Risse in der Wand: So kann man sie schnell und effektiv beseitigen

Risse in der Wand sind beunruhigend, aber meist harmlos. Hin und wieder können sie aber auch ein Hinweis auf ein ernsthaftes Problem sein. Eines ist klar: Für den Handwerker, der sie verschwinden lassen will, sind sie eine Herausforderung.

Zum Glück meist harmlos
Die meisten Risse sind harmlos Foto: APA (dpa)

Kleine Risse im Putz sind meist nur ein optisches Problem. Größere können die Folge eines Baumangels sein. In Wohnungen treten am häufigsten oberflächliche Risse in den Ecken der Wände und Decken auf, die durch die Bewegungen der Bauteile entstehen. Wirklich problematisch sei dies nicht, sagt Sandra Queißer, Leiterin des Berliner Regionalbüros des Verbandes Privater Bauherren (VPB). "Diese Risse haben keine Auswirkungen auf die Statik und lassen sich leicht mit einer Acrylfuge schließen", erklärt die Diplom-Ingenieurin.

Arten von Rissen

Grundsätzlich sind zwei Arten von Rissen zu unterscheiden: "Es gibt putzbedingte Risse und putzgrundbedingte Risse, die von der tragenden Konstruktion herrühren", erläutert Diplom-Ingenieur Michael Heide vom Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB). Ursachen für letztere könnten etwa Probleme im Fundament sein oder Verformungen, die durch Lasten oder Temperaturschwankungen verursacht werden.

Ein weiteres Beispiel seien Setzrisse. Auf Sand- und Kiesböden setzen sich Neubauten schon nach einigen Monaten. Auf Ton- und Lehmböden kann der Vorgang Jahrzehnte dauern. "Dabei sinkt der Bau noch einige Millimeter und presst das Wasser allmählich aus dem Boden", erklärt Michael Höllrigl von den Baugewerblichen Verbänden Nordrhein-Westfalen. Ist etwa an einer Stelle noch hartes Gestein eingeschlossen, gibt der Boden nicht gleichmäßig nach. Schon eine geringe Schiefstellung könne Risse im gesamten Bauwerk verursachen.

Setzt sich der Bau gleichmäßig um 10 bis 15 Millimeter, sei dies kein Problem, sagt Michael Heide. Aber auch lange nach der Fertigstellung können noch Risse entstehen, etwa wenn ein Neubau mit Tiefgarage tiefer gegründet wird als der Altbau daneben. Auch die Verwendung unterschiedlicher Baustoffe kann zu Rissen in der tragenden Konstruktion und somit im Putz führen.

Zu den putzbedingten Rissen zählen unter anderem Sackrisse, also hängend verlaufende Risse, die beim Auftragen des Putzes entstehen. "Gründe dafür können eine schlechte Haftung sein, ein nasser Untergrund, zu weicher Putz oder ein zu dicker Putzmörtel-Auftrag", erklärt Michael Heide.

Schrumpf- oder Schwindrisse entstehen häufig, wenn in der prallen Sonne verputzt wird. "Trocknet der Putz zu schnell, zieht er sich zusammen und reißt", erklärt Sandra Queißer. Daher solle diese Arbeit eher am Abend verrichtet werden. Die netzförmigen Risse entstehen aber auch, wenn das unterm Putz liegende Baumaterial sich noch zusammenzieht. Vor allem bei Betonbauten sollte man vorm Verputzen ein paar Wochen abwarten, rät Michael Höllrigl. Auch die Farbe sollte man bedenken: "Sehr dunkle Fassaden werden im Sommer unglaublich heiß. Durch die Temperaturschwankungen kann der Putz abplatzen."

Wand
Bei gewissen Rissen ist Vorsicht geboten Foto: Thinkstock

Wenn der Riss zur Gefährdung wird

Nur in seltenen Fällen deuten Außenputzrisse auf eine Gefährdung der Standfestigkeit eines Baus hin, versichert Michael Heide. Das müssten schon mehrere Millimeter breite Risse sein. Statische Risse könnten saniert werden. Bei dynamischen Rissen im Putzuntergrund, die sich etwa durch ständige Erschütterungen des Bodens in der Nähe stark befahrener Straßen oder an Bahnschienen immer wieder bewegen, sei dies schwieriger. Hier müsse zuerst die Rissbildung im Mauerwerk fachgerecht saniert werden, bevor der Putz mit einer rissüberbrückenden Putzarmierung aufgetragen werden kann.

Auch Spannungen zwischen Bauteilen können Risse verursachen. "Sie entstehen zum Beispiel durch unsachgemäße Umbauten", erklärt Sandra Queißer vom VPB. So müsse etwa eine nicht-tragende Innenwand unbedingt mit Schaumstoff oder einem elastischen Band vom tragenden Mauerwerk entkoppelt werden, damit es nicht zu einer unerwünschten Belastung kommt. Haarrisse von 0,1 Millimeter Breite seien kein Problem. Sanieren sollte man sie an der Außenfassade trotzdem, damit kein Wasser eindringt. Wenn es im Winter gefriert, kann der Putz sonst aufplatzen.

Haarrisse in der Wohnung lassen sich leicht beheben: "Da kann man einfach drüberspachteln", sagt Queißer. Stärkere Risse müsse man zunächst mit einem Spachtel ausweiten, grundieren und mit einer ersten Putzschicht versehen. "Darauf legt man ein Gewebe oder Malervlies, das den Putz überbrückt, spachtelt noch mal Putz drauf und schleift das Ganze schließlich noch ab."

Leicht lässt sich herausfinden, ob ein Riss sich weiter ausbreitet. Dafür gibt es zum Beispiel Rissmonitore, durchsichtige Lineale mit einem Raster, mit deren Hilfe sich Veränderungen ablesen lassen. Oder aber man setzt eine Gipsplombe, sprich einen Haufen Gips, auf einen Riss. Reißt der ein, ist klar, dass der Riss sich noch bewegt.

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