Architekten Andreas Cukrowicz und Anton Nachbaur

Die Bregenzer Andreas Cukrowicz und Anton Nachbaur realisieren mit dem Konzerthaus München ihr bisher größtes Projekt. Im Interview erklären sie ihre Grundhaltung und was es bedeutet, einen so großen Wettbewerb zu gewinnen.

Cukrowicz Nachbaur
„Ziel ist für uns immer, dass es für die jeweilige Aufgabe eine Antwort gibt, und nicht vier.“ Andreas Cukrowicz und Anton Nachbaur, Architekten Foto: Udo Mittelberger

Weekend: War es immer schon ein Ziel, einmal so etwas Großes zu bauen?
Andreas Cukrowicz:
Wir haben uns irgendwann entschlossen, das zu probieren. Das geht nur über Wettbewerbe. Wir haben gemerkt, wenn man ein bisschen Glück und die richtige Idee hat, haben wir durchaus Chancen. Das hat sich mit München bestätigt

Weekend: Vorarlberg-Museum, vordere Platzierungen für Museen in Wien und Berlin, jetzt München – habt ihr eine gewisse Affinität für Kulturbauten?     
Anton Nachbaur:
Nicht ausschließlich, aber es ist etwas, das wir sehr gerne machen. Das Spezielle bei Kulturbauten sind diese unterschiedlichen, sehr spezifischen Inhalte und Anforderungen eine architektonische Lösung zu finden. Das ist, was uns reizt.
Cukrowicz: Und es ist absolut nicht wiederholbar, weil es einzigartig und auf eine ganz spezielle Situation zugeschnitten ist.

Weekend: Was ist beim Konzerthaus München dieses Einmalige?     
Nachbaur:
Um das Projekt zu verstehen, ist grundsätzlich ganz wichtig, dass man den Ort kennt. Es ist das ehemalige Werksgelände von Pfanni. Ein Viertel, wo Werksgebäude aufgelöst werden und ein neues Stadtquartier entsteht. Die Herausforderung war, dafür einen Mittelpunkt zu schaffen. Das hat das Gebäude durch seine Stellung, die sein Inhalt bedeutet. Seine Präsenz schaffen wir einerseits durch die Höhe von 45 bis 50 Meter und natürlich über seine spezielle Form. Über sie haben wir sehr, sehr lange nachgedacht. Bei der Materialisierung sind wir zum Schluss gekommen, dass wir es mit einer Glashülle machen und das Gebäude in der Nacht strahlen kann und die Inhalte so auch nach außen transportiert werden.

Weekend: Was bedeutet das für das Büro, wenn man so einen Wettbewerb gewinnt?
Cukrowicz:
Es bedeutet eine Veränderung fürs Büro. Das ist so. Das haben wir uns vorher überlegt und uns dafür bereit erklärt. Wir haben eine weitere Bürofläche angemietet und weitere Mitarbeiter eingestellt. Uns sind unsere Leute wichtig und das spürt man auch – wir sind nicht die Superheroes, die alleine sind.

Weekend: Ein Fachmagazin beschrieb euch als Meister des Wesentlichen. Trifft es das?     
Cukrowicz:
Es gibt keine Grundphilosophie, aber eine bestimmte Haltung, die beinhaltet, dass wir jederzeit Nein sagen können. Ansonsten versuchen wir den Kern der Sache herauszukristallieren, ihn auf den Punkt zu bringen. Dass es nur so sein kann. Für uns ist es dann nur so möglich. 

Weekend: Stimmt ihr dabei immer überein?     
Cukrowicz:
Wir haben unterschiedliche Arbeitsweisen und versuchen sie zur Deckung zu bringen. Das ist jedes Mal auch ganz anders. Der Anton hat einen sehr pragmatischen Zugang, bei mir ist es eher die emotionale Ebene.  
Nachbaur: Wenn man es als Tendenz reduzieren will, Kopf und Bauch. Aber so wie jeder Mensch beides hat, ist es auch bei uns. Da ergänzen wir uns sehr gut. Es geht es nicht darum, wer recht hat, sondern wer liefert den nächsten Beitrag für die Antwort.

Cukrowicz Nachbaur
Foto: Udo Mittelberger

Zur Person: ANDREAS CUKROWICZ

  • geboren 1969 in Bregenz
  • 1988–1993 Architekturstudium an der TU Wien
  • 1993–1996 Akademie der Bildenden Künste Wien
  • 2005–2011 Präsident der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs Landesverband Vorarlberg
  • seit 2018 Landesgestaltungsbeirat Vorarlberg (Vorsitz)
  • Hobbys: Möglichst viel in der Natur sein.
  • seit 1992 Zusammenarbeit und seit 1996 gemeinsames Büro (dzt. 20 Mitarbeiter)

Zur Person: ANTON NACHBAUR-STURM

  • geboren 1965 in Bludenz
  • 1986–1996 Architekturstudium an der TU Wien
  • seit 2011 Mitglied Unabhängiger Sachverständigenrat Vorarlberg
  • Hobbys: Spazieren, Wandern und Lesen
  • Gemeinsame Projekte in Vorarlberg (Auswahl): Cubus Wolfurt, Stadtbad Dornbirn, Bergkapelle Alpe Vordere Niedere, Vorarlberger Landesmuseum Bregenz, Gemeindezentrum St. Gerold, Frauenmuseum Hittisau

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