Eine Legende geht

Machtwechsel. Am 24. Mai wird der langjährige Wiener Bürgermeister Dr. Michael Häupl das Zepter an seinen Nachfolger Dr. Michael Ludwig übergeben. Wir nutzen die Gelegenheit und nehmen Abschied von einer Wiener Legende.

Michael Häupl - Cover
Seit 1994 Bürgermeister von Wien: Michael Häupl (SPÖ). Foto: Michael Gruber/EXPA/picturedesk.com

Wir blicken 24 Jahre zurück. Das neue AKH, alle Baustufen zusammengerechnet, wird nach 30 Jahren Bauzeit feierlich eröffnet. Die Wiener Verkehrsbetriebe geben sich einen neuen Namen, sie heißen jetzt Wiener Linien. Uniformierte Organe zur Überwachung der Kurzparkzonen werden eingeführt. Die Wiener nennen sie „Parksheriff“. Und: Helmut Zilk geht nach zehn Jahren als Wiener Bürgermeister in die „Polit-Pension“ und übergibt das Amt an den damals noch braunhaarigen und 44-jährigen Niederösterreicher Dr. Michael Häupl.

Die politische Karriere von Dr. Michael Häupl

Den in Altlengbach geborenen Häupl zieht es nach der Matura zum Biologie-Studium nach Wien. Dort engagiert er sich früh im Verband Sozialistischer Studenten Österreichs und steigt 1983 nach acht Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Naturhistorischen Museum in den Wiener Gemeinderat und den Landtag ein. Anschließend wird er zum Stadtrat und Landesrat für Umwelt und Sport, bis er 1993 zum Landesparteivorsitzenden der SPÖ gewählt wird. 1994 folgt der Aufstieg zum Wiener Bürgermeister. Der mittlerweile 68-Jährige ist zum Kult-Symbol der Hauptstadt geworden. Und jetzt? Bundespräsident wird er laut eigenen Angaben nicht: „Das Anforderungsprofil eines Bundespräsidenten verglichen mit meinem Charakterprofil ist inkompatibel.“

Michael Häupl Helmut Zilk
Foto: Votava

Abschiedsworte an Dr. Michael Häupl

Ulrike Sima, Stadträtin für Umwelt und Wiener Stadtwerke: „Lieber Michl, kaum einer repräsentiert die Wiener Lebensart so wie du. Du hast Wien zu einem Gesamtkunstwerk und zur lebenswertesten Stadt der Welt gemacht und Generationen von Menschen mit deiner unverkennbaren Art geprägt und begeistert. Danke, Michl!“

Michael Landau, Präsident der Caritas Österreich: „Dass du aufhörst, tut mir aufrichtig leid. Ich habe dich wahrgenommen als einen, der die Menschen mag, und der von den Menschen gemocht wird. Du hast den Menschen Chancen gegeben.“

Christian Kern, Bundesparteiobmann der SPÖ: „Ein großer Mann. Ein Sozialdemokrat, der stets Haltung bewahrt hat.“

Mag. Peter Neundlinger, Geschäftsführer Wohnservice Wien: „Lieber Michael, danke für die vielen erfolgreichen Jahre in denen Du Wien zu einer weltoffenen, innovativen und noch sozialeren Stadt gemacht hast. Wer Dich kennt weiß, dass Du nicht gänzlich von der politischen Bühne abtreten wirst - und das ist gut so, denn Deinen Rat werden wir auch in Zukunft noch gut brauchen können.“

Michael Häupl Christian Kern
Foto: Fotonovo.at

Häupls beste Sager:

  • „Das einzig Grüne, das ich mag, ist der Grüne Veltliner.“
  • 2016, in Wiens kleinstem Weingarten am Schwarzenbergplatz
  • „Ich bin mein eigener Nachfolger.“
  • „Man bringe den Spritzwein.“
  • „Ich bin Bürgermeister, nicht Gott“ 2009, im Zuge der Vergabe des Großen Goldenen Ehrenzeichens am Band für Verdienste um die Republik
  • „Die SPÖ ist die lustigere Partei, wenn ich mir all die anderen mieselsüchtigen Koffer anschaue, die so herum rennen.“ Diese Aussage sorgte 1999 für Aufsehen
  • „Ihr könnt einen von diesen Blödeln wählen, aber ihr müsst wissen, was ihr tut.“ 2008, Wiener Opposition
  • „Wahlkampf ist Zeit fokussierter Unintelligenz. Da passieren halt gelegentlich Dinge, die nicht gescheit sind – leider auch in der eigenen Partei.“ 2005
  • „Die Politiker von morgen werden eher trockene Managertypen sein. Wir Entertainer sterben aus.“ 2012
  • "Die Innenstadt ist in jeder Stadt halbwegs schön. Die wirkliche Situation einer Stadt siehst du in der Vorstadt. Da können wir wirklich nicht alles falsch gemacht haben." 2018

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