Der Friedhof der Namenlosen: Unbekannt in Ewigkeit

Die letzte Ruhe finden - aber wo? Beim Alberner Hafen tragen viele Gräber dieselbe Inschrift: Namenlos. Hier wurden die Toten der Donau bestattet. Vielleicht rastlose Seelen? Schaurige Mythen ranken sich um den Ort.

Friedhof Simmering
Foto: Christian Houdek/PID

Er zählt zu jenen Uni­katen, die es wohl nur in Wien gibt. Und fehlt genau deshalb in kaum einem Reiseführer: Die Rede ist vom Friedhof der Namenlosen, jenem Platz, an dem die unbekannten Donau-Toten ihre letzte Ruhe fanden.

Totengedenken

Dort, wo der Auwald und die Wiesen an den Alberner Hafen grenzen, befindet sich ein kleiner alter Friedhof. Schmucklos und einfach: Nur schmiedeeisene Kruzifixe kennzeichnen die Gräber. Auf Tafeln steht statt der Namen zu ­lesen: Unbekannt, Namenlos. Nur auf ganz wenigen findet sich ein Hinweis auf die Identität.

Letzte Ruhe

Zwischen 1848 und 1940 wurden hier die Toten, die die Donau wieder aus ihrem nassen Grab ausgespuckt hat, bestattet. Allein bis 1900 waren es 478. Von einigen der Verstorbenen konnte die Identität im Laufe der Zeit geklärt werden. Bei den meisten bleiben Herkunft und Todesursache jedoch nach wie vor mysteriös.

Ehrenamtlicher Wärter

Bis zu seinem Tod 1996 pflegte der ehrenamtliche Totengräber Josef Fuchs sechzig Jahre lang die einfachen Gräber. Seine Nachkommen führen dies nun fort.

Rastlose Seelen

Wer ins Wasser ging, wählte den Freitod. Auch „ertrunken durch fremde Hand“ liest man auf einer Inschrift. Wo sollte es sonst spuken, wenn nicht an einem solchen Ort voller Opfer und Selbstmörder? Vielleicht auch, um die Geister zu besänftigen, werden alljährlich zu Allerseelen die Gräber geschmückt. Am späten Nachmittag treiben mit Kerzen beleuchtete Kränze die dunkle Donau ­hinab. Unbekannt – doch unvergessen.

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