Geldmaschine Seitensprung

Internetportale, Treuetester, Detektive – mit Affären lässt sich einiges verdienen. Wir haben die einschlägigen Angebote genauer unter die Lupe genommen.

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Foto: iStock/Thinkstock/Katarzyna Bialasiewicz

Hand aufs Herz: Waren Sie immer treu? Frauen sollen laut einer Studie ja auf Affären programmiert sein – evolutionsbeding, versteht sich. Und aktuellen Umfragen zufolge ist ein Drittel der Österreicher zumindest einmal fremdgegangen. Konträr dazu: 94 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen Treue wichtig ist. Ja, wie nun? Experten betonen, dass es – bis auf die wenigen pathologischen Fremdgeher – keine grundsätzlich treuen bzw. immer untreuen Menschen gibt. Die meisten, so bestätigt auch die Journalistin und Autorin Pamela Obermaier („Seitensprung“ im Goldegg Verlag), handeln situationsabhängig: „In vielen Fällen handelt es sich um eine Lebensphase, oder die Beziehung an sich ist der Grund, warum der untreue Part außen nach neuem Glück sucht.“

Kavaliersdelikt Seitensprung

Fakt ist: Das Geschäft mit dem Seitensprung boomt. Darauf weist nicht zuletzt die Anzahl einschlägiger Internetportale hin. Allein bei Ashley Madison, einer der weltweit größten Seitensprung-Websites, sind rund 33.000 Österreicher angemeldet – das wurde bekannt, als der Online-Anbieter im Vorjahr Opfer einer Hacker-Attacke wurde. Insgesamt sollen sich hierzulande sogar rund 360.000 Frauen und Männer auf Portalen tummeln, die ihren Fokus auf die körperlichen Aspekte zwischenmenschlicher Beziehungen gelegt haben. Einen Großteil machen dabei Männer aus, Frauen sollen mit Gratis-Mitgliedschaften gelockt werden.

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Foto: iStock/Thinkstock/Stadtratte

 

Business-Modell

Aus den mehr oder minder schlüpfrigen Angeboten zum Seitensprung ist in den vergangenen Jahren ein richtiges Business geworden. Das Angebot ist weitreichend: Von Alibis über Kontakte bis hin zu Seitensprungzimmern wird alles geboten. „Der Zweck besteht darin, Menschen – Pärchen, Verliebte, zu zweit, zu dritt oder wie auch immer – eine Möglichkeit zu bieten, diskret Zeit in angenehmem Ambiente zu genießen“, erklärt zum Beispiel www.seitensprungzimmer.at sein Angebot. Die Frage „Zu mir oder zu dir?“ stellt sich damit nicht mehr. Auf Ähnliches setzt auch das „geheime Liebesnest“  (www.geheimes-liebesnest.at) in der Nähe von Linz. Die Luxusappartements können nur mit einem Zugangscode betreten werden – eben weil das Liebesnest etwas Geheimes bleiben soll, so die Betreiber. Dieses „Love-Hotel“ punktet vor allem mit absoluter Anonymität, nicht einmal die Betreiber (die übrigens ebenfalls lieber anonym bleiben) bekommen die Gäste zu Gesicht, die sich stundenweise in die Appartements einmieten.

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Foto: iStock/Thinkstock/Andrey Popov

 

 

 

Treuetester

Doch wo eine Möglichkeit zum Fremdgehen, da ist auch das Misstrauen nicht weit. Eine Umfrage des Seitensprung-Portals Viktoria Milan hat ergeben: 80 Prozent der rund 10.000 Befragten haben Angst, dass ihr Partner ihnen nachschnüffeln könnte. Diese Befürchtungen sind nicht ganz unbegründet; mit dem Online-Affären-Boom nimmt auch das Angebot an Treuetestern und ähnlichen Diensten zu. Therese Kersten ist Scheidungsdetektivin und Treuetesterin in einem und bietet mit ihrer Agentur quasi ein „All-inclusive“-Service: Zuerst wird die Treue auf Herz und Nieren überprüft, gibt es Hinweise auf eine Affäre, liefert sie auch gleich gerichtsverwertbare Beweismittel wie Fotos – für den Fall, dass es gleich zum Scheidungsverfahren kommt. Ihr Fazit: Rund 90 Prozent der Männer gehen auf die Flirt-Versuche ein. Vielleicht ist es manchmal gut, nicht alles zu wissen.

 

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