben auch spezielle Konzepte für Firmen erarbeitet – Grundaufgabe des Congress ist für mich, dass wir damit die Hotels und Gastronomieeinrichtungen der Region füllen.

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