So wird der gemeinsame Urlaub zum sicheren Beziehungs-Killer

Im Alltag hat man gelernt, sich aus dem Weg zu gehen. Im Urlaub aber muss man sich permanent miteinander beschäftigen. Das hat Folgen: Der gemeinsame Urlaub soll laut Umfragen Auslöser jeder dritten Scheidung sein.

Kopie von Beziehungskrise
Sommerfrust statt Liebeslust Foto: thinkstockphotos.com

Einmal mehr bestätigt sich: Urlaub ist der reinste Beziehungskiller. So sehr man sich davor auch gefreut haben mag – die Zeit danach ist für viele eine Zeit des Herzschmerzes. Davor warnen uns nicht nur diverse Binsenweisheiten: Wenn eine Beziehung einmal den ersten Urlaub überlebt habe, sagt man, dann könne praktisch nichts mehr schiefgehen. Die Statistik scheint das zu bestätigen: Bei jeder dritten Ehescheidung soll der gemeinsame Urlaub der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt; Umfragen zufolge soll sich jeder Vierte nach einem Urlaub schon einmal von seinem Partner getrennt haben.

Faule Kompromisse

Die Gründe dafür sind vielschichtig: Enttäuschte Erwartungen stehen ganz oben auf der Liste der Top-Be­ziehungskiller. Birgit Maurer, die sich mit ihrer "Liebeskummerpraxis" in Wien und Graz notgedrungen mit der Thematik beschäftigt, be­stätigt das. "Oft wird nur ein ganz großer Jahresurlaub geplant – und genau das führt zu einem großen Erwartungsdruck. Beide Seiten wollen, dass im Urlaub alles perfekt ist." Dazu kommt, dass die Entscheidung für die Art des Urlaubs in einer Partnerschaft nicht selten zumindest für einen der beiden einen Kompromiss darstellt. Maurer: "Oft gibt es sehr ­unterschiedliche Urlaubsvorstellungen. Der Klassiker ist z. B. die Frage ob Urlaub in den Bergen oder am Meer." 

Freiraum

Klar ist auch: Wenn man plötzlich 24 Stunden am Tag nicht nur zusammen ist, sondern jede ein­zelne Tages-Entscheidung auf den Partner abgestimmt sein muss, kann es leichter zu Konflikten kommen als im Alltag. Denn in der Nicht-Urlaubszeit hat man gelernt, sich persönliche Freiräume zu schaffen. Die sind meist im Beziehungsleben ebenso notwendig wie selbstverständlich geworden – und während eines gemeinsam verbrachten Urlaubs plötzlich nicht mehr vorhanden. Daraus folgt, dass, wie Maurer sagt, "die Intensität des Gemeinsamen im Urlaub naturgemäß größer ist als im Alltag." Klar, dass nicht jeder oder jede mit dieser Inten­sität umgehen kann, zumal sie beide unvorbereitet trifft.  

Liebeszeit

Nicht nur die Freizeitplanung bietet übrigens Anlass, den gemein­samen Urlaub zum Albtraum werden zu lassen – auch das Phänomen „Eifersucht“ sollte nicht unterschätzt werden. Die flammt nämlich gerne dort auf, wo unter heißer Sonne viel nackte Haut zu ­sehen ist. Zumal bekannt ist, dass für die meisten Singles der Urlaub als Gelegenheit für Urlaubsflirts wahrgenommen wird. Umfragen wie die des Instituts "ElitePartner" belegt das: 77 Prozent der Befragten glauben, dass man im Urlaub die Liebe des Lebens finden könne; ein Drittel gibt an, schon einmal eine Beziehung gelebt zu haben, die im Urlaub entstanden sei. Die Hälfte der Befragten gab an, dass zumindest ein Flirt zum perfekten Urlaub dazugehöre.

Rettungsanker

Die gute Nachricht für alle, die nach dem Urlaub zerkracht wieder heimkommen: "Rettungschancen für die Beziehung gibt es immer", sagt die Paartherapeutin Birgit Maurer. Voraussetzung sei allerdings, dass beide Seiten Bereitschaft dazu zeigen. Maurers Empfehlung: "Auf jeden Fall erst einmal zur Ruhe zu kommen. Wenn man es möchte, ist die Beziehung zu retten. Vor ­allem aber gilt es, daraus zu lernen: Wenn man mit dem Partner über seine Erwar­tungen gesprochen hat und merkt, dass diese zu sehr auseinandergehen, muss man den Mut haben zu sehen, dass jede Beziehung Grenzen hat. Dann ist es zum Beispiel besser, Kompromisse einzugehen oder nicht zusammen, sondern mit Freunden zu verreisen."

Die Top-10 Urlaubsfallen

Er …
… will Action.
… steht mit dem Auto seit drei Stunden im Stau.
… will richtig lange ­ausschlafen und danach das Frühstücksfernsehen sehen.
… hat um 20.00 Uhr einen Tisch reserviert.
… will am Strand einen Krimi lesen.
… will keine Zeit mit Öffis ­verschwenden und ein Taxi nehmen.
… findet das Bikinihöschen der Poolnachbarin toll.
… hat einen haarigen, weißen Bierbauch.
… will abends in eine Sportsbar gehen, weil ein „wichtiges Spiel“ ansteht.
… will die Klimaanlage ­einschalten

Sie …
… will Kultur.
… meint: „Ich hab’s ja gleich ­gesagt: Die andere Strecke wäre besser gewesen.“
… will früh raus, um Strand­liegen zu reservieren und ­gemeinsam zu frühstücken.
… braucht bis 21.00 Uhr, um sich stadtfein zu machen.
… will reden.
… will auch im Urlaub Geld sparen.
… geht lieber im Badeanzug schwimmen.
… scherzt täglich mit dem durchtrainierten Surflehrer.
… will abends in ein nobles "Ristorante" gehen und ihr ­Sommerkleid ausführen.
… hat Angst vor Zugluft.

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