Machtvolle Botenstoffe: Hormone sind die wahren Dirigenten unseres Lebens

Sie steuern nicht nur unsere Gefühle, sondern auch das Denken, die Gesundheit und die Lust auf Sex. Als biochemische Botenstoffe beeinflussen Hormone den Körper und formen somit auch unsere Persönlichkeit. Eine Reise durch unseren Körper.

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Hormone wirken sich unter anderem auf unsere Stimmung aus. Foto: thinkstockphotos.com

Was macht uns zu dem Menschen, der wir sind? Eine Frage, die Mediziner, Sozio­logen und Philosophen seit Jahrhunderten beschäftigt. Neben Genen, der Umwelt und unserer Erziehung, werden wir noch von einer wei­teren Macht beeinflusst: Hunderte Hormone steuern unser Denken, unsere Gefühle und somit auch unser Handeln.

Interne Kommunikation

Hormone sind Wirkstoffe, die von den Hormondrüsen oder von Bereichen im Nervensystem gebildet werden. „Über das Blut werden sie im ganzen Körper verteilt und tragen als Botenstoffe bestimmte Informationen zu den Organen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Anton Luger. Weibliche und männliche Geschlechtshormone entstehen in den Eierstöcken bzw. den Hoden. Insulin, das den Blutzuckerspiegel reguliert, wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet und Adrenalin in der Nebenniere produziert. Entdeckt wurden bis dato 150 Hormone. Wissenschafter gehen aber davon aus, dass etwa tausend Hormone die Prozesse unseres Körpers beeinflussen.

Medizinischer Nutzen

Hormone, die bis jetzt erforscht  wurden, versucht die Medizin und Pharmaindustrie therapeutisch zu nutzen. So setzen Ärzte etwa Insulin ein, um Diabetiker zu behandeln. Die Anti­babypille ist eine Ladung von Hormonen, die dem Körper vorgaukelt er sei schwanger – um damit eine echte Schwangerschaft zu verhindern.

Hormon-Doping

Auch im Sport wird immer wieder mit Hormonen experimentiert. Bei 70 bis 80 Prozent aller aufgedeckten Dopingfälle werden Testosteron oder ­andere Substanzen aus der Gruppe der anabolen Steroide (Anabolika) nachgewiesen. „Das männliche Geschlechtshormon Testosteron steigert den Muskelaufbau und damit die Leistung- sfähigkeit des Sportlers“, so Luger.

Liebesrausch

Da stimmt die Chemie, heißt es, wenn zwei sich gut verstehen. Tatsächlich werden auch Lust und Liebe von biochemischen Prozessen im Körper beeinflusst: Ein Cocktail aus Hormonen sorgt für Schmetterlinge im Bauch und wirbelt unsere Abläufe im Körper durcheinander. Dass wir überhaupt anfällig für die Reize eines neuen Herzblattes sind, liegt hauptsächlich an den im Körper freigesetzten Hormonen Dopamin, Adrenalin, Testosteron, Serotonin und den Pheromonen – den Botenstoffen der Liebe. Pheromone sind Sexual-Lockstoffe, die durch die Luft zur Nase des Partners ge­langen. Je verschiedener die Gene zwischen zwei Menschen sind, desto besser können sie sich riechen. Ein Trick der Evolution: Eine hohe Anzahl unterschiedlichen Erbguts ist aus biolo­gischer Sicht eine optimale Kombination. Sie stärkt die Nachkommen, die sich variantenreicher an ihre Umwelt anpassen können. Dopamin macht uns euphorisch und aufgedreht, Adrenalin aufgeregt und Testosteron erhöht unsere Lust. Für die Bindung und Nähe zum Partner ist das Liebeshormon Oxytocin zuständig. Es festigt das Gefühl der Liebe zum Partner. Fortpflanzung und Nachwuchs sind so gut wie gesichert.

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Ob die Chemie stimmt, hängt maßgeblich von Hormonen ab. Foto: thinkstockphotos.com

Wachstum

Auch für das Wachsen und Altern sind unsere Hormone zuständig. Der Botenstoff Somatropin wird in der Hirnanhangsdrüse produziert und ist nach der Geburt für das Heranwachsen des Babys verantwortlich. Dabei reguliert das Hormon etwa den ­Aufbau von Knochen und Knorpel. Wachstumshor­mone werden zum größten Teil in der Nacht produziert.

Altern

In den Wechseljahren wird bei Frauen der Hormonhaushalt umgestellt. Der Mensch altert – und in der  Folge werden in den Eierstöcken weniger Hormone produziert. Frauen leiden in den Wechseljahren häufig unter Hitzewallungen und Schweißausbrüchen. Männer haben keine Wechsel­beschwerden, aber auch ihr Körper verändert sich hormonell. Dieser Vorgang zieht sich allerdings über Jahrzehnte. So sinkt häufig der Testosteronspiegel mit zunehmendem Alter. „Ein niedriger Testosteronspiegel beim Mann kann durch den Abbau von Fett erhöht werden. Sport und eine gesunde Ernährung sind deswegen sehr wichtig“, so Dr. Luger. Der beste Weg, ist meistens der natürliche Weg.

Univ.-Prof. Dr. Anton Luger, Facharzt für Innere Medizin und Endokrinologie im Gespräch mit dem Weekend Magazin:

Über den gesamten Tag betrachtet, wann spielen Hormone eine besondere Rolle?

Das Stresshormon Cortisol steigt in der Früh auf sein Maximum an, um den Körper in Gang zu ­bringen. Während dem Essen sorgt das Insulin ­dafür, dass die Körperzellen mit Traubenzucker ­versorgt werden. Nachts wird vermehrt ­Wachstumshormon freigesetzt.

An welchen Symptomen erkenne ich, dass mit meinem Hormon-Haushalt etwas nicht stimmt?

Hitzewallungen, leichte Reizbarkeit, eine Depression, oder die Abnahme der Libido könnten auf ­hormonelle Beschwerden hinweisen. Eine Messung des Hormonstatus verschafft Klarheit.

Ist es möglich, Hormone in der Apotheke zu kaufen. Ist das zu empfehlen?

Die Einnahme muss mit dem Arzt ­abgeklärt werden. Gefährlich können Käufe übers Internet werden. So werden etwa von Tieren hergestellte Schilddrüsenhormone oder Dopingmittel (Testosteron) online verkauft.

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