Soko Schwammerl: Pilz-Touristen auf Beutezug

Sie sind schmackhaft und heiß begehrt: Im Herbst ist traditionell Pilze-Zeit. Wenn die Schwammerl aus dem Boden schießen, suchen professionelle Pilz-Touristen die
heimischen Wälder auf. Ihnen auf der Spur: eigene Sokos der Bergwacht.

Pilze im Wald - Cover
In den südlichen Nachbarländern sind Pilze heiß begehrt – frisch, getrocknet oder eingelegt Foto: Colourbox.de

Die besten Plätze, die verrät man nicht – maximal in der Familie. Wo die heiß begehrten Schwammerl und Pilze wachsen, bleibt geheim. Umso ärgerlicher, wenn der Wald bereits geplündert wurde – radikal bis aufs letzte Eierschwammerl. Jedes Jahr zur Pilzsaison fallen regelrechte Schwammerl-Touristen in den Wäldern Kärntens, Tirols, Salzburgs und der Steiermark ein. Legal ist das nicht, doch für die organisierten Pilzsammler, meist aus Italien, zahlt sich das Geschäft aus. Solange sie nicht geschnappt werden.

Strafen

Die gesetzlichen Vorgaben sind klar: zwei Kilo pro Person und Tag. Mehr ist verboten. In Kärnten ist die Sammelei zeitlich begrenzt, dort herrscht ab 1. Oktober Schonzeit für die Sporengewächse. Des nächtens ist das Sammeln von Pilzen ebenfalls untersagt, nur von 7 bis 19 Uhr dürfen die Wälder nach Schwammerl abgegrast werden. Bei Zuwiderhandeln gegen Forst- und Landesgesetze winken deftige Strafen: je nach Menge und Bundesland von 35 Euro aufwärts. In Salzburg etwa können bis zu 14.000 Euro Geldstrafe fällig werden, in Tirol sogar bis zu 30.000 Euro. 

Große Fänge

Die Pilzdiebe werden immer dreister. Vor drei Wochen wurden bei einer Kontrolle in Tirol 80 kg beschlagnahmt. Es ist aber immer nur ein Bruchteil, der ins Netz geht, bedauert Walter Zobl, Landespressereferent der Tiroler Bergwacht. „Die Dunkelziffer derjenigen, die davonkommen, ist sehr hoch.“ Die ehrenamtlich tätigen Mitglieder der Bergwacht kontrollieren vorwiegend am Wochenende, unter der Woche haben Pilz-Schmuggler meist freie Fahrt. Sogar im Winter wird in Tirol nach Eispilzen gesucht. Die Gründe, warum sich die Übeltäter trotz drakonischen Strafen nicht abhalten lassen, ist monetär begründet. „Man muss sich nur anschauen, was ein Schwammerlgulasch kostet“, so Zobl. Für einen Kilogramm getrocknete Pilze braucht man zehn bis zwölf Kilogramm ­frische. In einer Delikatessen-Kette werden 60 Gramm getrocknete Steinpilze aus Italien für 19,99 Euro gehandelt – das ergibt einen stolzen Kilopreis von mehr als 330 Euro. Da zahlt sich das Risiko aus.

Korb mit Pilzen
Zwei Kilogramm Pilze pro Person und Tag darf man sammeln Foto: Colourbox.de

Organisiert

Die organisierte „Schwammerl-Mafia“ trocknet die Pilze zum Teil auch gleich im Quartier vor Ort. Andere versuchen, das begehrte Gut Kistenweise außer Landes zu karren. In Kärnten zum Beispiel erwischte die Bergwacht einen Autofahrer mit 135 kg Steinpilzen auf den Weg Richtung Süden. Aber schwarze Schafe gibt es auch unter den Einheimischen.  

Stadtpilze

Sogar in Wien kann man das ganze Jahr über Pilze suchen und finden: Parasol und Eierschwammerl im 19. Bezirk, Boviste am Bisamberg. Auch in der Lobau sprießen die Schwammerl. Wann und wie viel gesammelt werden darf, bestimmt das Forstgesetz. Geahndet wird in der Hauptstadt von der Polizei, die allzu gierige Pilzjäger auch abstraft. „Trotz der hohen Preise gibt es in Wien derzeit keinen Schwarzmarkt für Schwammerl“, sagt Alexander Hengl von der MA 59, Marktservice und Lebensmittel­sicherheit (früher Marktamt). 

Privileg

Der Wald ist kein Selbstbedienungsladen. Auch wenn ihn viele dafür halten. Nur der Wald-Eigentümer darf mehr als zwei Kilo pro Tag mitnehmen. Auch steht ihm zu das Sammeln auf seinem Grund auch verbieten.

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Foto: GEPA-PICTURES