Spektakuläre Hochhäuser: Hoch hinaus mit Stil!

Verdrehte Türme, ein Wald, der nach oben wächst, Luxus-Appartements, die sich stets der Sonne hinwenden – wie spektakulär sich heute Hochhäuser präsentieren.

Shanghai Tower
632 Meter hoch: der Shanghai Tower Foto: Chen Guanglin/AP/picturedesk.com

Kult- und Sakralbauten wurden schon vor Jahrtausenden weit in den Himmel hinauf gebaut – ältestes erhaltenes Bauwerk ist die Cheops-Pyramide in ­Gizeh, erbaut um ca. 2.600 vor Christus mit einer ursprünglichen Höhe von rund 146 Metern. Auch Kirchtürme ragten lange vor Profangebäuden hoch hinaus – mit 161 Metern Höhe ist der 1890 fertiggestellte Kirchturm des Ulmer Münsters noch heute der höchste Kirchturm der Welt.

Das Wetteifern beginnt

Auch wenn hohe Bauten demnach schon lange möglich waren, waren sie als Wohn- oder Arbeitsgebäude lange kein Thema. Genauer gesagt bis 1852 – denn damals erfand Elisha Graves Otis den dampfbetriebenen Aufzug und ermöglichte somit erstmals das mühelose Erklimmen mehrerer Etagen. Die Entwicklung hin zum Stahlskelettbau war ein weiterer Grundstein, der ab Mitte des 19. Jahrhunderts quasi ein Wetteifern um das höchste Gebäude der Welt eröffnete: 1875 wurde das Tribune Building mit 80 Metern Höhe in New York eröffnet, 1913 überragte das Woolworth Building mit 241 Metern ganz Man­hattan. Von 1931 bis 1972 konnte sich das Empire State Building mit 443 Metern „höchstes Gebäude der Welt nennen“. Seit 2010 ist der Burj Khalifa in Dubai das höchste Gebäude der Welt – mit sagenhaften 828 Metern Höhe! Doch nicht nur die Höhe wird immer spektakulärer, auch hinsichtlich Design und Materialien gibt es kaum mehr Grenzen.

Spiralförmig in die Höhe

Der 2015 fertiggestellte Shanghai Tower, das zweithöchste Gebäude der Welt, beeindruckt nicht nur mit seinen 632 Metern Höhe und 128 Etagen, sondern auch mit seiner ­spiralförmigen Optik. Dafür wurden neun zylindrische Segmente aufeinandergestapelt und von einer Glasfas­sade, die sich nach oben verdreht, eingefasst. Übrigens: Die insgesamt 106 Aufzüge sind mit 64,8 km/h die schnellsten der Welt.

Gigantische Schleife

Als eines der aufsehenerregendsten Gebäude der Welt gilt der 2012 fertiggestellte CCTV Tower in Peking, dessen beiden asymmetrischen Türme oben durch ein Mittelstück miteinander verbunden sind. Statisch möglich war der Entwurf des deutschen Architekten Ole Scheeren nur durch den Einsatz von diagonalen Verstrebungen, die die Kons-truktion entsprechend entlasten – diese wurden auch nicht mit Glas verkleidet, sondern als Fassadenelemente sichtbar belassen. Entstanden ist ein 234 Meter hoher Bau mit 54 Etagen, der wie eine winklige Schleife anmutet – würde man die Schleife auffalten, wäre sie über 800 Meter lang.

CCTV Tower
234 Meter hoch, 54 Etagen: der CCTV Tower in Peking Foto: Wang Kun/AP/picturedesk.com

Grüne Zukunft

Ein Hochhaus mit möglichst viel Grünraum und maximaler Ökosystemleistung – das war Ziel des italienischen Architekten Stefano Boeri mit seinem Projekt „Bosco Verticale“ in Mailand. Seine Motivation: „Der ,Bosco Verticale‘ zeigt ein mögliches Zukunftsszenario – denn nicht nur der Mensch wird in dichten Städten vertikal leben, auch Bäume und Natur“, so der Architekt. Also wurden die Balkone der beiden 2013 fertiggestellten 80 und 110 Meter hohen Wohn- und Bürotürme mit insgesamt 730 unterschiedlichen Bäumen, rund 5.000 Sträuchern und 11.000 Bodendeckern bepflanzt. Geothermie und ­Solarstrom reduzieren zudem den ökologischen Fußabdruck des Gebäudes. Theoretisch wäre eine Baumbepflanzung laut Boeri auch in 300 Metern Höhe möglich – man müsste lediglich die richtigen Bäume auswählen und diese vor Wind, dem größten Unsicherheitsfaktor, entsprechend schützen. Weitere „Baum­projekte“ sind in Planung.

Bosco Verticale
Ökologisch wohnen im Hochhaus: Bosco Verticale in Mailand Foto: Boeri Studio/Action Press/picturedesk.com

Mit Holz hoch hinaus

Dass Holzhäuser auch im Hochhaus-Format möglich sind, hat das Architekturbüro Hermann Kaufmann ZT GmbH im Jahr 2012 mit dem Life-Cycle-Tower in Dornbirn bewiesen – er ist das erste Holzgebäude in Österreich, das mit acht Geschossen und 27 Metern Höhe die Hochhaus­grenze erreicht. Schlüssel ­waren entsprechende Feuerschutzlösungen und die Holz-Beton-Verbundrippendecke. Noch höher hinaus will nun das Architekten-Büro Rüdiger Lainer + Partner mit dem „HoHo Wien“ in der Seestadt Aspern. Das Gebäude wird 84 Meter hoch und um einen ­Betonkern zu 75 Prozent aus Holz errichtet – und wird damit das weltweit erste Holzhaus, das 24 Geschosse beherbergt. Voraussichtlich werden rund 3.600 Kubikmeter Holz für die gesamte Konstruktion verbaut. Baustart war 2016, Fertigstellung ist 2018 geplant.

4-Dimensional

Einen vollkommen neuen Weg schlägt Architekt David Fisher von „Dynamic Architecture“ ein, wie er im März 2017 verlauten ließ: In Dubai plant er den ersten vierdimensionalen Wolkenkratzer. Jede Etage soll sich um die eigene Achse drehen und so eine 360-Grad-Rundumsicht ermöglichen. Im stabilen Mittelteil befinden sich Fahrstuhl und Rohrleitungen, das Wasser wird ähnlich wie bei Luftbetankungen mittels Andockstationen in die einzelnen Appartements geführt. Finalisierung des Projekts sowie Baubeginn-Daten wurden aber noch nicht verraten.