Altstadt-Erwachen in Salzburg

Sandra Woglar-Meyer im Gespräch mit weekend.at

Interview Altstadt
Foto: Salzburger Altstadt Verband/Susi Graf

Die Geschäftsführerin des Altstadt Verbandes erläutert, wie sie den Corona-Shutdown erlebte, wie es um die Mitgliedsbetriebe steht und warum sie in der aktuellen Krise auch eine Chance für Salzburg und seine Bewohner sieht.

Weekend.at: Sie sind nun knapp 1,5 Jahre als Geschäftsführerin für den Altstadt Verband tätig. Wie erleben Sie Salzburg in Zeiten der Corona-Krise?

Woglar-Meyer: Ich erlebe diese Zeit als eine Herausforderung und einen Ausnahmezustand für uns alle, vor allem aber für die rund 1.600 Mitgliedsbetriebe des Altstadt Verbandes, die massiv von der Krise betroffen sind. Aufgrund der von der Bundesregierung erlassenen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, mussten alle Handels,- Gastronomie-, Hotellerie- und Dienstleistungsbetriebe schließen. In weiterer Folge mussten wir die Altstadt-Feste im Sommer alle absagen. Meine Mitarbeiter waren seit März die meiste Zeit im Homeoffice, ich selbst habe die Stellung im Büro gehalten, um mich um die Anliegen der Unternehmer kümmern zu können. Außerdem machte ich fast täglich einen Rundgang durch die leere Altstadt. Wir versuchen derzeit alles, um die Stadt für Bewohner attraktiv zu machen und um den lokalen Einkauf zu fördern.

Weekend.at: Wie greifen Sie den Altstadt-Betrieben in dieser Krise unter die Arme?

Woglar-Meyer: Der Altstadt Verband verfügt über große Erfahrung in der Online-Bewerbung, die gezielt für den Handel eingesetzt wird. Zusätzlich zum virtuellen Window-Shopping „Altstadt Schaufenster“ haben wir die Online-Initiative „Altstadt 24/7“ ins Leben gerufen. Auf dieser Plattform sind mehr als 100 Betriebe aus allen Branchen gelistet, die während Corona-Zeiten Onlineshops, Bestellservices oder Liefer- und Zustelldienste anbieten. Aktuell sollen unsere Werbemaßnahmen Lust auf einen Einkaufsbummel in der Altstadt wecken und die Salzburger dazu animieren, lokal zu kaufen. Außerdem haben wir Schutzmasken für Unternehmer und deren Mitarbeiter organsiert, die wir kurz vor der Geschäfts-Wiedereröffnung in die Altstadtbetriebe geliefert haben.

Interview Altstadt
„Wir versuchen derzeit alles, um lokalen Unternehmern bestmöglich zu helfen. Die Corona-Krise bietet auch eine Chance, um den Qualitätstourismus zu forcieren.“ Foto: Salzburger Altstadt Verband/Susi Graf
Weekend.at: Sind Online-Vertrieb und Hauszustellung auch ein Konzept für die Zukunft?

Woglar-Meyer: Aus den Gesprächen mit unseren Händlern wird klar, dass tatsächlich viele Kunden lieber im Geschäft einkaufen als auf einer unpersönlichen Online-Plattform. Dennoch ist es ein tragfähiges Konzept für eine Innenstadt, wenn Händler auch Online-Erlebnisse anbieten. Als Stichwort dient hier „Click & Collect“, für das sich das Altstadt Schaufenster auch hervorragend eignet.

Weekend.at: Können die Verluste der vergangenen Wochen aufgeholt werden?

Woglar-Meyer: Mit der Lockerung der Maßnahmen und der Öffnung der Geschäfte kehrt langsam wieder Leben in die Altstadt zurück. Das aktuelle Stadtbild zeigt, dass sich die Salzburger sichtlich über die schrittweise Rückkehr zur Normalität freuen. Nach den tiefen Einschnitten braucht es aber etwas Zeit. So verliefen auch die ersten Tage im Handel verhalten. Nun verzeichnen die Betriebe aber täglich ein höheres Kundenaufkommen und die Umsätze entsprechen durchaus einem normalen Einkaufstag. Die Händler freuen sich über die Resonanz und die Treue der Kunden. Unternehmen mit rein touristischem Sortiment haben es sehr schwer, da ausländische Kunden fehlen. Wir hoffen, dass im Mai auch die Gastronomie- und Hotelbetriebe wieder aufsperren dürfen – unter welchen Voraussetzungen wissen wir bis dato noch nicht.

Interview Altstadt
„Mit der Lockerung der Maßnahmen und der Öffnung der Geschäfte kehrt langsam wieder Leben in die Altstadt zurück.“ Foto: Salzburger Altstadt Verband/Andreas Kolarik
Weekend.at: Was können die Salzburger tun, um zu helfen?

Woglar-Meyer: Jeder Einzelne unterstützt lokale Geschäfte, indem er dort und nicht bei den großen Internetstrategen einkauft. Nun gehört die Stadt den Einheimischen alleine – viele Salzburger genießen das durchaus und kommen jetzt ganz bewusst in die Altstadt, um hier beispielsweise Kleidung, Brillen, aber auch Lebensmittel einzukaufen. Und das ist gut so! Die Corona-Krise hat insofern auch etwas Positives, da sie bei vielen Menschen ein Umdenken in ihrem persönlichen Einkaufsverhalten bewirkt hat.

Weekend.at: Traurig ist, dass unter anderem das Kaiviertel- und Linzergassenfest Corona zum Opfer gefallen sind. Wird es im Herbst eine Art „Ausgleichs-Fest“ geben?

Woglar-Meyer: Wir bedauern sehr, dass unsere Altstadt-Feste dieses Jahr nicht stattfinden können. Aber selbstverständlich tragen wir den von der Bundesregierung verordneten Maßnahmen Rechnung und so mussten wir unsere im Mai und Juni geplanten Veranstaltungen absagen. Die Entscheidung der Absage des Linzergassenfestes trägt auch der Verein „Rechte Altstadt“ mit. Bisher sind von der Bundesregierung alle öffentlichen Veranstaltungen bis Ende August 2020 untersagt. Wir müssen abwarten, wie sich die Situation entwickelt.

Weekend.at: Sommer 2021 in Salzburg – welche Bilder haben Sie bei diesem Gedanken vor Augen?

Woglar-Meyer: Solange das Virus keine Grenzen kennt, wird es enorme Auswirkungen auf das globale Reiseverhalten haben. Das bedeutet für die Stadt Salzburg einschneidende Einbußen – im Tourismus und in vielen anderen Branchen. Die Situation birgt aber auch Chancen. Wir sollten wieder mehr Einheimische im Umkreis von 100 Kilometern für die Altstadt gewinnen und ein Umdenken im Tourismus erwirken - im Sinne von „Klasse statt Masse“. Wir müssen die Chance ergreifen, den Qualitätstourismus zu forcieren.

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„Jeder Einzelne unterstützt lokale Geschäfte, indem er dort und nicht bei den großen Internetstrategen einkauft.“ Foto: Salzburger Altstadt Verband/Andreas Kolarik

Weekend.at: Zu guter Letzt, wie haben Sie persönlich die „Shutdown“-Wochen verbracht? Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn die Ausgangsbeschränkungen gelockert werden?

Woglar-Meyer: So etwas hat ja von uns vorher noch nie jemand erlebt! So waren auch für mich diese Wochen sehr herausfordernd und durchaus arbeitsintensiv. Wie bereits gesagt, ich war viele Tage im Büro, um mich direkt vor Ort, um die Anliegen unserer Mitgliedsbetriebe kümmern zu können. Ich wollte damit auch ein Zeichen setzen, dass wir auch in der Krise für unsere Unternehmer da sind und mit Rat und Tat unterstützen. Meine schulpflichtigen Kinder waren ab Mitte März zu Hause, nachdem die Schulen geschlossen wurden. Wie viele berufstätige Mütter kenne ich auch den täglichen Spagat zwischen beruflichen Pflichten und Kinderbetreuung nur zu gut. Langsam freuen wir uns alle wieder auf die Rückkehr zur normalen Routine, mit Arbeiten im Büro und Lernen in der Schule.