Als Baby verwechselt? Steirerin sucht ihre Mutter

Durch eine Blutspende erfuhr eine junge Steirerin, dass ihre Mutter nicht ihre leibliche Mutter ist. Die Behörden stehen vor einem Rätsel. Die Uni Graz bittet nun mögliche Betroffene zum kostenlose DNA-Tests. Der Verdacht: Das Mädchen könnte als Kind vertauscht worden sein.

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Foto: Pierre MARCHAL / Science Photo Library / picturedesk.com

Obwohl die Wahrscheinlichkeit von Kindesverwechslungen in Krankenhäusern sehr gering ist, liegt der Verdacht nahe: Wenn ein Kind nicht dieselbe Blutgruppe hat, wie die vermeintliche Mutter, könnte es nach der Geburt im Krankenhaus vertauscht worden sein. Klingt unglaublich? Einer Steirerin ist genau das passiert. Umfangreiche Tests am Universitätsklinikum Graz brachten keine definitive Klärung. Nachdem auch Fehlerquellen außerhalb der Klinik in Betracht zu ziehen sind, hat das LKH-Univ. Klinikum Graz den Fall der Staatsanwaltschaft gemeldet, welche das Ermittlungsverfahren aber einstellte. Die Uni-Klinik Graz bietet daher einen kostenlosen DNA-Test an: Jedes Mädchen, das im Zeitraum zwischen 15. Oktober und 20. November 1990 an der Frauenklinik in Graz zur Welt gekommen ist, sowie Mütter, die in diesem Zeitraum eine Tochter geboren haben, können einen kostenlosen DNA-Test absolvieren. Termine können werktags unter der Nummer 0316/385 34567 (7.00 Uhr bis 15.00 Uhr) vereinbart werden. Weitere Informationen finden Sie auch auf www.klinikum-graz.at.

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Foto: Jeremy Durkin / Rex Features / picturedesk.com

 

Die offizielle Stellungnahme des Krankenhauses:


 „Wir sind seit bemüht, den Verdachtsfall aufzuklären. Sollte die Verwechslung tatsächlich bei uns passiert sein, möchte ich mich bei allen Betroffenen im Namen der Klinik entschuldigen“, erklärt Mag. Gebhard Falzberger, Betriebsdirektor des LKH-Univ. Klinikum Graz. Allerdings haben die durch mehrere Experten getätigten Untersuchungen bis jetzt kein Ergebnis gebracht. Zwischen 15. Oktober und 20. November 1990 wurden an der Univ.-Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe rund 200 Mädchen geboren. „Da für die Kindesverwechslung mehrere Fehlerquellen auch außerhalb der Klinik in Frage kommen, haben wir den Fall im April 2015 der Staatsanwaltschaft Graz gemeldet“, kommentiert Falzberger die Einschaltung der unabhängigen Prüfinstanz. Diese stellte im Dezember 2015 das Ermittlungsverfahren aus Beweiserwägungen ein.

Definitive Klärung nur durch DNA-Test


Eine definitive Klärung der Verwandtschaftsverhältnisse kann nur durch einen DNA-Test erfolgen. Deshalb besteht am LKH-Univ. Klinikum Graz für Frauen, welche im Zeitraum zwischen 15. Oktober und 20. November 1990 geboren wurden, und ihren Müttern die Möglichkeit, einen kostenlosen DNA-Test durchführen zu lassen. Falzberger: „Wir möchten sämtliche Angebote zur Aufklärung zur Verfügung stellen.“

Geringe Wahrscheinlichkeit


Die Grazer Univ.-Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, an der seit 1990 rund 78.500 Entbindungen stattfanden, zählt heute zu den Vorreitern, mit Hilfe von präventiven Maßnahmen Kindesverwechslungen auszuschließen. „So wurde unsererseits neben den Identifikationsarmbändern für Mutter und Kind ein zweites Identifikationsband am Fuß des Neugeborenen als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme eingeführt“, erläutert der Vorstand der Grazer Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Univ.-Prof. Dr. Uwe Lang. Diese Bänder werden mehrmals am Tag kontrolliert und der Kontrollvorgang wird anschließend in der Pflegedokumentation vermerkt. Durch ein optimiertes Raumkonzept bringen Mütter ihre Kinder in abgetrennten Kreißsälen zur Welt und das Baby wird auch direkt im Kreißsaal im Beisein der Eltern versorgt.
 

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