Mit der tansanischen Eisenbahn vom Victoriasee zum Indischen Ozean

Klar, es gibt bequemere und schnellere Möglichkeiten, vom Victoriasee zum Indischen Ozean zu reisen als mit der tansanischen Eisenbahn. Aber wer eher meditativ und landestypisch reisen möchte, ist hier richtig.

Kopie von Tansanaia
Savannen dominieren Tansanias Landschaft. Halbwüsten und Küstenebenen machen den Rest aus. Foto: thinkstockphotos.de

Wenn man sich erst mit dem kargen Abteil und der Zeitlosigkeit der Reise angefreundet hat, beginnt eine Fahrt mit der tansanischen Eisenbahn richtig Freude zu bereiten. Drei Tage zuvor am Bahnhof von Mwanza am Südufer des Viktoriasees. Im Zug ist nichts von dem erhofften postkolonialen Charme, stattdessen postsozialistische beschichtete Spanplatten und eine durchgesessene Sitzbank mit rotem Plastikbezug.

Abschied vom Victoria-See

Victoria-See
Der in Ostafrika gelegene Lake Victoria ist der drittgrößte See der Welt. Foto: thinkstockphotos.de
Es beginnt eine 1.200 Kilometer Fahrt, quer durch Tansania, das 945.000 Quadratkilometer misst. Abschied vom Viktoria-See, dem drittgrößten See der Welt, 128 Mal so groß wie der Bodensee. Vor Mwanza steht auf einem Granitblock mitten im Hafenbecken der Bismarck-Felsen, der auch fast 100 Jahre nach dem Ende der deutschen Kolonialzeit in Ostafrika noch von vielen hier so genannt wird.

Vorbei an Granitfelsen schlängelt sich der Zug durch die schmale Trasse, bis die Landschaft ebener wird und die einzelnen "Kopjes" sich in der Weite verlieren. Kopjes ist Afrikaans und bedeutet kleine Köpfe, manche allerdings groß wie ein Einfamilienhaus, die Felsen sehen nicht selten tatsächlich aus wie Köpfe, andere wie von Riesenvögeln wahllos in die Landschaft gelegte Eier.

Ankunft in Tabora

Die Stadt ist der Knotenpunkt der Ost-West-Route und der Verbindung nach Norden. Diese Trasse haben die Engländer bis Ende der 1920er Jahre bauen lassen. Die mehr als 1.250 Kilometer lange Strecke von Daressalam nach Kigoma am Tanganjika-See, die Mittellandbahn, wurde von der Deutschen Kolonialmacht gebaut.

Die Sonne geht unter, Dunkelheit fällt über die Szenerie. Auch im Zug geht für einige Zeit das Licht aus. Am nächsten Morgen geht die Sonne tiefrot auf. Als Reisender ist man nun bereits 24 Stunden unterwegs. Bei den Zwischenstopps zieht immer wieder der Duft von gebratenem Fleisch, deftigen Suppen oder gegrillten Maiskolben in die Nase. Vor dem Zug haben Frauen ihre wackeligen Tische und Grills aufgebaut.

Daressalam - die eigentliche Hauptstadt

Daressalam
Daressalam ist mit 3 Millionen Einwohnern die größte Stadt in Tansania. Foto: thinkstockphotos.de

Am Nachmittag erreicht man die Hauptstadt Dodoma. Ein paar Glaspaläste ragen zwischen den Häusern empor. Hier tagen zwar die Abgeordneten, das Leben - auch das politische - spielt sich aber nach wie vor in Daressalam ab, sagt Paul, der hier Internationale Beziehungen studiert hat und jetzt arbeitslos ist. Wieder wird es Nacht, kurz nach Mitternacht erreichen wir Morogoro, noch 200 Kilometer bis zum Ziel.

Wenig später erreicht man die Vororte von Daressalam, nach 1891 einige Jahre Sitz der Kolonialverwaltung für Deutsch-Ostafrika. Die Bahntrasse führt vorbei an endlosen Reihen ärmlicher Hütten. Noch einmal pfeift der Zug.

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