30 Tage Salzburg genießen

Kann man sich einen Monat lang nur von regionalen Produkten ernähren? Conny Hörl wagte den Selbstversuch und erzählt von ihren Erfahrungen.

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Foto: wildbild

„Als Ernährungsberaterin rate ich meinen Kunden stets, regional und saisonal zu essen. Vor Kurzem fragte ich mich erstmals selbst, wie es eigentlich auf meinem Speiseplan aussieht,“ erzählt Conny Hörl. Und tatsächlich fand sie dort allerhand, was weite Transportwege hinter sich hatte: Tomaten aus der Dose, Reis, exotische Produkte, Gewürze und vieles mehr. Für eine Frau, die Herausforderungen liebt, war das Grund genug, um einen Selbstversuch zu starten: 30 Tage regional essen. „Für mich war nicht nur gesunde Ernährung ausschlaggebend, denn das geht auch ohne lokale Produkte. Ich wollte Genuss bewusst erleben und wissen, wie regional ich meinen Speiseplan tatsächlich gestalten kann.“

Wegweiser

Nach ersten Recherchen und dem „Ausmisten“ nicht-regionaler Produkte, wurde der Powerfrau klar: Sich ausschließlich regional zu ernähren, ist gar nicht so einfach. „In kleinen Supermärkten bekommt man lokale Milchprodukte, teils auch Gemüse von Walser Bauern. Für mehr muss man auf Hofläden und Märkte ausweichen“, erzählt Conny Hörl, die regelmäßig auf der Schranne einkauft. Erste Tipps, wo was zu finden ist, holte sie sich von Gerald Reisecker, Chef des Salzburger Agrar Marketings, der gemeinsam mit Landesrat Sepp Schwaiger das „Salzburger Land Herkunftszertifikat“ einführte.

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Foto: www.vogl-perspektive.at

Wie erkennen?

Mit dem Herkunftssiegel wird auf den ersten Blick klar: Das kommt aus Salzburg! „Indem wir Produkte aus kleinstrukturierter, familiengeführter Landwirtschaft aus der Region klar erkennbar machen, geben wir Orientierung für den Konsumenten“, erläutert LR Sepp Schwaiger. Und genau das ist für ein Unterfangen, wie es Conny Hörl startete, sehr hilfreich. Mittlerweile sind bereits an die 500 Produkte von Lebensmittelproduzenten, Bauern und Metzgern mit diesem Herkunftszertifikat ausgezeichnet worden. Darunter Kalbfleisch, Geflügel und Gemüse, genauso wie Eier und Honig. Zertifiziert sind aber auch besondere Produkte wie das Siedesalz aus Hallein, der „Echte Rosensirup“ von Iris Rauter aus Bruck oder die Bio Vollkorn-Dinkelnudeln vom Stöcklbauer in St. Georgen. Wer sich einen genauen Überblick verschaffen möchte, schaut auf www.garantiert-regional.at rein, dort sind alle Produkte gelistet.

Aha-Effekt

Vier Wochen lang tourte Conny Hörl quer durch Salzburg, war auf Märkten und in Hofläden unterwegs, besuchte einen Galloway Rinderhof, eine Bio-Eier-Bäuerin genauso wie eine Öl- und Getreidemühle. „In puncto Rindfleisch, Fisch, Gemüse und Eier wird man schnell fündig, Geflügel- und Schweinefleisch ist schon etwas schwieriger und Salzburg ist definitiv kein Obstland. So gut wie keine Sorte wird kommerziell angebaut“, erzählt sie. Hier ist es ratsam, auf saisonale Produkte zu achten oder wenn möglich, selbst anzubauen. „Kren ist nicht zu haben, das hat mich überrascht. Schwierig wird es auch bei Ölen. In Salzburg wird das zwar produziert, das Saatgut aber in der Regel von anderen Bundesländern zugekauft.“ Was es schon gibt, sind Bäckereien, die mit hiesig angebautem Getreide ihre Weckerl herstellen. Zum Beispiel die Bäckerei Obauer in St. Gilgen mit Tauernroggen und Laufener Landweizen. Auch Produkte, die man so gar nicht in Salzburg vermutet, können regional ergattert werden: Auf dem Dandlhof in Wals gedeihen Wassermelonen, zwar kleiner als jene Exemplare im Supermarkt, aber mindestens genauso süß. „Und auf der Schranne habe ich tatsächlich Artischocken aus Salzburg entdeckt“, erzählt Conny Hörl.

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Foto: wildbild

Alternativen

Regional zu essen heißt aber auch Verzicht, oder besser gesagt, Kompromisse einzugehen. „Wirklich aufgeben musste ich Reis, Schokolade, Kaffee und meinen heißgeliebten grünen Tee“, grinst Hörl. Aber auch für diese Herausforderung fanden sich Lösungen. Die Bloggerin experimentierte in der Küche und fing an, gewisse Produkte zu ersetzen. So gab es eben Kräutertee mit Grünzeug aus dem eigenen Garten und ihr Pesto kochte sie anstatt mit Oliven- mit Walnussöl. Fleisch kommt generell weniger häufig auf den Tisch, dann aber in bester Qualität. „Auch Verzicht ist Genuss. Wenn man etwas nicht immer haben kann, lernt man es zu schätzen.“

Vertrauen is(s)t besser

Übrigens entscheidet nicht nur die Herkunft allein darüber, ob ein Lebensmittel das Herkunftssiegel erhält, sondern auch eine strenge Produktzertifizierung durch das Salzburger Agrar Marketing. „Die Richtlinien sind vom Produkt und der Verfügbarkeit im Bundesland abhängig. Bei Rind oder Kalb-Fleisch gilt ´geboren, gemästet und geschlachtet in Salzburg` als Mindestkriterium. Bei Milch und Käse müssen die Milchlieferanten zumindest zu 80 Prozent aus Salzburg und zu 20 Prozent aus angrenzenden Bundesländern kommen. Eier werden nur dann ausgezeichnet, wenn sie von Salzburger Hennen gelegt worden sind und Gemüse muss hierzulande angebaut, geerntet und verarbeitet werden“, informiert LR Schwaiger über die strengen Kriterien.

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Foto: www.vogl-perspektive.at

Bewusst kaufen

Dass man für regionale Produkte etwas tiefer in die Tasche greifen muss, ist kein Geheimnis. „Seit ich mich regional ernähre, kaufe ich gezielter ein, werfe weniger weg und verzichte von vornherein auf gewisse Produkte, wie zum Beispiel auf Zwischenmahlzeiten wie Nüsse und Fitnessriegel. Die Kosten verlagern sich und teilen sich anders auf“, erklärt Conny Hörl. Außerdem muss es nicht immer Bio sein und auf den Marktständen lohnt es sich, Preise zu vergleichen. Zu guter Letzt hat die Powerfrau noch einen Tipp auf Lager: Zu Beginn eines solchen Vorhabens sollte etwas Zeit eingeplant werden, um sich zu organisieren. Wo bekommt man was? Wann wird beim Bauern geschlachtet? Wie sieht es mit den Öffnungszeiten von Hofläden aus? „Nach einigen Wochen wird das aber alles zum Selbstläufer und es ist die Mühe wert. Man entdeckt tolle Produkte und Lieferanten, die sich quasi vor der Haustüre befinden“.

 

Jede Menge Informationen zu lokalen Produzenten und viele persönliche Erfahrungen findet man auf Conny Hörls Blog: www.connypure.at

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