Günther Goach will die Spaltung abwehren

Der amtierende AK Kärnten-Präsident Günther Goach tritt erneut als Spitzenkandidat der FSG an. Er will auch in den kommenden fünf Jahren den sozialen Zusammenhalt forcieren und dem arbeitsfeindlichen Druck der Regierung die Stirn bieten.

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„Der soziale Zusammenhalt muss wieder gestärkt werden. Wir müssen die voranschreitende Spaltung der Gesellschaft aufhalten.“ Foto: AK/Helge Bauer

weekend: In wenigen Tagen startet die AK-Wahl. Sie sind siegessicher. Was gibt ihnen das Vertrauen in die Arbeitnehmer, dass sie anders als bei der Nationalratswahl wählen?
Günther Goach: Interessenspolitik funktioniert - zum Glück - anders als Parteipolitik. Die Menschen wissen, was wir für sie in den vergangenen Jahren getan haben. Die AK hält aktuell 77 Prozent im Vertrauensindex der Österreichischen Nationalbank. Und wir werden auch in Zukunft nicht locker lassen.

weekend: Welches Thema liegt Ihnen am Herzen?
Günther Goach: Der soziale Zusammenhalt muss wieder gestärkt werden. Soziale Sicherheit, leistbares Leben, Bildung für alle, Fairness am Arbeitsplatz, Unterstützung in Zukunftsfragen, Familienförderung und gesunde Arbeitsplätze – das sind die Bausteine für den sozialen Zusammenhalt.

weekend: Aus derzeitiger Sicht sieht die Zukunft für Arbeitnehmer alles andere als rosig aus.
Günther Goach: Es ist keine leichte Zeit. Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer. Diese Bundesregierung gaukelt den Arbeitnehmern vor, etwas für sie zu tun. Tatsächlich werden die Rechte der Arbeitnehmer mit jedem Tag geschwächt, die Spaltung der Gesellschaft vorangetrieben. Vor allem für Junge und Arbeitnehmer über 50 Jahren wird - durch die Kürzung der Lehrlingsentschädigung für volljährige Lehrlinge oder die Abschaffung der Aktion 20.000 etwa - es prekär. Weiters sind der 12-Stunden-Tag, Verschlechterungen bei der Altersteilzeit, die Abschaffung der Auflösungsprämie, die kürzlich eingeführten Studiengebühren für Berufstätige und die gravierenden Eingriffe bei der Sozialversicherung arbeitnehmerfeindliche Tendenzen, denen wir entgegen treten müssen und werden.

weekend: Im Tourismus wurden die Ruhezeiten gesenkt, nun soll auch an jenen der Ärzte geschraubt werden.
Günther Goach: Man muss sich das mal vorstellen: Ein Tourismusarbeiter darf sich nur noch acht Stunden zwischen zwei Diensten ausruhen. Zieht man von diesen acht Stunden jeweils eine Stunde Heimfahrt und eine Stunde Fahrt zur Arbeit ab, bleiben noch sechs Stunden, um Energie zu tanken. Familie, Haushalt, Hobbys – dafür ist dann kein Platz mehr. Bei den Ärzten sollen fünf Stunden Ruhezeit genügen.

weekend: Und die Steuerreform steht auch an.
Günther Goach: Das Urlaubs- und Weihnachtsgeld darf nicht höher besteuert werden, sonst fallen die Beschäftigten um einen Betrag um, von dem sie sich im Leben noch etwas leisten können. Dieses Geld geht ja nicht nur den Arbeitnehmern im Börserl ab, sondern auch der Wirtschaft, weil die Menschen dann noch weniger ausgeben.

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„Wer Familienpolitik ernst nimmt, stellt den Papamonat gar nicht zur Diskussion. Finanziert werden soll er über die Großbetriebe und den FLAF.“ Foto: AK/Helge Bauer
weekend: Der EuGH hat entschieden, dass der Karfreitag für alle arbeitsfrei sein soll. Die Regierung weigert sich, das umzusetzen.
Günther Goach: Dem EuGH-Urteil ist Folge zu leisten. Eine Alternative wäre, den Arbeitnehmern einen zusätzlichen Urlaubstag zu geben und sie können dann - egal, welcher Konfession sie angehören - selbst entscheiden, ob sie am Karfreitag arbeiten gehen oder Zuhause bleiben.

weekend: Der Papamonat steht gerade zur Diskussion. Wie stehen Sie dazu?
Günther Goach: Wenn man Famillienpolitik ernst nimmt, sollte der Papamonat gar nicht zur Diskussion stehen. Aber der Monat muss auch bezahlt werden. Für Menschen, die wenig verdienen und sich einen Monat ohne Verdienst einfach nicht leisten können, ist Familie genauso wichtig für jene, die viel verdienen und denen der Wegfall des Einkommens nicht wehtut.

weekend: Bleibt nur die Frage der Finanzierbarkeit...
Günther Goach: Dort wo es möglich ist, also in den Großbetrieben, soll der Papamonat natürlich über den Betrieb finanziert werden. Ansonsten über den Familienausgleichsfonds (FLAF), wo ohnehin genügend Geld drinnen ist.

weekend: 2014 lag die Wahlbeteiligung in Kärnten bei knapp 40 Prozent. Erwarten Sie sich jetzt eine Steigerung?
Günther Goach: Ich rufe alle Mitglieder auf, wählen zu gehen, damit die Stimme der AK auch weiterhin so viel Gewicht hat und wir den nötigen Rückhalt für die Kärntner Beschäftigten garantieren können. Das Ergebnis von 2014 (76,9 Prozent) peile ich wieder an.

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Günther Goach (geb. 1957 in Sankt Stefan ob Stainz/Steiermark) ist seit 2002 Präsident der Arbeiterkammer Kärnten Foto: AK/Helge Bauer
weekend: Wenig bekannt ist nicht nur die demokratische Organisation der Arbeiterkammer, sondern auch das Aufgabenspektrum.
Günther Goach: Das stimmt. Das Arbeits- und Sozialrecht sind unsere Hauptthemen - hier haben wir in den vergangenen fünf Jahren 410.000 Beratungen durchgeführt und 116,9 Millionen Euro für die Arbeitnehmer erkämpft. Weitere wichtige Eckpfeiler unserer Arbeit sind der Konsumentenschutz (inklusive Mietrecht), Betriebskosten-Check, das Jugendreferat, die Betriebsrats-Schulungen, der AK-Bildungsgutschein und noch viele mehr.

weekend: Auch das Thema Bildung liegt der AK am Herzen…
​Günter Goach: …und wie. Bildung ist das Fundament für ein erfolgreiches Leben. Die AK Kärnten hat für die kommenden fünf Jahre ein Zukunftsprogramm gestaltet und will jährlich 1,7 Millionen Euro in Maßnahmen investieren, um die Arbeitnehmer fit für die Digitalisierung zu machen. Bleibt nur zu hoffen, dass die Regierung die Kammerumlage nicht antastet. Neu ist das Service „Wie weiter?“, das jungen Menschen bei ihrer Bildungsentscheidung helfen soll.

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