Geheimnis umwittert: Was Geheimbünde ausmacht

Illuminati, Freimaurer und Co. – Geheimbünde faszinieren uns seit jeher. Nun tagt die Bilderberg-Konferenz in Telfs bei Innsbruck. Mythen und Spekulationen umkreisen das Thema. Ein Blick auf die Fakten.

Geheimbund - Cover
Geheimbünde haben seit jeher eine starke Anziehungskraft auf Menschen ausgeübt Foto: FotoMaximum/iStock/Thinkstock

Vom 9. bis 14. Juni ist es soweit: Nur eine Woche nach dem G7-Gipfel – und auch nur wenige Kilometer davon entfernt – tagt die Bilderberg-Konferenz in Telfs/Tirol. Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und dem Finanzsektor beraten dabei über – ja über was genau? Das weiß man leider nicht so genau. Denn zugelassen zu diesen Treffen, an denen bereits die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, der Ex-Chef der US-Notenbank Alan Greenspan oder der ehemalige US-Präsident Bill Clinton teilgenommen haben, sind keine Medien. Zudem sind neben den Mitgliedern auch die genauen Themen und die Ergebnisse geheim. Und das schürt natürlich jede Menge Verschwörungstheorien. Was genau wird hinter verschlossenen Türen besprochen? Welche Entscheidungen werden getroffen? Und: Welche Auswirkungen haben diese Treffen tatsächlich?

Pragmatisch

Buchautor Michael Kraus – selbst ehemaliger Großmeister der Freimaurer in Österreich – sieht das recht nüchtern: „Bei Bilderberg gibt es keine so enge Bindung. Dementsprechend sind die Treffen wohl eher Mittel zum Zweck, da geht es weniger um den Versuch, gemeinsam wirklich etwas zum Besseren zu wenden. Denn: Wer Mitglied nur durch eine Unterschrift ist, von dem darf man auch nicht Engagement aus vollem Herzen erwarten.“ Damit spielt Kraus auch auf die eigenen Rituale an, die zu einer besonderen Bindung führen sollen, zu denen er ­leider offiziell keine Auskunft geben darf. Denn Mitglieder der Freimaurer, der weltweit größten und wohl berühmtesten Geheimgesellschaft, verpflichten sich zur Verschwiegenheit über alle Bräuche und Logen-Angelegenheiten.

Machtvoll?

Zunächst zu den Fakten: Rund fünf Mio. Mitglieder verzeichnen die Freimaurer weltweit, rund 2.600 davon in Österreich. Und wollen diese nun die Welt nach ihren Vorstellungen verändern? Österreichs Großmeister Georg Semler verneint und erklärt die Aufgaben so: „Jeder einzelne Bruder soll den Versuch unternehmen, in seiner unmittelbaren Umgebung mehr Menschlichkeit ins Leben zu bringen. Und um ehrlich zu sein: Es wäre unmöglich, einen solchen Einfluss in der Praxis auch nur zu formulieren, da ja Mitglieder zahlreicher politischer Richtungen bei uns vertreten sind. Da möchte ich nicht dabei sein, wenn eine politische  Stoßrichtung der Freimaurerei festgelegt werden soll.“

Symbol der Freimaurer
Ein-Dollar-Note: Das „allsehende Auge Gottes“ über der Pyramide ist nur eines der Symbole der Freimaurer Foto: Popartic/iStock/Thinkstock

Geheimhaltung

Dennoch: Geheimbünde fordern Verschwörungstheorien geradezu heraus – auch wenn die Geheimhaltung oft historische Gründe hat, wie Semler betont. In Österreich waren die Freimaurer nämlich ab 1795 nur mehr im Untergrund tätig und konnten sich erst wieder 1918 offiziell treffen. „Die Freimaurer sind zudem kein Geheimbund“, erklärt Kraus. Wir pflegen nur einen pri­vaten Umgang miteinander. Denn um offen diskutieren zu können, muss man sich sicher fühlen. Und das geht nur bei absoluter Diskretion.“ In Österreich ist es übrigens so, dass sich Freimaurer nicht öffentlich zu erkennen geben – es gibt aber natürlich Geheimzeichen, um sich gegenseitig zu erkennen. Das ist nicht überall so: „In den USA, Großbritannien oder Australien etwa werden unsere Symbole (Zirkel und Winkel) stolz auf dem Autokennzeichen präsentiert“, so Kraus.

Weltweite Faszination

Doch im anglikanischen Raum ticken die Uhren überhaupt anders. 17 amerikanische Präsidenten waren beispielsweise Freimaurer. Aber auch die Knochenmänner der „Skull & Bones“ (übersetzt Schädel und Knochen) haben Einfluss: Unter den Mitgliedern – alle Studenten der US-Elite-Universität Yale – finden sich George W. Bush oder sein Vater. Tatsache ist: Solange wie bei Bilderberg quasi ein Kartell der Macht hinter verschlossenen Türen tagt, werden Spekulationen gefördert. Aber auch die Faszination – die österreichischen Freimaurer etwa verzeichnen zahlreiche Anfragen, wie man Mitglied werden kann. Nachwuchssorgen gibt es also keine.

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