„Am Ende geht es nur ums Geld“

Klartext von Peter Zulj: Sturms Regisseur über den schwarz-weißen Stotterstart, die Kritik der Fans, Deni Alar und seinen möglichen Abgang.

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Peter Zulj läuft wie der Rest der Sturm-Truppe seiner Form noch hinterher – „ich merke aber, dass es mit jeder Partie besser wird“. Foto: GEPA Pictures
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Ende Mai wurde Peter Zulj noch als bester Spieler der abgelaufenen Bundesligasaison geehrt. Foto: GEPA Pictures

Weekend: Das blamable Europacup-Aus gegen Larnaka – in der Liga auch nur sieben Punkte aus vier Spielen. Würdest du zustimmen, wenn man von einem Fehlstart des SK Sturm in die neue Saison spricht?

Peter Zulj: Unser Ziel war es, nach den ersten vier Runden beim Punktemaximum von zwölf Punkten zu halten – das war auch zweifellos im Bereich des Möglichen, ist eben aber leider nicht eingetreten. Und natürlich wollten wir auch im Europacup weiter kommen. Das haben wir nicht geschafft und deshalb sind wir alle enttäuscht. Wir haben uns also alle mehr erwartet – aber Fehlstart? Was sollen dann Austria oder Rapid sagen?

Weekend: Wie zufrieden bist du mit deiner eigenen Performance?

Peter Zulj: Ich habe noch viel Luft nach oben, bin sicher noch nicht bei 100 Prozent. Ich merke eben einfach, dass mir ein Teil der Vorbereitung fehlt – ich bin später eingestiegen und dann bin ich auch noch mit einem Nasenbeinbruch ausgefallen. Mit jedem Spiel wird’s jedoch etwas besser – aber da geht zweifellos noch einiges mehr.

Weekend: Das Murren im Umfeld ist dennoch unüberhörbar – nach dem Match gegen Altach gab’s ein Pfeifkonzert, für dich nachvollziehbar?

Peter Zulj: Die Erwartungshaltung ist einfach gestiegen. Die Fans setzen voraus, dass wir jedes Jahr unter die ersten Drei kommen und Pokale gewinnen. Das war im Vorjahr aber alles harte Arbeit und ist uns nicht zugeflogen. Außerdem haben wir mit den Abgängen auch viel Qualität verloren. Die Neuen können auch alle kicken, nur arbeiten wir erst seit sechs Wochen als Mannschaft. Und vielleicht sind es einige Spieler auch nicht gewohnt, vor so einer Kulisse zu spielen – der Druck bei Sturm ist halt ein anderer, als wenn du vor 2.000 Zuschauern kickst. Und was man in den ersten Runden auch gesehen hat, ist, dass alle Mannschaften in der Liga verteidigen können – und wir tun uns aktuell gegen tiefstehende Mannschaften noch irrsinnig schwer.

Weekend: Trainer Heiko Vogel hat anfangs mit Dreierkette und nur einem defensiven Mittelfeldspieler spielen lassen, in den letzten Partien dann wieder mit Viererkette – liegt es auch daran, dass die Automatismen im Sturm-Spiel noch nicht so greifen?

Peter Zulj: Natürlich braucht eine Systemänderung immer Zeit, auch wenn dieser Faktor im Fußball eigentlich Luxus ist – dazu kommt, dass wir als Mannschaft erst zusammenwachsen müssen. Ich muss auch selbst einmal in meine neue Rolle finden – es ist schon etwas anderes, wenn du zwei oder nur einen Spieler hinter dir hast. Was man ebenfalls gemerkt hat, ist, wie wichtig Marvin Potzmann für unsere Spielöffnung war – seinen Abgang haben wir auf der linken Seite noch nicht kompensieren können.

Weekend: Hat sein Weggang deshalb am meisten geschmerzt?

Peter Zulj: Fast jeder Abgang hat wehgetan: Christian Gratzei und Christian Schulz waren als Führungspersönlichkeiten für die jungen Spieler und für das Mannschaftsklima ganz wichtig. Jimmy Jeggo war der Staubsauger vor der Abwehr und die Qualitäten von Thorsten Röcher und Deni Alar sind hinlänglich bekannt.

Weekend: Letzterer hat sich mit seinem Wechsel den Zorn der Sturm-Fans zugezogen – verständlich?

Peter Zulj: Ich kann beide Seiten verstehen: Aus Fansicht ist es natürlich bitter, dass der beste Torjäger geht, noch dazu zu Rapid. Auf der anderen Seite hat Deni einen Vierjahresvertrag unterschrieben, seine Zukunft damit abgesichert.

Weekend: Bei Alar ging es aber vor allem um Äußerungen vor seinem Wechsel – „in Österreich nur Sturm“ usw.

Peter Zulj: Ich würde auf solche Aussagen keinen Wert legen. Was hat Uros Matic nicht alles erzählt? Und kaum bietet die Austria mehr Geld, unterschreibt er eben dort. Weil es unterm Strich im Fußball eben nur um Geld geht – so ehrlich muss man sein. Als Fußballer spielst du vor allem, um deine Zukunft abzusichern.

Weekend: Am 2. September gastiert Deni Alar mit Rapid in Graz – gegen Peter Zulj im Sturm-Trikot?

Peter Zulj: Deni glaubt das zwar nicht – aber ich denke, die Chancen stehen nicht so schlecht (lacht). Ich beschäftige mich wirklich nicht mit einem Transfer, auch wenn einige meinen, dass ich meinen Kopf deswegen nicht frei habe – aber das ist Blödsinn. Ich habe meinem Manager mitgeteilt, unter welchen Bedingungen ich mir einen Wechsel vorstellen kann, dann liegt es natürlich auch an Sturm. Bisher war eben noch nichts Konkretes dabei. Ich fühle mich ja auch sehr wohl in Graz und bei diesem Verein – im Fußball musst du ohnehin immer Gas geben und das werde ich auch.