OÖ-Wahl: Nach dem Politbeben, vor dem Sesselrücken

Rochaden. Die Landtagswahl ist geschlagen, die politische Landschaft in OÖ hat sich tiefgreifend verändert. Mit den neu gemischten Karten, kommen auch neue Player ins Spiel.

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Manfred Haimbuchner, der lachende Dritte, hievte die FPÖ auf Platz zwei und darf nun zwei weitere Landesräte rekrutieren. Foto: Cityfoto/Pelzl

Wer koaliert mit wem, welche Landesräte werden  bleiben, wer muss gehen, wer wird kommen? Nach dem emotionsgeladenen Wahl-Sonntag, mit historischen Verlusten für VP und SP, bleibt den Protagonisten kaum Zeit zum Wundenlecken, gilt es doch die Weichen für die nächsten sechs Jahre zu stellen.

Das Pionier-Projekt Schwarz-Grün ist angesichts der enormen VP-Verluste nach zwölf Jahren Geschichte, da helfen auch die mageren 1,1 Prozent Plus der Grünen nichts. Dennoch würde Rudi Anschober gerne mit seinem bisherigen Partner weitermachen und regt eine Dreier-Koalition Schwarz-Rot-Grün an: „Ich arbeite gerne mit Pühringer zusammen.“ Der Ball liegt bei Landeshauptmann Josef Pühringer, der sich alle Op­tionen – auch Schwarz-Blau – offen hält und in den nächsten Wochen „sondieren“ möchte.

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Der „kleine“ Wahlsieger Rudi Anschober (Grüne) bleibt Landesrat. Judith Raab (Neos) verpasste den Einzug in den Landtag. Foto: Cityfoto/Pelzl

Proporz

Zwingend nötig ist eine Koalition nicht. Das ­System „Konzentrationsre­gierung“ – mit Landeshauptmann und acht Landesräten – macht in Oberösterreich auch das freie Spiel der Kräfte möglich, da die Parteien nach dem Proporz in der Regierung ­vertreten sind – und hier wird sich einiges verschieben. LH-Kronprinz Thomas Stelzer wird LH-Stellvertreter Franz Hiesl nachfolgen.

Fix ist, dass ein schwarzer Landesrat gehen muss. Ob das der Bauernbündler Max Hiegelsberger, Vorzeigefrau Doris Hummer (Wirtschaftsbund) oder Michael Strugl (ebenfalls Wirtschaftsbund) sein wird, ­könnte die ÖVP vor eine ­interne Zerreißprobe stellen. 

Der dritte Mann?

Die FPÖ verdreifacht sich und wird drei Landesräte stellen. Neben Manfred Haimbuchner, ist Klubobmann Günther Steinkellner fix. Er bekundet ­bereits Interesse am Finanz-Ressort (gehörte bisher zu Pühringers Agenden) oder am Infrastruktur-Ressort. Als dritter Landesrat wird unter anderem Herwig Mahr gehandelt. Der Trauner Bürgermeisterkandidat ist mit seinem SP-Kontrahenten in der Stichwahl. Weiters sind die Landtagsabgeordnete Brigitte Povysil und Wolfgang Klinger, Landesobmann der freiheitlich Wirtschaft, im Gespräch.

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Klubobmann Günther Steinkellner (li.) ist fix FP-Landesrat Nr. 2, der Trauner Herwig Mahr ist möglicherweise die Nr. 3. Foto: Cityfoto/Pelzl

One-Man-Show

Die SPÖ halbiert sich. Abschied nehmen heißt es von SP-Sozial-Landesrätin Gertraud Jahn. Ob der verbleibende Landesrat Reinhold Entholzer heißt, wird sich weisen. Die Grünen behalten ihren Sitz in der Landesregierung. Sollte es jedoch zu keiner Koalition mit Grün-Beteiligung kommen, wird es für Umwelt-Landesrat Rudi Anschober mit Sicherheit schwieriger werden, sein Energiewende-Projekt in der bisherigen Intensität voran­zutreiben.

Tops & Flops

Wahlbeteiligung: Mit 97,43 % gab es in der Nebelberg (Bezirk Rohrbach) die höchste Wahlbeteiligung, die ­niedrigste in Mondsee (Bezirk Vöcklabruck) mit 68,71 %.   

Top-Ergebnisse: ÖVP: 67,96% in Kaltenberg (Bezirk Freistadt); SPÖ: 40,42 % in Obertraun (Bezirk Gmunden); FPÖ: 56,63 % in St. Georgen am Fillmannsbach (Bezirk Braunau); Grüne: 22,86 % in Ottensheim (Bezirk Urfahr-Umgebung); Neos: 8,86 % in Windhaag (Bezirk Perg).

Flop-Ergebnisse: ÖVP: 22,23 % in Lenzing (Bezirk Vöcklabruck); SPÖ: 2,46 % in Radegund (Bezirk Braunau); FPÖ: 15,68 % in Hallstatt (Bezirk Gmunden); Grüne: 2,36 % in Rosenau am Hengstpaß ­(Bezirk Kirchdorf); Neos: 0,72 % in St. Georgen am Fillmannsbach (Bezirk Braunau).

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