Warum sind genaue Wetter-Prognosen für Meteorologen so schwierig?

Spontan Freunde zum Grillen einladen oder Festivaltickets ordern? Manchmal will man sich auf die Wettervorhersagen verlassen können. Warum auch die besten Wetterfrösche einmal daneben liegen? Weekend Magazin hat nachgefragt.

Wolken
„Vorhersagen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft be­treffen“, hat schon Mark ­Twain gesagt. Foto: Thinkstock

Und? Wie ist das ­Wetter so bei euch? Wie vertragen Sie die Hitze? Ob Sonne oder Regenschein, Minusgrade oder Tropenhitze – kein anderes Thema eignet sich besser zum Smalltalk. Und auch wenn wissenschaftliche Studien mehrfach bewiesen haben, dass das (gute oder schlechte) Wetter kaum Auswirkung auf unseren Gemütszustand hat, ist es doch gut zu wissen, was uns heute, morgen und in den kommenden Wochen wettertechnisch erwartet. Kann der Campingurlaub wie geplant stattfinden? Muss die Braut doch noch einen Überwurf besorgen? Sollte man in neue Regenstiefel fürs Open Air investieren? Doch „Vorhersagen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft be­treffen“, hat schon Mark ­Twain gesagt.

Chaotisches System

Meteorologen brauchen zum Berechnen der Wettervorher­sage immer den aktuellen ­Zustand der Atmosphäre. Im Klartext: Möglichst viele Messdaten von Wetterstationen aus der ganzen Welt. Da zwei Drittel der Welt mit Wasser bedeckt sind und hier die Datenlage sehr dünn ist, können schon zu Beginn der Berechnungen grobe Fehler entstehen. „Die Atmosphäre ist ein chaotisches System und so komplex, dass sie sich nicht zu 100 Prozent von uns in die Karten schauen lässt“, erklärt Harald Seidl, Meteorologe an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geo­dynamik (ZAMG). Große Wetterphänomene lassen sich durch ausgefeilte Modellberechnungen heute zwar gut vorhersehen, doch die Vorhersage kleinräumiger Gewitterzellen bereitet den Meteorologen Kopfzerbrechen. „Es ist wie mit Wasser, das sie zum Kochen bringen wollen. Sie wissen irgendwo im Topf wird die erste Blase aufsteigen, aber wo genau, können Sie nicht sagen“, zieht Wetterexperte Andreas Jäger einen anschaulichen Vergleich.

Trends

Noch in den 1970er- Jahren waren 2-Tages-Prognosen wie Kaffeesudleserei. Dank moderner Technik liegt die Trefferquote heute bei mehr als 90 Prozent. Beim Now-Casting, wo Wetter­experten aufgrund aktueller Radarbilder das Wetter der nächsten Stunden vorhersagen, stimmen die Prognosen zu 98 Prozent. Auf diese ­Interpretationen verlässt sich auch die Hagelabwehr Krems: „Wenn es eine Unwetter­warnung für die Region gibt, sind wir mit einem Meteorologen vor Ort. Wenn dieser Hagel vermutet, steigen wir mit den Fliegern auf“, erklärt Geschäftsführer Johannes Eckharter. Punktgenaue Analysen sind auch für Festivals unabdingbar. „Bei Schlechtwetterprognosen kommt ein Meteorologe zu uns, der genau beobachtet. So können wir unsere Vorbereitungen treffen“, so Evelyn Bäck von den Seefestspielen Mörbisch.

 

Wetter-App
Im Internet finden sich viele Webseiten und Wetter-Apps zum aktuellen Wetter. Foto: Thinkstock

Wetter-Informationen

ZAMG. Fachleute der ZAMG stehen rund um die Uhr am Telefon für genaue Wetteraus­künfte zur Verfügung: 0900 / 530 111 1 (Mehrwertnummer!) www.zamg.ac.at

WeatherPro. Die APP liefert umfassende Informationen über die Wetterlage, Regenwahrscheinlichkeit, Wind­geschwindigkeit etc. Um EUR 2,99 im App Store. www.weatherpro.de

wetterzentrale.de: Sehr umfangreiche, gut aufberei­tete Informationsseite mit aktuellen Daten, punktgenauen Vorhersagen, Klimakarten etc.  www.wetterzentrale.de

Yahoo! Wetter. Wer ein gut geschnürtes Wetter-Gesamtpaket sucht, liegt mit dieser kostenlosen App richtig. www.yahoo.de

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Weekend Magazin Nr. 11
Weekend Magazin Nr. 11 13./14.Juni 2014 Foto: Weekend Verlag