Zu Besuch im Böhmischen Prater: Nostalgie am Laaer Berg

Vergnügen wie anno dazumal: Der Karibik Twister oder das Tassen-Karussell. Mitten im Laaer Wald scheint die Zeit still zu stehen. Leider nur dort. Dem traditionsreichen Böhmischen Prater in Favoriten fehlt es an Publikum.

Böhmischer Prater
Foto: HaraldJahn/picturedesk.com

"Schön ist so ein Ringelspiel – des is a Hetz und kost net viel!“ sang schon Hermann Leopoldi. Wenn man den Böhmischen Prater am Laaer Berg besucht, fühlt man sich in eine andere Welt und Zeit versetzt. Dabei kämpfen hinter der nostalgischen Kulisse eine Handvoll Schausteller in Wiens kleinem Prater ums blanke Überleben.

Besucherschwund

Franz Reinhardt betreibt einige ­Attraktionen im Böhmischen Prater, darunter das weltweit erste Riesenrad, das nur auf einem Masten steht. Das ­„Panorama-Rad“ ist eines der höchsten Aussichtspunkte Wiens. Auch die Kaffeetassen und die Drehorgel zählen zu seinen Betrieben. Allein – das Leben als Schausteller ist kein Zuckerschlecken. Immer weniger Besucher finden den Weg hinauf auf den Laaer Berg – wohl auch mangels ­guter öffentlicher Anbindung. Autos dürfen keine zufahren, Parken muss man unten. Im Wahljahr 2011 wurde von den Grünen ein Shuttle-Bus finanziert, den die Prater-Unternehmer 2012 aus eigenen Mitteln weiter betrieben. Doch es rechnete sich nicht für die Schausteller, die ohnehin am finanziellen Limit leben. „Die Zeiten sind andere geworden“, bedauert auch Inge Reinhardt. Früher kamen noch regelmäßig Kindergärten und Schulklassen zu Tagesausflügen. Heute ist das Bildungs-Budget dafür zu knapp, auch das Interesse fehlt. „Die Leute haben kein Geld mehr. Und wer kein Geld hat, kann nicht fahren“, bedauert Inge Reinhardt. Manche Betreiber sperren unter der Woche gar nicht mehr auf – um Kosten für Strom und Personal zu sparen. Zu wenig Frequenz für den ­Dauerbetrieb.

Kein Häusl

Eine Schwach­stelle sind auch die fehlenden Sanitäranlagen: Obwohl es den Vergnügungspark seit mehr als 100 Jahren gibt, sucht man öffentliche WCs vergeblich. Wer muss, muss in eines der Gasthäuser und etwas konsumieren. Die Stadt Wien, der der Grund gehört, sieht hier ­keinen Investitionsbedarf.

Traditionsreich

Den Namen hat der Böhmische Prater von den Ziegelarbeitern, die im 19. Jahrhundert am Wienerberg schufteten und hier Zerstreuung vom harten Alltag suchten. Heute ist er ein Ausflugsziel für die Familie. Und immer noch ein Geheimtipp, selbst für Wiener – mit Break Dance, Märchenbahn, Drehorgelspieler u. v. m., das man aus Kindertagen kennt. Stelze, Surschnitzerl und tschechisches Bier serviert man hier ebenso wie beim „großen Bruder“ im 2. Bezirk. Und Wiens ältestes Karussell, der Legende nach noch vom Kaiser selbst eingeweiht. Ob es den Böhmischen Prater auch in 20 Jahren noch geben wird? „Ganz sicher!“, ist Franz Reinhardt überzeugt. Die Tradition gilt es zu bewahren – auch für spätere Genera­tionen. Hoffen wir es.