So werden alte Möbel restauriert

Alte Holzmöbel werden in österreichischen Haushalten immer beliebter. Doch leider sehen die Möbel aus Urgroßelterns Zeiten im Lauf der Jahre häufig mitgenommen aus. Ein Fall für Heimwerker oder doch eher für den Profi?

Möbel selbst restaurieren
Mit ein wenig handwerklichem Geschick, können Sie alte Möbel restaurieren Foto: NikolayN/iStock/Thinkstock

Holzmöbel, besonders alte, werden immer beliebter. Kein Wunder: Der Vintage-Touch verleiht dem Eigenheim eine besondere Gemütlichkeit und Heimeligkeit. Doch häufig sind alte Möbel beschädigt oder stark abgenutzt.

Raumausstatter oder Restaurator?

Bei beschädigten, antiken Möbelstücken stellt sich die Frage, wer das Stück restaurieren kann: ein Raumausstatter oder doch ein Restaurator? Ein Raumausstatter hat normalerweise eine entsprechende Ausbildung und kann Möbelstücke neu tapezieren, aufbauen und komplett mit neuem Stoff überziehen.

Ein Restaurator hat im Regelfall eine Ausbildung in Kunsthandwerk und beschäftigt sich mit der Erhaltung historischer Kunstwerke. Der Unterschied zwischen einem Raumausstatter und Restaurator besteht also darin, dass der Restaurator für sehr alte und wertvolle Möbelstücke zuständig ist, bei denen das Holz geschliffen, geölt oder verziert werden muss. Wenn also das Holz beschädigt ist, sollten Sie zu einem Restaurator gehen. Wenn das Möbelstück keine Schäden am Holz aufweist und der Stoff bzw. der Aufbau verändert werden soll, wendet man sich am besten an einen Raumausstatter.

Wie lange und wie teuer?

Die Restaurationsdauer hängt von bestimmten Faktoren ab: Wie ist ein Möbelstück beschaffen? Benötige ich einen komplett neuen Stoffüberzug oder genügt eine Teilüberarbeitung? Berücksichtigt werden sollte, dass eine Restauration durchschnittlich vier bis fünf Werktage dauert.

Der Preis bewegt sich zwischen 200 und 1.000 Euro, kann aber auch höher liegen - je nach Beschaffenheit des Materials und individuellen Wünschen. Vor allem wenn der Stoff neu überzogen werden soll, kann es zu starken Preisschwankungen kommen. Denn es gibt Stoffe, die pro Quadratmeter bis zu 300 Euro kosten. Wollen Sie einem alten Möbelstück neuen Glanz verleihen, müssen Sie mit mindestens 200 Euro rechnen.

Selbst restaurieren oder dem Profi überlassen?

Möbel aus der ersten Zeit - also dem Hochbarock - sollten auf alle Fälle von einem Profi restauriert werden. Dieser hat eine mehrjährige Ausbildung, häufig eine zusätzliche Expertise in Kunstrestauration und entsprechende Erfahrung. All jene Möbel, die in der zweiten Zeit nach dieser Epoche entstanden sind, gelten als nicht sehr wertvoll.

Bei einer Restauration soll der Originalzustand des Möbelstücks so weit als möglich beibehalten werden. Bei sehr wertvollen Stücken ist es daher ratsam, die Überarbeitung einem Profi zu überlassen. Denn beim Selbstversuch kann man mehr Schaden anrichten als retten; etwa, indem man unabsichtlich Elemente verfälscht oder gar zerstört. Die Folge: ein drastischer Wertverlust. Für Heimwerker eignen sich daher am besten billige Flohmarkt-Schnäppchen und Dachbodenfunde ohne besonderen Wert, um sich kreativ zu entfalten. Wobei grundsätzlich ein gewisses Maß an handwerklichem Geschick gefragt ist.

Sollten Sie bezüglich des Werts eines Gegenstandes unsicher sein, gehen Sie auf Nummer sicher und lassen Sie diesen von einem Fachmann schätzen. Der Profi kann auch dabei helfen, einem alten Dachbodenfund aus Omas Zeiten ein komplett neues Design zu verleihen, ohne dass der Charakter verloren geht. Denn gerade die optischen Makel sind es, auf die es ankommt: Astlöcher oder auffällige Maserungen im Holz machen das Möbelstück zu etwas besonderem. 

Tipps zum selbst Hand anlegen

Wenn Sie es selbst versuchen wollen, dann bitte nur bei alten, nicht wertvollen Möbeln. Denken Sie daran: Selbst, wenn Sie über viel handwerkliches Geschick verfügen, wird das Ergebnis nicht perfekt aussehen.

Zuerst sollten Sie sich eine To-Do-Liste mit den zu benötigenden Materialien und Arbeitsschritten erstellen.

Fotos vom Originalzustand machen - das hilft später beim Zusammenbauen.

Die Funktionalität muss geprüft werden, um zu sehen, was repariert werden muss. Gehen die Türe problemlos auf und zu, ist der Sessel noch funktionstüchtig? Faustregel: Zuerst die Funktionalität, dann die Optik.

Metallbeschläge müssen unbedingt abgeschraubt werden, damit sie nicht beschädigt werden.

Zu klären ist weiters, ob man die natürliche Holzstruktur wiederherstellen oder man dem Objekt doch eine neue Optik verleihen möchte. In beiden Fällen muss zuerst die Lack- oder Farbschicht entfernt werden. Erst dann geht es ans Auftragen der neuen Holzfarbe bzw. des -lacks. Tragen Sie am besten dünnere, dafür aber mehrere Farbschichten auf - dadurch wird das Ergebnis gleichmäßig und schön.

Bis zu drei Stunden kann es dauern, bis die Lack- oder Farbschicht getrocknet ist.  Um auf Nummer Sicher zu gehen, warten Sie ruhig einen Tag ab. Danach sollte unbedingt noch ein Holzpflegeprodukt mit einem weichen Tuch aufgetragen werden, um das Holz widerstandsfähiger zu machen.

Fazit

Je nachdem, ob das Möbelstück ein Kunstwerk ist und das Holz auch verarbeitet werden soll, überlässt man den Auftrag einem Restaurator. Soll das Möbelstück tapeziert und mit neuem Stoff überzogen werden, ist ein Raumausstatter nötig. Vier bis fünf Tage kann das dauern. Bei einer professionellen Restauration muss mit 100 Euro aufwärts gerechnet werden. Wollen Sie Ihr handwerkliches Geschick unter Beweis stellen und Sie kein perfektes Ergebnis auf Profi-Niveau erwarten, können Sie sich selbst daran machen. ABER: Zuerst bei einem Profi das Möbelstück schätzen lassen, um nicht den Schaden zu vergrößern.

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