Grazer Kritik am Eishockeyverband – „Hochgradig unfähig“

99ers-Geschäftsführer Bernd Vollmann attackiert den Österreichische Eishockeyverband und Präsident Dieter Kalt frontal: „Konzeptlos und ineffizient!“

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Foto: GEPA pictures

Nahezu alle Vereine der EBEL waren in dieser Transferperiode gezwungenermaßen einmal mehr sehr aktiv. Über 100 Neuzugänge verzeichneten die zwölf Teams. Auffällig ist aber, dass die Zahl der heimischen Profis wieder gesunken ist: In der Saison 2015/16 stehen 106 österreichische Profis auf dem Eis – vergangenes Jahr waren es noch 154. „Der Österreichische Eishockeyverband ist leider hochgradig unfähig, Lobbying zu betreiben und die Jugendarbeit national effizient zu koordinieren und zu entwickeln“, zieht 99ers-Geschäftsführer Bernd Vollmann vom Leder. Während die Quantität der „Imports“ steigt, ist es um die Qualität weit weniger rosig bestellt. Auch die 99ers setzen vermehrt auf Legionäre. Im 23-Mann-Kader finden sich lediglich acht rot-weiss-rote Cracks wieder – dazu kommen noch vier sogenannte „Prospects“, das sind junge österreichische Spieler, die bei den Profis mittrainieren. Und Vollmann legt nach: „Durch die fehlende Anzahl an qualitativ hochwertigen und leistbaren österreichischen Spielern sind die Vereine gezwungen, viele Imports zu verpflichten, um in der Liga nicht sportlich abzufallen“, mahnt er ein völliges Umdenken ein.

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Kooperation

In der zweiten steirischen Eishockey-Hochburg Kapfenberg hoben die 99ers mit dem KSV Eishockey einen Kooperationsverein aus der Taufe, bei dem zehn bis zwölf junge Talente zum Einsatz kommen sollen. Trainiert wird am Vormittag in Graz und am Nachmittag in der Obersteiermark. Spielen wird der KSV in der Inter-National-League gegen Vereine wie VEU Feldkirch, Jesenice und Lustenau.

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Die neue Saison

Die EBEL, die wieder mit zwölf Teams aus fünf Ländern über die Bühne geht, kann auf eine gute Bilanz in der vergangenen Saison zurückblicken – über eine Million Zuschauer kamen in die Hallen. Im Reglement gab es dennoch einige Änderungen, wie zum Beispiel die Punkteverteilung und das Overtime-Reglement. Der Sieger nach regulärer Spielzeit erhält nun drei statt zwei Punkte. Unverändert bleiben hingegen die zwei Zähler, die man für einen Sieg in der Verlängerung oder nach Penaltyschießen bekommt – der Verlierer bekommt einen Punkt. Die Verlängerung wurde von fünf auf sieben Minuten ausgedehnt, zusätzlich wird nach der ersten Unterbrechung auf drei gegen drei umgestellt. Der Grunddurchgang wird bis 17. Jänner in einer doppelten Hin- und Rückrunde gespielt (44 Spiele). Darauf folgt wie gewohnt die Aufteilung der Teams in die „Pick-Round“ und die Qualifikationsrunde. Die besten acht Teams bestreiten die Play-Offs mit Viertelfinale, Halbfinale und Finale im Best-of-seven-Modus. Der neue Meister wird spätestens am 14. April feststehen.

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Foto: MA-Quadrat

Im neuen Glanz

In diesem Jahr war neben dem alljährlichen Spielerkarussell auch die Eishalle Liebenau von Umbauarbeiten betroffen. Die Stadt Graz investiert bis zu den Special-Olympics-Winterspielen 3,3 Millionen in den Umbau des „Bunkers“ – im Sommer wurden Eisfläche und Eistechnik auf Vordermann gebracht. Nächstes Jahr folgt dann der zweite Schritt der Sanierungsmaßnahmen: An der Nordfassade entsteht ein Zubau, in dem 99ers-Kabinen, VIP- und Pressebereiche, ein Publikumsraum mit Schuhverleih und Shop untergebracht werden. Zwischen der denkmalgeschützten Dachkonstruktion und dem neuen Anbau wird eine „Pietätsfuge“ bleiben. Durch den Umbau wird auch die Zuschauerkapazität der Halle aufgestockt. Künftig werden rund 4.000 Zuschauer in „St. Liebenau“ Platz finden. Auch die Kabinen für die Gastmannschaften und Hobbyvereine unter den Tribünen werden generalsaniert.

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Foto: MA-Quadrat

99ers-Geschäftsführer Bernd Vollmann im Interview

Wie wichtig ist der Umbau der Eishalle für die 99ers und welche positiven Effekte erwarten Sie sich?
Bernd Vollmann: Der Umbau ist nicht nur für die Moser Medical Graz99ers wichtig, sondern für den gesamten Eissport in Graz! Die Halle ist 8 Monate pro Jahr, 7 Tage die Woche in Betrieb, daher ist die Renovierung, bzw. der Umbau längst überfällig! Wir werden im „Bunker NEU“ ab 2016/17 einen Eishockeyboom in Graz erleben. Die Graz99ers werden den Fans neben der Action am Eis auch eine Menge an Entertainment in der Halle zeigen! Die Planungen dafür laufen schon jetzt auf Hochtouren!

Das Transferkarussell hat sich wieder ordentlich gedreht. Warum ist gerade im Eishockey die Transferanzahl so hoch?
Bernd Vollmann: Es ist eine nordamerikanische Sportart und die Spieler sind es gewohnt oft den Verein zu wechseln. In den amerikanischen Ligen wechseln die Spieler teilweise 3-4 mal pro Saison.

Warum finden sich immer weniger Österreicher in den Kadern der EBEL-Vereine?
Bernd Vollmann: Das ist ein Strukturproblem des österreichischen Eishockeys. Die Vereine sind Einzelkämpfer in den jeweiligen Regionen. Der Österreichische Eishockeyverband ist leider hochgradig unfähig, Lobbying zu betreiben und die Jugendarbeit national effizient zu koordinieren und zu entwickeln. Durch fehlenden Wettbewerb in den Jugendligen wird es immer schwieriger, einen talentierten Spieler entsprechend weiterzuentwickeln! Und diese Jugendlichen fehlen uns! Hier hat Graz mit den Nachwuchsspielern Natter, Zierer, Konecny und Petrovitz in der Kampfmannschaft eine Vorbildfunktion. Aber auch die Eishockey Liga (EBEL) muss sich Gedanken machen, ob es Sinn macht, ihre Vereine mit Projekten wie der Champions Hockey League in Sphären zu treiben, die für die gesunde Entwicklung einer kleinen Eishockeynation wie Österreich nicht gut sind. Durch die fehlende Anzahl an qualitativ hochwertigen, leistbaren (!) österreichischen Spielern sind die Vereine gezwungen, viele Imports zu verpflichten, um in der Liga nicht sportlich abzufallen! Hier wird über kurz oder lang ein Umdenken stattfinden müssen – wir wären bereit dafür!