Bauern in der Krise: Der Bauer als Millionär

Kaum eine Berufsgruppe ist so engagiert bei der Gestaltung unserer Heimat wie die Bauern. Manche von ihnen lassen sich dieses Engagement durchaus großzügig entlohnen.

Cash.jpg
Landwirtschaft ist immer noch ein gutes Geschäft – die Privilegien der Bauern stehen jedoch in der Kritik Foto: simazoran/iStock/thinkstock_Thinkstock

Die heimische Bauernschaft ist in heller Aufregung: Schlagerstar Andreas Gabalier, beliebt, weil er eine Art „Bergbauernbua“-Image nach bester österreichischer Tradition pflegt, wirbt für einen Großkonzern. Einen nämlich, der mitverantwortlich dafür gemacht wird, dass die heimischen Milchpreise im Keller sind. Tatsächlich bekommen die heimischen Milchbauern pro Liter Milch nur mehr 30 Cent; in den 1990er-Jahren, vor dem EU-Beitritt lag er noch bei 42 Cent pro Liter. Und auch die Fleischpreise sind im Keller –das Export-Verbot nach Russland wirkt sich aus.Grund genug für den Landwirtschaftsminister, selbst in ­Zeiten eines harten Sparkurses neun Millionen Euro zur Finanzierung einer Werbekampagne auf den Tisch zu ­legen; regionale Milchpro­dukte sollen stärker beworben werden.

Betriebe werden größer

Die Bauernschaft jammert – und das nicht ganz zu Unrecht, denn das Realeinkommen der Bauern ist in den vergangenen Jahren gesunken. Ganz allgemein – so hört man – ist die Branche vom Preisverfall der Agrarprodukte gebeutelt. Und das schon geraume Zeit. Unter dem Stichwort „Bauernsterben“ wird jährlich in der „Agrarstrukturerhebung“ der Statistik Austria aufgelistet, wie viele Betriebe dem harten Leben eines Landwirts entsagen. Das Ergebnis ist erschreckend: Während zum Beispiel im Jahr 1995 noch 239.100 landwirtschaftliche Betriebe gezählt wurden, waren es im Jahr 2013 nur mehr 167.500. Allerdings habe sich der Rückgang der Betriebe verlangsamt, erklären die Statistiker. Die verbleibenden Betriebe aber werden immer größer: Wurde 1995 von einem Betrieb im Durchschnitt eine Gesamtfläche von 31,8 Hektar bewirtschaftet, so waren es 2013 bereits 43,5 Hektar. Dieses Phänomen lässt sich auch an den Rinder- und Schweinebeständen beobachten: Während der Gesamtbestand zurückgeht, sind die verbleibenden Tiere in größeren Herden zusammengefasst.

Himmel.jpg
Der Produktionswert der heimischen Landwirtschaft beträgt etwa 7 Milliarden Euro.   Foto: Lerche&Johnson/iStock/thinkstock

Kein Bauernsterben

Von einem Bauernsterben kann also nur bedingt gesprochen werden. Es ist eher eine Art Marktkonsolidierung – die Großen fressen die Kleinen, denn das ­Geschäft mit der Landwirtschaft ist ein Milliarden-Business geblieben: Der Gesamtproduktionswert der heimischen Landwirtschaft beträgt knapp sieben Milliarden Euro. Wohlgemerkt: Nur der Produktionswert. Dazu kommen noch die Förderungen.  Rund 2,1 Milliarden Euro Förderungen wurden in ­Österreich im vergangenen Jahr verteilt. An wen, darüber gibt die von den Bauern höchst ungeliebte Transparenzdatenbank der EU exakte Auskunft.

Förderunsinn 

Ein näherer Blick fördert hier mitunter Überraschendes zutage. So fragt man sich etwa, warum ausgerechnet das urbane Wien 2013 eine Fördersumme von 23 Millionen Euro erhalten hat, während das doch eher ländlich geprägte Tirol mit vergleichsweise schmalen  17,5 Millionen Euro das Auslangen finden musste. Auch darf bezweifelt werden, dass die Telekom Austria, die 2013 immerhin 1,14 Millionen Euro aus dem Agrarfördertopf erhalten hatte, ihren Bedarf an Melkmaschinen, Futtermitteln und Tiertransportern nicht aus eigenen Mitteln hätte decken können. Wenig überraschend: Einer relativ geringen Anzahl von Großbauern, die enorme Fördersummen kassieren, stehen Zigtausende Kleinbauern gegenüber, die aus den Fördertöpfen der EU einen Bettel erhalten. Und: Nicht nur Bauern werden aus diesen Töpfen gefördert, sondern zum Beispiel auch Schlachtbetriebe, Landwirtschaftsschulen, Vermarktungsorganisationen und andere, nicht produzierende ­Institutionen.

2701_vulkanland_blick_von_der_aussichtswarte_am_rosenberg.jpg
Der Bauer als Landschaftspfleger: Seine Arbeit kommt indirekt dem Tourismus zugute, wie hier in der Südoststeiermark.   Foto: Steiermark Tourismus/Harry Schiffer

Ungerecht

Dass die Bauernschaft hierzulande aber ein enormer Machtfaktor ist, ist unbestritten. Der Bauernbund etwa stellt ca. ein Drittel der ÖVP-Nationalratsabgeordneten, aber nur fünf Prozent der erwerbstätigen Österreicher sind Landwirte. Diese Macht drückt sich sehr real in ­Finanz- und Steuergesetzgebung aus. Die Zahl der Publikationen, die versuchen, die Machtverstrickungen von Bauernbund, Landwirtschaftskammern und Raiffeisenkonzern darzustellen, sind Legion. Wie sich diese Macht auswirkt, zeigt ein Blick auf die jüngst beschlossene Steuerreform und die Sonder­rechte, die die Bauern für sich ­herausverhandelt haben: Konkret in der Kritik ist die sogenannte Voll- und die Teilpauschalierung. Das WirtschaftsBlatt berichtet, dass dank dieser Pauschalierung manche Bauern „weit weniger Einkommensteuer als viele gewerbliche Klein- und Mittelbetriebe oder Kleinstunternehmer mit gleichen Einnahmen bezahlen“. Dies sei ­doppelt ungerecht, moniert die Zeitung: Die Steuerleistung der Landwirte am Gesamtsteueraufkommen würde nur rund 100 Millionen Euro jährlich betragen – was in ­keiner Relation zum Steueraufkommen aus Einkommen- und Körperschaftssteuer anderer Branchen stehe. 

Traktor.psd
Der durchschnitt­liche landwirtschaftliche Betrieb ist 43,5 ha groß. Foto: Dusan Kostic/iStock/Thinkstock

Alle Themen finden Sie in der aktuellen Ausgabe.

Mehr zum Thema: