Mein Biogarten: Biologisch garteln liegt im Trend

Nützlinge statt chemischer Schädlingsbekämpfung, regionales Bio-Saatgut und hausgemachter Dünger – der gesunde Garten ist „in“! Wir geben Tipps für das Schlaraffenland im eigenen Zuhause.

Frau Kind Garten
In Österreich arbeiten über die Hälfte der Gartenbesitzer biologisch Foto: Image Source White/Image Source/Thinkstock

Saftige Kirschen im Vorbeigehen vom Baum stibitzen, sich süße Erdbeeren in den Mund rollen lassen, den Sommerdrink mit frischer Minze veredeln oder den knackigen Salat frisch vom Beet holen – das Schlaraffenland im eigenen Zuhause lässt grüßen! Und das Ganze mit biologischem Anbau? Ja, kein Problem, versichert Bernadette Pokorny, Gartenexpertin von der Wiener Organisation „die umweltberatung“: „Biologisch garteln liegt im Trend. Laut IMAS-Gartenstudie 2015 arbeiten 51 Prozent der Gartenbesitzer nahezu ausschließlich biologisch.“ Und auch wenn die Gartensaison schon in vollem Gange ist, ist es für biologische, gesunde Tipps nie zu spät.

Nein zu Pestiziden

Biolo­gische Produktion – ob in groß angelegter Landwirtschaft, in kleiner Dimension im eigenen Garten oder auf Balkon und Terrasse – bedeutet Pestizidfreiheit und verhindert, dass schädliche Chemikalien in die Nahrungskette gelangen. Dabei werden auch Boden, Grundwasser und die Tierwelt geschont. Den Anfang macht daher schon die optimale Bio-Erde.

Marienkäfer
Der Zweipunkt-Marienkäfer ist gut gegen Blattläuse Foto: AndreiAzanfirei/iStock/Thinkstock

Torffrei

„Der Großteil der handelsüblichen Blumenerde enthält Torf, der sich im Zuge von Jahrtausenden in Mooren gebildet hat. Moore sind Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, die zum Teil schon vom Aussterben bedroht sind. Durch Torfabbau werden Moorlandschaften unwiederbringlich zerstört. Zudem speichern Moore ein Drittel des weltweiten Kohlenstoffs“, betont Pokorny. Aber Achtung: Als Bio- oder Öko-­Erde bezeichnete Erde ist nicht automatisch torffrei!

Auf Nummer sicher geht man hier mit dem Gütezeichen „biologisch gärtnern“ und dem Österreichischen Umweltzeichen – diese kennzeichnen Erden, die garantiert torffrei sind. Torfersatzstoffe sind nachwachsende Rohstoffe, die bei Produktionsprozessen anfallen, wie Holzfasern, Rindenhumus, Kompost oder Kokosfasern. Aber Achtung: „Da die Wasserhaltekraft bei torffreien Erden geringer sein kann als bei torfhaltigen, empfiehlt es sich, häufiger zu gießen“, so die Expertin.

Die richtige Saat

In puncto Saat empfiehlt die Umwelt­beratung-Expertin Bio-Jungpflanzen und Bio-Saatgut aus der Region: „Sie sind frei von chemischen Rückständen und gut an die Umgebung und das Klima angepasst. Daher sind sie robust und die beste Grundlage für eine gesunde, reiche Ernte.“ Und die Auswahl ist vielfältig: Sie reicht von Gemüse und Kräutern über Blumen, Sträucher und Bäume. Originell: „Auch alte Sorten, die in Vergessenheit geraten sind, sind oft in Bio-Qualität erhältlich“, ergänzt Pokorny. Tipp: Eine Bezugsquellen­liste für biologisches Saatgut und Pflanzen aus biologischem Anbau gibt’s unter www.umweltberatung.at

Gut gedüngt

Die Natur selbst düngt, indem organische Substanzen im Boden abgebaut und Nährstoffe durch Bodenlebewesen für die Pflanzen verfügbar gemacht werden. „Beim bio­logischen Gärtnern werden daher die Bodenlebewesen mit organischem Dünger gefüttert, z. B. Kompost oder Hornspäne. Die dadurch aufgeschlossenen Nährstoffe werden von den Pflanzen bei Bedarf aufgenommen“, erklärt Pokorny. Aber Achtung: Auch bei biologischem Dünger ist eine Nährstoffüberversorgung möglich – speziell dann, wenn viel tierischer Mist verwendet. wird. Als Faustregel gilt daher: Eine Schaufel Kompost pro Quadratmeter jährlich genügt.

Garten
Bevor gedüngt wird, empfiehlt es sich, eine Bodenanalyse durchzuführen Foto: monkeybusinessimages/iStock/Thinkstock

Kompost

Wie aber kompostiere ich richtig? „Ein ausgewogenes Verhältnis aus kohlenstoffreichen Materialien, wie trockenem, holzigem Material (Holzhäcksel aus Strauchschnitt oder Stroh) und stickstoffreichem Material, wie Rasenschnitt oder Küchen­abfälle ist die optimale Voraussetzung für gelungenen Kompost“, so Pokorny. Aber Achtung: Rasenschnitt etwas anwelken lassen, damit der Kompost nicht fault, und Fleisch und gekochte Speisen vermeiden – dies lockt Ratten an. Den Kompost an einen halbschattigen Platz stellen, er darf nicht zu nass und nicht zu trocken sein. Nach sechs bis zwölf Monaten ist der Kompost ausgereift und kann als Dünger verwendet werden. Clevere Tipps. Die Expertin empfiehlt zudem zu mulchen, also den Boden mit organischem Material zu ­bedecken: „Mulchen fördert die Bodenprozesse, schützt den Boden und stärkt die natürlichen Kreisläufe. Die Bodenlebewesen können ungestört den Boden lockern, der Humusgehalt wird höher, und der Boden bleibt während Trockenpe­rioden länger feucht.“ Aber Achtung: nicht zu stark mulchen, sodass der Boden nicht fault. Und grundsätzlich gilt die Faustregel: „Pflanzen standortgerecht setzen, das erspart viel Ärger und Arbeit: Die Pflanzen sind robuster, gedeihen ­besser und sind weniger anfällig für Krankheiten und Schädlinge“, so Pokorny.

Nützlinge

Apropos Schädlinge: Anstatt zu chemischen Schädlingsmitteln zu greifen, einfach auf deren natürliche Feinde setzen, die Nützlinge. So sagt der Zweipunkt-Ma­rienkäfer den Blattläusen den Kampf an, die Erzwespe den Weißen Fliegen. Florfliegen sind gut gegen Woll- und Blattläuse, Spinnmilben und Weiße Fliegen, die Raub­milbe gegen die Thripse, auch Fransenflügler genannt. Denn auch hier gilt der natürliche Kreislauf – die Natur hat sich schließlich sehr wohl was bei ihrer Artenvielfalt gedacht.

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