Art déco-Lady: MS Oesterreich

Der einzig noch existierende Art déco-Liner der Welt wird ab Gründonnerstag wieder als Passagierschiff den Bodensee befahren. Die „Seele einer gewesenen Zeit“ wurde dank engagierter Personen aufwändig restauriert.

Jürgen Zimmermann Adi Konstatzky
„Tun statt reden – das wurde bei der Rekonstruktion des MS Oesterreich eindrucksvoll gezeigt.“ Jürgen Zimmermann und Adi Konstatzky Foto: Udo Mittelberger
Jürgen Zimmermann Adi Konstatzky
Jürgen Zimmermann und Adi Konstatzky Foto: Udo Mittelberger

Weekend: Sie haben die Herkulesaufgabe der Wiederinstandsetzung angestoßen?
Jürgen Zimmermann:
Mir war es wichtig, wertvolles Kulturgut zu erhalten, das den Menschen nützt. Das habe ich schon mit der Restaurierung der Nepomukkapelle so gehalten, die quasi von einem sechsköpfigen Jassertisch initiiert worden ist. Dieser Prozess hat sich in großem Stil mit dem MS OESTERREICH wiederholt. Zahlreiche engagierte Personen haben sich für diese Herausforderung zusammengeschlossen: Mithilfe von Mitgliedern, Paten, Gesellschaftern und öffentlichen Förderungen des Landes und der EU im Rahmen eines Interreg-Projektes gelang es, die Summe von 8,5 Mio. Euro für die Rekonstruktion zu realisieren. 

Weekend: Herr Kapitän Konstatzky, sie haben nun eine Liaison mit zwei betagten Ladies?
Adi Konstatzky:
Ich kenne die OESTERREICH seit 30 Jahren. Sie hat mich immer fasziniert, sie hatte stets eine große Eleganz und erinnerte mich an einen Ozeanliner des vorigen Jahrhunderts im Kleinformat. Als sie 2009 außer Betrieb genommen wurde und die Verschrottung im Raum stand, habe ich sie mir als ideale Ergänzung zur Hohentwiel (Bj. 1913) vorgestellt. Wie die Hohentwiel hat auch die OESTERREICH etwas Einmaliges. Es ist großartig, dass die Restaurierung dieser 91 Jahre alten Dame so exzellent gelungen ist. Vor allem wenn man ihre bewegte Geschichte als Passagierschiff, Eisbrecher, Torpedo-Abschussrampe und erstes Dieselmotorschiff bedenkt.

Weekend: Wie ging die Rettung des Schiffes vonstatten?     
Jürgen Zimmermann:
Eine erste Initiative zur „Rettung“ der OESTERREICH wurde 2010 gestartet. Unser dafür gegründeter Verein Freundeskreis Museumsschiff OESTERREICH konnte das Schiff 2015 erfolgreich erwerben. Wir wollten zuerst um 4 Mio. Euro die Version von 1952 restaurieren. Im Zuge des Geschehens gab meine Frau die Anregung, auf den Bauzustand von 1928 zurückzugehen. Mit diesem Wunsch rannte ich bei Adi und anderen offene Türen ein. Enorme Arbeiten, auch in schiffsbautechnischer Hinsicht, fanden statt. Die aufgewendeten Kosten entsprechen übrigens den Kosten eines Neubaus -  obzwar eine Restaurierung normalerweise teurer ist als ein solcher.

Weekend: Hohentwiel und OESTERREICH werden gemeinsam vermarktet?     
Adi Konstatzky:
Die Schiffe ergänzen sich technikgeschichtlich und kunststilgeschichtlich ideal, da die OESTERREICH als Dieselmotorschiff der direkte Nachfolger des Dampfers Hohentwiel ist. Die historische Schiffahrt trägt zur Attraktivierung des ganzen Bodenseegebietes bei. Die OESTERREICH unternimmt Rundfahrten, Charterfahrten und Themenfahrten. Sie zieht mit Sundowner-Fahrten auch ein jüngeres Publikum an und wird, da wintersicher rekonstruiert, ganzjährig Einheimischen wie Gästen zur Verfügung stehen. 140 Sitzplätze verteilen sich auf dem eleganten Dinner – und Tanzsalon sowie dem intimen Damensalon. Wir laden gerne ein, sich bei Events wie der „Gatsby-Gala“, „Kaiserfahrt“ oder „Wiener Frühstückssalon“ vom Charme dieses historischen Motorschiffes persönlich zu überzeugen. Mehr auf www.ms-oesterreich.eu

Jürgen Zimmermann Adi Konstatzky
Jürgen Zimmermann und Adi Konstatzky Foto: Udo Mittelberger

Zu den Personen:

Jürgen Zimmermann (li.)
Obmann MS Oesterreich

  • Jahrgang: 1941, verheiratet
  • Werdegang: Zahntechniker, Grafiker, Werkzeug- und Maschinen-Getriebebau-Unternehmen
  • Hobbies: Lesen, Eisenbahn-Modellbauer

Adi Konstatzky (re.)
Kapitän

  • Jahrgang: 1965, verheiratet
  • Werdegang: gelernter Bootsbauer, seit 1990 auf der Hohentwiel
  • Hobbies: Segeln, Reisen mit Gattin Jasmine Choi

Jürgen Zimmermann Adi Konstatzky
Adi Konstatzky und Jürgen Zimmermann Foto: Udo Mittelberger

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