99ers vs. 99ers – das ist Brutalität

Sportlich ist für den Grazer Eishockeyklub noch alles drin – hinter den Kulissen brodelt es aber. Jetzt attackiert der Verein sogar öffentlich den Obmann des letzten verbliebenen Fanclubs.

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Abklatschen: Zwei Heimsiege am Wochenende und Clemens Unterweger & Co. sind wieder voll im Geschäft. Foto: gepa-pictures.com

Zeit zum Durchschnaufen in der Erste-Bank-Eishockeyliga – für die 99ers war das bittere 1:4 in Fehervar das siebente Spiel in 13 Tagen. Nach 38 gespielten Runden liegen die Grazer mit 49 Punkten auf Rang neun. Der Rückstand auf Platz sechs und der damit verbundenen direkten Qualifikation für die Play-offs beträgt sechs Punkte, was dank der Drei-Punkte-Regel und sechs ausständigen Partien im Grunddurchgang auch ohne viel Fantasie noch durchaus aufzuholen ist. Zumal die Mason-Truppe mit einem Heimspieldoppel am Freitag (Fehervar) und Sonntag (Znaim) in die entscheidende Phase startet – und gerade im heimischen „Bunker“ haben Setzinger & Co. bisher  mit 13 Siegen aus 18 Spielen eine mehr als positive Bilanz.

Realistisch gesehen, liegen die 99ers in dieser Saison also voll im Plan – man steckt mitten im Kampf um das direkte Ticket fürs Viertelfinale. Dass man in einer Liga, die sich heuer durch den Abschied von Prügelknabe Laibach und den gleichzeitigen Wiedereinstieg von Zagreb so ausgeglichen wie überhaupt noch nie präsentiert, wirklich ganz vorne mitspielt und sich sozusagen im Vorbeigehen für die Play-offs qualifiziert, hat unter den leidgeprüften steirische Hockeyfans wohl niemand ernsthaft erwartet. Auf Wien, Salzburg, KAC und Linz fehlt einfach die eine oder andere Million im Budget – und dieser Unterschied macht sich auf Sicht gesehen natürlich auch auf dem Eis bemerkbar.

Nebenschauplatz eröffnet

Jetzt gilt’s für die letzten Spiele im Grunddurchgang noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren. Man könnten als Verein natürlich auch einen Schritt auf die Fans zumachen, in dem man Kartenaktionen startet oder sogar einmal ein kleines Kontingent an Freikarten verteilt – schließlich bestreiten die Grazer noch vier der sechs Partien vor eigenem Publikum und echter Heimvorteil hat im Sport bekanntlich noch nie geschadet. Die Verantwortlichen der 99ers haben sich allerdings für eine andere Option entschieden: Das Management geht auf direkten Konfrontationskurs mit dem Anhang. Via Facebook wurde der Obmann des letzten aktiven Fanclubs in Liebenau attackiert. Dieser hatte nämlich zuvor frecherweise die Entscheidung der Grazer kritisiert, Stürmer Justin Buzzeo für Neuzugang Anthony Camara abzumelden – eine Meinung, die der Herr freilich bei weitem nicht exklusiv hat. Nicht allen Eishockeyexperten (und Nicht-Experten) erschließt sich nämlich der Grund, warum man nicht lieber einen Verteidiger für die ohnehin ausgedünnte Defensive geholt oder gar versucht hat, einen neuen Goalie für den meist alles andere als souverän wirkenden Hanno Toivonen an die Mur zu lotsen.

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Foto: gepa-pictures.com

 

Es ist äußerst schleierhaft, warum der Verein vor den entscheidenden Spielen der bisherigen Saison diesen Nebenschauplatz eröffnet. Die Verantwortlichen gingen in ihrem Post sogar soweit, dass man eine offizielle Entschuldigung des angesprochenen Obmanns bei den angeblich so beleidigten Spielern einfordert. Eine Vorgehensweise, die weniger an einen professionell geführten Eishockeyverein als ein trotziges Kleinkind, dem man gerade sein Lieblingsspielzeug weggenommen hat, erinnert. Ganz einfach hätte man dieses Thema wohl bei einem Vier-Augen-Gespräch in der Drittelpause des nächsten Heimspiels besprechen können – so hat man aber, aus welchen Gründen auch immer, das größtmögliche Publikum gewählt und dadurch aus einer Mücke einen Elefanten gemacht und dessen Zeiten sind im „Bunker“ bekanntlich schon länger vorbei. Dass dieses Posting auch noch mit „die Mannschaft der 99ers“ beendet wurde, also quasi der Eindruck entstehen sollte, dass die Mannschaft selbst sich dieses gefinkelte Schriftstück ausgedacht hat, macht den Nachzipf für die Kommunikationsarbeit der Grazer dann perfekt.

Die Hoffnung bleibt jedenfalls, dass die Fans etwas größeren Weitblick beweisen und die Mannschaft schon am Freitag wieder lautstark unterstützen und so gemeinsam der direkte Zug in Richtung Finalrunde doch noch erwischt wird.