Energieausweis - was ist wichtig?

Der Energieausweis ist seit 2008 ein wichtiger Begriff geworden, besonders für diejenigen, die eine Immobilie bauen, mieten, kaufen oder verkaufen wollen. Doch was genau ist ein Energieausweis und was sagt er über eine Immobilie aus?

Energieausweis
Der Energieausweis, der Typenschein der Häuser Foto: BrianAJackson/iStock/Thinkstock

In Österreich ist seit 2008 bei Neubauten der Energieausweis Pflicht, bei Altbauten wurde er 2009 ebenfalls eingeführt. Einzige Ausnahme ist Oberösterreich: Dort gibt es ihn schon seit 1999. Generell liegen vorgegebene Richtlinien von der EU vor, doch die Regelungen sind von (Bundes)Land zu (Bundes)Land verschieden.

Energieausweis - was ist das?

Der Energieausweis kann mit dem Typenschein eines Autos verglichen werden. Viele interessante Kennwerte des Hauses sind darin enthalten. Der Energieausweis sagt etwas über den Energieverbauch des Gebäudes aus. Die Berechnungsmodelle sind dabei in allen Bundesländern jeweils unterschiedlich.

Brauche ich ihn?

Wenn man ein Haus oder ein Gebäude bauen möchte, braucht man den Energieausweis bereits beim behördlichen Bauverfahren. Aber auch bei größeren Sanierungen, Umbauten und Zubauten wird er verlangt. Wenn Sie Häuser, Wohnungen oder gewerbliche Flächen (wie z.B. Büros) verkaufen, verpachten oder vermieten wollen, wird er ebenfalls benötigt. Der Energieausweis hat eine Gültigkeit von zehn Jahren, danach müssen neue Messungen gemacht werden.

Kosten

Früher gab es die Faustregel: Ein Euro pro Quadratmeter für die Erstellung des Energieausweises. Heute stimmt diese Regel nicht mehr. Häufig muss mit dem Doppelten gerechnet werden. Da aber jedes Bundesland andere Regelungen hat, gibt es keinen einheitlichen Preis. Die Kosten sind es aber allemal wert. Denn sollten Sie keinen haben, droht eine Verwaltungsstrafe bis zu 1.500 Euro.

Als Käufer und Mieter haben Sie auf folgende zwei Dinge Anspruch: Auf der einen Seite auf die Vorlage eines Energieausweises vor dem Vertragsabschluss und auf der anderen Seite auf die Aushändigung eines Energieausweises (eine vollständige Kopie ist ebenfalls zulässig) innerhalb von 14 Tagen nach Vertragsabschluss. Bei einem Einfamilienhaus ist es zulässig, dass der Ausweisaussteller einen Energieausweis über die Gesamtenergieeffizienz eines vergleichbaren Gebäudes (hinsichtlich der Größe, Lage usw.) ausstellt. Bei Häusern mit mehreren Wohneinheiten reicht der Energieausweis für das gesamte Gebäude.

Seit Dezember 2012 können der Käufer oder Mieter beim Fehlen eines Energieausweises klagen oder selbst einen Ausweis erstellen lassen. Die Kosten müssen nach Vorlage des Dokuments innerhalb von drei Jahren nach Abschluss vom Verkäufer oder Vermieter rückerstattet werden.

Der Energieausweis soll ein rechtlicher Schutz für den Käufer und den Verkäufer sein: Wenn kein Energieausweis vorgelegt wird und das Gebäude nicht eine des Alters und der Art der entsprechenden Gesamtenergieeffizienz aufweist, können der Käufer oder Mieter Gewährleistungsansprüche stellen (Preisminderung, Reduktion der Miete).

Wichtige Begriffe im Energieausweis

Spezifischer Heizwärmebedarf (HWB) als Energiekennzahl: Sie sagt aus, wieviel Energie die Immobilie pro Quadratmeter im Jahr für die Raumwärme benötigen würde, wenn es am Referenzstandort und im Referenzklima stehen würde.

Spezifischer Heizwärmebedarf (standortbezogen): Sie gibt den zu erwartenden Energieverbrauch des Gebäudes an. Je nach Energiesparverhalten des Bewohners kann diese Zahl natürlich von der angegebenen Zahl abweichen.

Gesamtenergieeffizienzfakto (fGEE): Dieser Faktor vergleicht die Immobilie mit einem Referenzgebäude aus dem Bestand an Gebäuden im Jahre 2007. Somit kann eingestuft werden, ob es sich energieverbrauchtstechnisch um ein eher besseres oder schlechteres Gebäude handelt. Je höher der fGEE ist, desto schlechter ist das Gebäude.

Warmwasserwärmebedarf (WWWB), Heiztechnikenergiebedarf (HTEB): Dieser Wert gibt an, wieviel Energieaufwand notwendig ist, um genügend Wasser für das Haus oder die Wohnung bereitzustellen. Miteinbezogen sind der Verlust der Heizungsanlage und der damit verbundene Bedarf an Energie.

Bruttogrundfläche: Dies ist die gesamte Fläche der Immobilie inklusive der Wände. Ohne Wände wäre es die Nettogeschossfläche. Auf diesen Wert wird der jährliche Energiebedarf bezogen.

Endenergiebedarf: Beschreibt die notwendige, von außen zuzuführende Energiemenge, die für die Aufrechterhaltung der Raumwärme und Temperatur des Warmwassers erforderlich ist und die Verluste deckt.

U-Wert: Dieser Wert beschreibt bei einem Bauteil (z.B. Wand) den Wärmedurchgang je Quadratmeter und den Temperaturunterschied zwischen innen und außen. Der U-Wert sollte also bei jedem Bauteil so niedrig wie möglich sein. Im Energieausweis ist der mittlere U-Wert der Gebäudehülle angegeben.

Kritikpunkte der Experten

Kritiker bemängeln den Energieausweis. Selbst die zur Ausstellung befugten Stellen haben oft eine Abweichung von bis zu 26 Prozent bei der Berechnung des Energieausweises, da es nicht allgemeingültig geregelt wurde. Ebenfalls monieren Experten, dass ohne spezifisches Fachwissen die Daten nicht richtig interpretiert werden können.

Fazit

Wenn Sie ein Haus bauen, kaufen, sanieren oder umbauen wollen, brauchen Sie einen Energieausweis. Und diesen sollte man sich auch wirklich zulegen, wenn man einer Verwaltungsstrafe entgehen möchte. Für Käufer wie auch Verkäufer ist der Energieausweis ein rechtlicher Schutz. Die wichtigsten Energiekennzahlen auf einen Blick verraten den Energieaufwand. Das kann fürs Geldbörserl und für die Umwelt nur gut sein!

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