„7 Jahre erhöhte Arbeitslosigkeit“

Karl-Heinz Snobe, Geschäftsführer des AMS Steiermark, spricht im Weekend-Interview über den Anstieg der Arbeitslosenzahlen, die Maßnahmen des AMS und wie es nach der Krise weitergehen wird.

Snobe Karl-Heinz_246.jpg
Foto: AMS/Frankl

Im Gegensatz zu den meisten anderen Unternehmen geht dem AMS derzeit wohl kaum die Arbeit aus. Sind Mitarbeiter-Aufstockungen geplant? 

Karl-Heinz Snobe: Jetzt mitten in der Krise schaffen wir die Einstellung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gar nicht. Für die dringendsten Aufgaben wie der Bearbeitung der Anträge auf Arbeitslosengeld oder der Anträge zur Kurzarbeit braucht man eine spezielle Ausbildung, die im Moment mit den Einschränkungen nicht zu bewältigen ist. Wir müssen aber neue Einstellungen planen: Die Aufarbeitung dieser Krise und allenfalls folgender Probleme schaffen wir mit dem bestehenden Personal in der geforderten Qualität keinesfalls. 



Personen, die sich in der jetzigen Zeit als arbeitssuchend melden müssen, bekommen wohl kaum persönliche Betreuung face-to-face. Wie lässt sich das Beratungsangebot der AMS-Mitarbeiter ohne persönlichen Kundenkontakt umsetzen?
Karl-Heinz Snobe: Wir haben die Öffnungszeiten in unseren Geschäftsstellen auf 8 bis 12 Uhr von Montag bis Freitag eingeschränkt und ersuchen, nur in den dringendsten Fällen persönlich vorbeizukommen. Der beste Weg der Kommunikation mit uns ist das eAMS-Konto sowie der Kontakt über E-Mail und Telefon. Sollte es dabei zu Wartezeiten kommen oder Betroffene nicht sofort eine Antwort erhalten – wir akzeptieren Anträge auf Arbeitslosengeld auch rückwirkend, alle Ansprüche bleiben gewahrt.   



Nachdem am Anfang der Corona-Krise die Arbeitslosenzahlen in die Höhe geschnellt sind, scheint jetzt das Kurzarbeitszeit-Modell das Schlimmste wieder aufzufangen. Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung ein?
Karl-Heinz Snobe: Solange die Bewegungs- und Kontakteinschränkungen anhalten, wird beides steigen: die Arbeitslosigkeit und die Kurzarbeit. Wohin sich das in den kommenden Wochen entwickelt, kann niemand sagen. Wir hoffen, dass die Kurzarbeit stark genutzt wird, weil sie den Beschäftigten und den Betrieben hilft.

Snobe_0049_Zuschnitt.jpg
Karl-Heinz Snobe, Landesgeschäftsführer des AMS Steiermark Foto: AMS/Opernfoto




Wie wird es nach der Krise weitergehen? Werden die meisten wieder ihre früheren Jobs zurückerhalten? Oder rechnen Sie mit einer langfristigen höheren Arbeitslosenrate?
Karl-Heinz Snobe: Es werden sehr viele Menschen wieder auf den alten Arbeitsplatz zurückkehren, sofern es den Betrieb dann noch gibt. Bisher ist nach jeder großen Eruption am Arbeitsmarkt die Arbeitslosigkeit danach höher gewesen als davor. Nach der Bankenkrise 2008/09 dauerte es sieben Jahre, bis die Arbeitslosigkeit wieder stabil zurückging. Diese Pandemie ist ein wirtschaftlicher Super-Gau und das weltweite Ende nicht absehbar. 


Gibt es bereits Maßnahmen vom AMS, um die Arbeitslosenzahlen zurzeit zu senken, oder wartet man erst ab, bis sich die Situation wieder entspannt hat? Machen z. B. Umschulungen (natürlich in Form von Online-Kursen) derzeit Sinn? 

Karl-Heinz Snobe: Zurzeit geht es um die Krisenbewältigung bzw. die Schadensbegrenzung und wir setzen alle verfügbaren Kräfte für die Sicherstellung von Arbeitslosengeld und Kurzarbeitsförderung ein. Die aktive Arbeitsmarktpolitik läuft derzeit auf Sparflamme, wiewohl die Möglichkeiten der Online-Betreuung in der Beratung und Schulung sehr gut angenommen werden.